Polenzko l Mit der ursprünglichen Bedeutung des Advents haben die Wochen vor Heiligabend im 21. Jahrhundert nur noch wenig zu tun. In der dunkelsten Zeit des Jahres auf der nördlichen Halbkugel verbrachten die Menschen die Zeit früher ruhiger, als das heute möglich ist. Die Adventszeit ist vor allem durch einen vollen Terminkalender für viele Familien geprägt. Eine Veranstaltung löst dabei die nächste ab.

60 Euro Spenden pro Woche

Der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates könnte die Zahl nur schätzen und wüsste trotzdem nicht, ob er nah am richtigen Ergebnis liegt, sagt er. Er könne nur sagen, dass die Kirchengemeinde pro Woche gut 60 Euro Spenden von den Besuchern erhalte. Tagsüber ist die kleine Kirche offen und jeder kann sie besuchen. In der christlichen Welt ist die kleine Kirche bekannt. Aus vielen Kontinenten kamen bereits die Besucher, um sich die Weihnachtskirche anzusehen.

In den hektischen Wochen der Adventszeit bleibt den Menschen in der Regel wenig Zeit, um sich auf das Fest zu besinnen. Eine Möglichkeit dazu sollte das Adventskonzert in der Weihnachtskirche in Polenzko bieten. Hier ist das Thema Weihnachten das ganze Jahr präsent. Aus aller Welt kommen die Menschen in die rund 800 Jahre alte Dorfkirche, um sich hier die übergroße Krippe anzusehen. „Wir wissen nicht, wie viele Menschen im Jahr die Kirche besuchen“, sagt Ullrich Hahn.

Bilder

Gäste aus Afrika

Mitunter fällt das Gespräch dann auch mal auf die Zahl der Gläubigen vor Ort, schildert er eine Begegnung mit Besuchern aus Afrika. Die Gäste konnten kaum glauben, schildert er, dass nur noch ein kleiner Teil der Bevölkerung der Kirche angehöre und damit gläubig sei. „Was ist mit dem Rest“, sei er gefragt worden. Mit dem Begriff der Atheisten hätten die Gäste wenig anfangen können.

Längst sei hierzulande nicht mehr bei allen Kindern klar, warum es das Weihnachtsfest überhaupt gebe, kennt Ullrich Hahn die Umfragen. Dass die Kirche längst nicht mehr die Mehrheit der Menschen erreiche, treibt ihn um. Bei dem Adventskonzert mit dem Zerbster Bläserchor und dem Singkreis von St. Trinitatis Zerbst sollen die Besucher gemeinsam in der Kirche singen. Das gemeinsame Singen ist es auch, was die Menschen zusammenhält.

Perspektive wechseln

Später wird er in einer kleinen Ansprache dafür werben, öfter mal die Perspektive zu wechseln. Aus einer anderen Blickrichtung ergeben sich oftmals andere Eindrücke und Schlussfolgerungen. Ein veränderter Blickwinkel sei auch in der Weihnachtszeit vielleicht mal notwendig, will er nach der Veranstaltung nicht ausschließen. Vor allem, wenn der Konsum nur noch das Weihnachtsfest ausmacht. Eine christliche Botschaft sei kaum noch auszumachen, hat er ebenso beobachtet. Ein Phänomen sei zudem, dass die Kirchen Heiligabend in der Regel sehr voll seien, Das sei sehr schön. Zu den am schlechtesten besuchten Gottesdiensten zählen allerdings diejenigen am ersten Weihnachtsfeiertag, schildert er.

Weihnachtsbaum und Weihnachtsmann

Dabei ist das Schenken zum Weihnachtsfest an Heiligabend noch gar nicht so alt. Früher wurden die Kinder am Nikolaustag beschenkt. Erst der Reformator Martin Luther lenkte die Aufmerksamkeit auf Weihnachten und wollte damit das zuvor rein kirchliche Fest vor allem für Kinder wohl interessanter machen. Vor knapp 500 Jahren rückte so Weihnachten immer mehr in den Mittelpunkt. Im 16. Jahrhundert gesellte sich der Weihnachtsbaum zum Fest. Der Weihnachtsmann ist eine noch jüngere Entwicklung. Er taucht erst ab dem 19 Jahrhundert auf. In der Zwischenzeit hat es reine regelrechte Inflation der Weihnachtsmänner gegeben.

Veränderte Bedeutung

Seit dem 1. Advent sind die rotbetuchten Nikoläuse flächendeckend unterwegs und verteilen Geschenke. Dank der Fülle der Gaben schon weit vor dem Weihnachtsfest haben es vor allem Kinder zunehmend schwer, die Geschenke einzuschätzen. Ein Beleg dafür sind die alten Weihnachtslieder, die die Kinder zwar heute noch singen, deren Bedeutung sich aber im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Die dort besungenen Gaben, wie beispielsweise Pfeffernuss, Apfel, Mandel und Korinth begeistern heute kaum noch Kinder. Denn Süßigkeiten sind heute überall verfügbar und kaum noch etwas Besonderes. Auch darauf will Ullrich Hahn aufmerksam machen, wenn er anregt, die Perspektive zu wechseln. Mitunter kann weniger auch viel mehr sein, ist er überzeugt

Vielleicht rückt dann auch der ursprüngliche Sinn der Weihnachtszeit wieder in den Vordergrund. Die Weihnachtskirche zeigt, dass das Thema viele Menschen auf der Welt das ganze Jahr über begleitet. In Polenzko ist in der Kirche die christliche Weihnachtsgeschichte immer präsent, das ganze Jahr über.