Cyberkriminalität

Absolute Sicherheit gibt es nicht - Zerbster Bürgermeister im Interview zum Hacker-Angriff

Seit dem 6. Juli ist die Landkreisverwaltung durch einen Hacker-Angriff so gut wie arbeitsunfähig. Welche Auswirkungen die Attacke auf die Arbeit im Zerbster Rathaus hat und welche Schlüsse gezogen werden, darüber hat Volksstimme-Redakteur Thomas Kirchner mit Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) gesprochen.

Auch Bürgermesiter Andreas Dittmann ist gegen die Zahlung von Lösegeld bei Hacker-Angriffen auf Verwaltungen.
Auch Bürgermesiter Andreas Dittmann ist gegen die Zahlung von Lösegeld bei Hacker-Angriffen auf Verwaltungen. Foto: Thomas Kirchner

Volksstimme: Immer wieder gibt es Cyber-Attacken auf meist große Unternehmen mit anschließenden Lösegeldforderungen. Jetzt geriet offenbar auch die Öffentliche Hand ins Visier der Hacker. Überrascht Sie das?

Andreas Dittmann: Nein, warum sollten Cyberkriminelle um öffentliche Verwaltungen einen Bogen machen? Das war wohl mehr eine Frage der Zeit, wann es jemand schafft. Den Tätern muss aber klar sein, dass sie hier nicht einfach mal eine Verwaltung lahmlegen, sondern auch Sozialleistungen für Menschen in Frage stellen, die darauf angewiesen sind. Das hat darum auch überhaupt nichts von Robin Hood an sich.

Böse Stimmen gehen davon aus oder vermuten, dass der Hackerangriff auf Anhalt-Bitterfelds Verwaltung quasi nur ein Probelauf war und die öffentlichen Verwaltungen durchaus öfter lahmgelegt werden könnten.

An solchen Spekulationen beteilige ich mich nicht. Klar ist, dass schon lange alle privaten und öffentlichen Versorger Ziel von Hackerangriffen sind. Manche wollen nur wissen, ob es geht und wie weit sie in die Systeme kommen, andere wollen damit Lösegeld erpressen.

Landrat Andy Grabner hat den Medien gegenüber erklärt, dass er nicht gewillt ist, Lösegeld zu zahlen. Die öffentliche Hand werde sich nicht erpressen lassen. Sind Sie derselben Meinung?

Ja, es würde letztlich weitere Täter ermutigen, wenn das hier erfolgreich wäre.

Wie ist es um die Sicherheit der Computertechnik und Anwenderprogramme im Rathaus bestellt und welche Konsequenzen sind möglicherweise aus der Attacke zu ziehen, auch für die Zerbster Stadtverwaltung?

Absolute Sicherheit gibt es nicht. Wir sind mit unseren IT-Mitarbeitern hoffentlich immer auf der Höhe der Zeit. Es wurden umgehend alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informiert und über die Tücken von PDF-Dateien ins Bild gesetzt sowie natürlich die neuesten Sicherheitsupdates eingespielt. Da wir (noch) keine elektronische Aktenführung haben, könnten wir in einem vergleichbaren Fall zumindest mit Einzelarbeitsplätzen und papiergestützt weiterarbeiten, aber dennoch wären die Folgen sicher spürbar. Die Einwohnermeldedaten sind jedoch zum Beispiel nicht auf unseren Servern gelagert.

Die Landkreisverwaltung arbeitet faktisch auf Sparflamme. Vorrang haben die Zahlung von Sozialleistungen, die Zahlung von Gehältern und Rechnungen oder dringende Bürgerangelegenheiten. Welche Auswirkungen hat das auf die Arbeit im Zerbster Rathaus? Bei bestimmten Verwaltungsvorgängen, beispielsweise Baugenehmigungen, geht ja ohne Landkreisnichts. Müssen bestimmte Dinge auf Eis gelegt oder zurückgestellt werden?

Es wird mit Sicherheit zu Behinderungen kommen. Wir arbeiten zwar weiter und senden beispielsweise das gemeindliche Einvernehmen bei Bauanträgen per Post zum Landkreis, aber die Ämter dort brauchen halt ihre eigenen Daten und funktionierende Arbeitsplätze. Das gerade zu überführende neue Feuerwehrfahrzeug haben wir in Dessau zugelassen.

Können Sie beziehungsweise die Zerbster Stadtverwaltung den Landkreis in irgendeiner Form unterstützen, Amtshilfe leisten?

Bislang gibt es keine Anforderung des Landkreises.

Sie sind auch Fraktionsvorsitzender SPD/Grüne im Kreistag. Wie sieht es momentan mit Ausschuss- und Kreistagssitzungen aus?

Die werden wohl stattfinden, da in den Sommermonaten jedoch ohnehin weniger Sitzungen stattfinden, wird das dem Sitzungsdienst gelegen kommen.

Stehen Sie in regelmäßigen Kontakt mit Landrat Grabner und werden Sie über die aktuelle Lage informiert?

Er hat erstmal ordentlich zu tun. Wenn es neue Informationen gibt, wird er die Fraktionen und Bürgermeister auch informieren. Ich drängele da nicht.