Neuausrichtung

Aus dem Zerbster Jugendclub „Jeversche Straße“ sollen Kultur- und Kreativräume werden

Um weiterhin zwei kommunale Jugendclubs in Zerbst zu betreiben, fehlt es an Personal. Aus dem Grund soll das Objekt in der Jeverschen Straße in Zukunft vermietet werden, und zwar an Kunst- und Kulturschaffende.

Von Daniela Apel 22.07.2021, 14:48
Ein unscheinbares Hinterhofgebäude ist der Jugendclub in der Jeverschen Straße, der umgewidmet werden soll. Die Räume sollen künftig an Kunst- und Kulturschaffende vermietet werden.
Ein unscheinbares Hinterhofgebäude ist der Jugendclub in der Jeverschen Straße, der umgewidmet werden soll. Die Räume sollen künftig an Kunst- und Kulturschaffende vermietet werden. Foto: Daniela Apel

Zerbst - Vergeblich suchte die Stadt Zerbst bislang personelle Verstärkung für ihre Jugendclubs. Trotz mehrmaliger Versuche fand sich niemand für die ausgeschriebene Vollzeitstelle, die nach dem altersbedingten Ausscheiden einer Mitarbeiterin frei geworden war. Plötzlich stand die Schließung des Objektes in der Jeverschen Straße im Raum, wo sie allein tätig war. Die Betreuung der Jugendlichen war dadurch nicht mehr gesichert. Denn auch ihre Kollegin in der Priegnitz ist bis jetzt Einzelkämpferin.

In Anbetracht dieser Fakten verständigte sich der Sozial-, Schul-, Kultur- und Sportausschuss im März darauf, die zwei im Personalplan vorhandenen Stellen zunächst auf eine der beiden kommunal betriebenen Einrichtungen zu konzentrieren, und zwar jene in Zerbst-Nord. Die Doppelbesetzung hat den Vorteil, dass bei Urlaub oder Krankheit der Jugendclub nicht schließen müsste. Zugleich könnte neben der reinen Betreuung wieder verstärkt sozialpädagogische Arbeit stattfinden, wie Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) damals argumentierte.

Lieber einen Jugendclub richtig betreiben

Lieber eine Einrichtung richtig betreiben als zwei nur halb, lautete der Tenor. Zugleich war das ungute Gefühl spürbar, als logische Konsequenz das Objekt in der Jeverschen Straße zu schließen. Nun sei eine „gute Kompromisslösung“ gefunden, fand Nicole Ifferth (Unabhängige Wählergemeinschaft Zerbst). Denn: „Was einmal zu ist, bleibt zu“, erklärte sie jetzt im Haupt- und Finanzausschuss.

Vorgesehen ist eine Umwidmung des schlichten Hinterhofgebäudes. Dessen Räume sollen fortan an Kunst- und Kulturschaffende vermietet werden. Das Angebot richtet sich an Bands, die dort seit Bestehen des Clubs regelmäßig proben. Aber beispielsweise auch Vereine sollen die Kultur- und Kreativräume, als welche sie firmieren sollen, gegen ein Entgelt nutzen können.

Über Mietpreis ist noch zu diskutieren

Uwe Krüger (SPD) interessierte, wie viele Räume es gibt und wo der Mietpreis liegen würde. Wie Verwaltungsmitarbeiterin Astrid Klausnitzer informierte, handelt es sich um drei Räume mit einer Fläche zwischen 18 und 26 Quadratmetern, die einzeln vermietet werden könnten. Hinzu kämen Gemeinschaftsräume wie eine Küche und die Sanitäranlagen.

In Anbetracht der Betriebskosten würde sich die monatliche Raummiete insgesamt auf rund 300 Euro belaufen. Die Frage sei, ob man alles Eins zu Eins umlege, bemerkte Astrid Klausnitzer. Für eine Jugendband sei das „ganz schön happig“, meinte Uwe Krüger. Auch Steffen Grey (FDP) erachtete die Summe als zu hoch.

Bernd Wesenberg (Grüne) schlug vor, die bei der bisher unbesetzten Jugendclubstelle eingesparten Personalkosten einzusetzen, um den Mietpreis zu verringern. „Und wir sollten versuchen, die Räumlichkeiten in der Woche gut auszulasten, dann verteilen sich die Kosten auf mehrere.“

Vorerst können Bands weiter proben

Der Bürgermeister wies darauf hin, dass die zweite Stelle perspektivisch besetzt werden soll. „Das war Konsens im Sozialausschuss.“ Alfred Schildt (Linke) gab unterdessen zu bedenken: „Wenn sich eine Band einmietet, dann will sie den Raum dauerhaft haben und nicht immer die Instrumente rein und raus räumen.“ Aus seiner Sicht wäre es wichtig herauszufinden, wer die Räume überhaupt mieten würde.

„Jetzt geht es erstmal um eine Grundsatzentscheidung“, betonte Dittmann hinsichtlich der erforderlichen Umwidmung des Objektes. Die Mietpreisgestaltung, über die der Sozialausschuss zu diskutieren hätte, sei der nächste Schritt. „Für die Übergangszeit ist sicher eine Zwischenlösung zu finden“, so Kulturamtsleiterin Antje Rohm. Vorerst werde der Status quo beibehalten, heißt, die Bands, die bisher in der Jeverschen Straße probten, können es vorerst weiterhin.