Zerbst l Die Ära der Corso-Lichtspiele in der Zerbster Karlstraße geht offensichtlich zu Ende. Dies kann man aus einer Anzeige einer großen deutschen Bank schließen, die momentan auf dem online-Portal ebay-Kleinanzeigen zu finden ist. In dem Inserat wird das Grundstück auf dem das ehemalige Kino steht für 32.000 Euro zum Kauf angeboten.

„Das hier angebotene Baugrundstück mit etwa 1804 Quadratmetern Grundstücksfläche befindet sich in einem Mischgebiet im Stadtkern von Zerbst“, heißt es in der Anzeige. Das Grundstück sei bereits für den Bau von drei Reihenhäusern projektiert worden, dies sei jedoch bislang noch nicht umgesetzt. Auf dem Grundstück befinde sich aktuell noch ein abrissreifer Saalbau. Es sei voll erschlossen und teilbar.

Noch keine Genehmigung

Ein Kostenvoranschlag in Höhe von etwa 20.000 Euro für den Abriss des Saalbaus liege bereits vor, heißt es im Inserat auf der Anzeigenplattform weiter. Eine Abrissgenehmigung für das Gebäude gibt es offensichtlich aber noch nicht. „Eine Abrissanzeige liegt dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld bislang nicht vor“, schreibt Landkreissprecher Udo Pawelczyk auf Volksstimme-Nachfrage.

Das Kino in der Karlstraße hat eine lange Geschichte. Die „Corso Lichtspiele“ hätten am 1. Mai diesen Jahres ihren 72. Geburtstag gefeiert. Die ehemalige Besitzerin – eine Dame aus Roßlau – erhielt 1946 von der sowjetischen Kommandantur die Erlaubnis, die damalige Turnhalle in der Karlstraße in ein Lichtspieltheater umzubauen. Am 1. Mai 1947 wurde das Kino als „Corso Lichtspiele“ eröffnet. Es war das zweite Kino – neben den „Kammer Lichtspielen“ auf der Breite – das in Zerbst betrieben wurde.

Kino umbenannt

Beide Kinos wurden am 1. Mai 1950 vom kommunalen Wohnungsunternehmen der Stadt Zerbst übernommen und in Lichtspiele „Roter Garten“ und „Theater der Freundschaft“ umbenannt. Ende 1958 wurde das Kino in der Karlstraße modernisiert und erhielt eine größere Leinwand.

1964 wurde auch das Kino auf der Breite modernisiert. Doch das Fernsehen machte beiden Kinos mehr und mehr Konkurrenz. So wurde am 25. April 1966 die Lichtspiele „Roter Garten“ geschlossen und der Kinosaal wurde zur Sporthalle.

Die Pop-Romanze „Dirty Dancing“ bescherte den Kinos 1989 einen wahren Besucheransturm – auch in der Zerbster Karlstraße. Bis zur Wende 1989 gehörte das Kino zur Bezirksfilmdirektion Magdeburg. Später wurde es dann von der UFA AG-Düsseldorf übernommen und schloss 1993. Im Februar 1994 ist es nach einem Umbau unter dem alten und neuen Namen „Corso Lichtspiele“ mit dem Film „Eine Familie namens Beethoven“ wiedereröffnet worden. Doch auch dieser Betreiber zog sich bald wieder zurück.

Das Kino wurde erneut umgebaut und 1998 von Filmvorführer Andreas Behmel übernommen. Im unteren Saal ist eine Bar mit sechs Tischen mit 24 Plätzen eingezogen. Geholfen hat das alles nicht. Am 19. Mai 1999, fast auf den Tag genau 52 Jahre nach seiner Eröffnung, wurde das Kino für immer geschlossen – letzter Film: „Patch Adams“. Danach gab es immer mal wieder Bemühungen das Kino zu neuem Leben zu erwecken. 2011 wurde das Gebäude entkernt und sollte völlig neu gestaltet und modernisiert werden sowie neue Vorführtechnik erhalten. Es sollte ein nostalgisches Kino mit Bar und neuen Logen werden, war in einem Internet-Blog zu lesen. Eine Neueröffnung war für 2012 oder 2013 geplant.

Äre geht zu Ende

Daraus ist nichts geworden. Nun geht die Kino-Ära in Zerbst wohl endgültig dem Ende entgegen. Kinoabende beziehungsweise Filmvorführungen gibt es derzeit nur noch in der Essenzen-Fabrik in der Kastanienallee und hin und wieder im Zerbster Schloss.