Zerbst l Am Montagabend leuchteten viele markante Gebäude in vielen Städten in Signalrot – deutschlandweit. Auch die Zerbster Stadthalle war ganz in rotes Licht getaucht und das nicht nur ,weil es gut aussah. „Das ganze hat einen ernsten Hintergrund“, sagt Fabian Niese, Inhaber der Eventfabrik - Veranstaltungstechnik Zerbst. Seit dem 13. März sind alle Veranstaltungen verboten. „Seitdem dreht sich kein Rad mehr“, ist Niese frustriert. Die Aktion „Night of Light 2020“ ist ein Hilferuf an die Politik: Durch das Medium des Lichts wollen Firmen der Veranstaltungsbranche auf ihre Situation aufmerksam machen.

Und das betrifft keineswegs nur Konzertveranstalter oder Eventmanager, auch Firmen unter anderem im Messebau, Catering, Bühnenbau, Eventlocation, Messegesellschaften, Kongresscenter, Tagungshotels, die Künstler selbst und eben auch Veranstaltungstechniker sind betroffen.

Kulturbranche liegt brach

Nicht, dass Niese kein Verständnis für die Maßnahmen hat, die die Verbreitung des Coronavirus eindämmen und weitere Ansteckungen verhindern sollen, im Gegenteil. „Ich sehe durchaus die Notwendigkeit. Wir im Veranstaltungsbereich waren allerdings die ersten, die von der Covid-19-Krise getroffen waren und werden wahrscheinlich am längsten mit den Verboten zu kämpfen haben“, befürchtet der Eventtechniker. Niese: „Wäre ich nicht noch im Familienunternehmen tätig, ich wüsste nicht, wo ich jetzt stehen würde.“ Seine Firma sorgt quasi bei allen Stadtfesten und vielen anderen Veranstaltungen für den guten Ton, baut die Bühnen, beschafft und installiert die nötige Technik. „Kein Spargelfest, kein Heimatfest, kein Bollenmarkt, kein Abi-Ball, keine Konzerte – ich könnte ewig weiter aufzählen“, sagt Niese. Und so, wie es momentan aussehe, werde sich daran so bald auch nichts Grundlegendes ändern.

Bilder

„Das, was die Gastronomen und die Reisebranche noch vor wenigen Wochen bemängelt und gefordert haben, betrifft auch uns. Wir würden gerne ein wenig Licht am Ende des Tunnels sehen, eine Perspektive aufgezeigt bekommen“, geht sein Appell an die Politik. Doch stattdessen würde das Veranstaltungsverbot immer wieder verlängert. „Wie lange müssen wir noch durchhalten, einen Monat, drei, ein halbes Jahr? Das ist es, was uns beschäftigt“, betont Niese. Für viele Veranstaltungen sei eine gewisse Vorlaufzeit für die Planung nötig. „Ohne Zukunftsperspektive werden diese über das ganze Jahr abgesagt“, erklärt er.

Durchhaltekonzerte als Lichtblick

Zum Nichtstun verdammt, hat Fabian Niese zusammen mit Florian Straube über mehrere Wochen die Zerbster Durchhalte- beziehungsweise Balkonkonzerte organisiert. Insgesamt 15 haben stattgefunden. „Doch auch hier hat es anfangs Bedenken seitens der zuständigen Behörden beim Landkreis gegeben“, schildert Niese. Es habe eine Menge Diskussionen und Überzeugungskraft gebraucht, um die Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass solche Veranstaltungen auch mit Abstandsregeln und den nötigen Hygieneregeln durchgeführt werden können. Unterstützung habe er hier vom Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) bekommen.

„Auch unsere Branche würde gerne wieder starten. Doch wann und unter welchen Voraussetzungen, das weiß eben niemand und niemand äußert sich dazu“, moniert Fabian Niese. Er will jetzt mit einem Live-Musik-Abend Ende Juli an der Friesenhalle wieder langsam starten. „Genehmigt ist die Veranstaltung bereits“, sagt Niese. Er hoffe natürlich, dass viele Zerbster das Angebot auch annehmen und die Veranstaltung besuchen werden.

Zuversicht noch nicht verloren

„Ich werde den Kopf nicht hängen lassen und hoffe, dass wir die Pandemie bald überstanden haben“, sagt Niese. Auch für alle Kollegen und Künstler wünsche er sich, dass sie die Kriese gute überstehen „und das bald wieder tolle Veranstaltungen stattfinden können“, blickt Fabian Niese hoffnungsvoll in die Zukunft.

Nach Angaben der Initiatoren haben sich bundesweit mehr als 7700 Teilnehmer in über 1500 Städten an der Aktion „Night of Light 2020“ beteiligt und Eventlocations, Spielstätten, Veranstaltungszentren und andere Bauwerke mit rotem Licht angestrahlt.