Zerbst l Der Heimatverein und viele Nuthestädter gedenken eines Mannes, der sich um seine Heimatstadt Zerbst verdienst gemacht hat. Anlässlich des 125. Geburtstages von Stadtarchivar Reinhold Specht findet am 22.Juni um 10 Uhr auf dem Frauentorfriedhof eine kleine Gedenkfeier statt.

Spechts große Verdienste liegen in den vielen wissenschaftlichen Abhandlungen, Dokumentationen und Veröffentlichungen zur Geschichte unserer Region wie beispielsweise „Die Geschichte der Stadt Zerbst“, die auf Vorschlag des Zerbster Heimatvereins, gedruckt und veröffentlicht wurde oder die „Biografie zur Geschichte von Anhalt“, ein nicht mehr wegzudenkendes Nachschlagewerk.

Viele Bücher geschrieben

Ein weiteres geschichtliches Werk aus Spechts Feder ist „1000 Jahre Siedlungsraum der Stadt Zerbst“. Seine Mitarbeit in der Historischen Kommission für Sachsen und Anhalt, so in der Veröffentlichung der „Wehranlagen der Stadt Zerbst“ und die Herausgabe der „Zerbster Jahrbücher“ in der Weiterführung der Reihe, welche einst von Prof. Dr. Hermann Wäschke begonnen wurden, spricht für sich.

Reinhold Specht wurde als Sohn eines Grundschullehrers in der anhaltischen Residenzstadt Zerbst geboren und legte das Abitur 1912 am dortigen Gymnasium ab. Er studierte Geschichte, Germanistik und lateinische Philologie an den Universitäten Leipzig, Halle-Wittenberg und Heidelberg, doch konnte er durch die Einberufung zum Militärdienst seine Studien nicht beenden.

In Moskau inhaftiert

Sein Schicksal wollte es aber anders und so musste er wie so viele andere Männer auch, in den Ersten Weltkrieg ziehen. Nach seiner Rückkehr war Reinhold Specht als Lehrer in Dessau und Köthen tätig, bis sich im Jahre 1924 im Gymnasium Francisceum die Möglichkeit einer Anstellung bot.

Hier fand er das nötige Interesse am Archivwesen und übernahm die Leitung des Stadtarchivs Zerbst, im Jahr 1926 zusätzlich noch das anhaltische Staatsarchiv.

Aber Reinhold Specht ereilte erneut das Schicksal und er musste ein zweites Mal, gleich zu Kriegsbeginn im Jahre 1939, in den Krieg ziehen.

Seine umfangreichen Recherchen und wissenschaftliche Abhandlungen, oft nach einem sehr langen Arbeitstag, wurden jäh unterbrochen. Es folgte der verheerende Bombenangriff auf seine Heimatstadt Zerbst am 16. April 1945.

Seine Arbeitsstätte brannte nach dem Angriff mehrere Tage und zahlreiche wertvolle Archivbestände wurden so vernichtet. Unmittelbar nach Ende des Krieges kam Specht zurück nach Zerbst. Von der Sowjetischen Besatzungsmacht wurde Reinhold Specht als früherer Staatsdiener und Wehrmachtsmajor verhaftet und in Moskau inhaftiert.

Heimatstadt verbunden

Von dort kehrte er erst 1949 wieder zurück und half mit, aus den geborgenen Archivalien wieder ein Archiv in Zerbst aufzubauen. Die Reste das Staatsarchivs waren zwischenzeitlich vom Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt nach Oranienbaum transportiert worden. Specht erhielt 1952 ein Stellenangebot vom Museum für Deutsche Geschichte in Berlin und nahm an.

In den folgenden Jahren seiner Tätigkeit in Berlin bereicherte er jährlich durch Vorträge in der Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte des Deutschen Kulturbundes in Zerbst das Programm.

Es war viel zu früh für einen verdienstvollen Zerbster, als ihn am 6. Mai 1960, erst 66 jährig, der Tod ereilte. Seinem persönlichen Wunsch entsprechend, wurde er unter großer Anteilnahme seiner Freunde, auf dem Zerbster Frauentorfriedhof beigesetzt.