Reuden/Anhalt l Nachdem die Premiere des lebendigen Reudener Adventskalenders im vergangenen Jahr so gut angekommen war, gibt es nun die zweite Auflage. Ortsbürgermeister Elard Schmidt hatte wieder das erste Türchen übernommen, aber seine Mitbürger nicht auf seinen Hof, sondern zu einem Objekt an der Dorfstraße eingeladen. Ein „Überraschungspaket“ war angekündigt.

Einfach verdeckt

Die Fassade der Hausruine wurde angestrahlt. Der Schandfleck im Dorf war dem Ortsbürgermeister schon lange ein Dorn im Auge. Und da man sich in Reuden ja bekanntlich selber hilft, hatte Elard Schmidt ein Idee. Der unschöne Anblick könnte doch einfach verdeckt werden.

In der Dorfchronik fand sich das passende Ereignis, das verarbeitet werden konnte. 1813 hatte es in Reuden ein kleines Scharmützel gegeben. In der Dorfstraße soll es zu einer Schießerei zwischen Franzosen und Preußen oder Russen gekommen sein. Zwei Franzosen wurden wohl dabei getötet und auf dem Acker, an dessen Stelle heute die Hausreste stehen, sollen sie begraben worden sein.

Bilder

Diese Szene aus dem Gefecht mit dem Wortlaut aus der Chronik ließ Elard Schmidt auf zwei riesige Planen drucken, hinter denen nun quasi der Anblick des Abrissobjektes versteckt wird. Gesponsert wurden die Planen von der Kistenfabrik Puls. Geschäftsführer René Reichel war sofort von der Idee des Ortsbürgermeisters begeistert gewesen.

Für die Ent- beziehungsweise Verhüllung hatte Schmidt mit Erg Zimmer und den Arbeitskräften, die im Dorf beschäftigt sind, alles vorbereitet, so dass er beim Türchenöffnen nur die Bänder durchschneiden musste, um die Planen herunter zu lassen. Zehn Jahre sollen die Planen ohne Verblassen durchhalten...

Viele Besucher

Zahlreiche Bürger waren zum Kalenderauftakt erschienen, um sich die Überraschung nicht entgehen zu lassen. Bis zum 24. Dezember öffnet sich in Reuden/Anhalt jeden Abend um 18 Uhr eine andere Tür. Alle Tage konnten besetzt werden. Einige Termine haben die Vereine übernommen, ansonsten laden die Bürger zu sich ein. Es geht darum, die Vorweihnachtszeit gemeinsam zu erleben und die Gemeinschaft zu pflegen. Die Ortschaft ist am Nikolaustag wieder Türöffner. Da können sich die Kinder ihre Stiefel, die sie am Vortag abgegeben können, im Bürgerhaus wieder abholen.