Zerbst l „Aktuell haben wir im Bereich Zerbst 49 freie Ausbildungsstellen“, kennt Carena Hünecke vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Dessau-Roßlau-Wittenberg die genauen Zahlen. Vom Automobilkaufmann über Bäcker, Friseur und Tischler bis hin zum Zerspanungsmechaniker reicht das vielfältige Spektrum der derzeitigen Angebote. In der Gastronomie können Jugendliche ebenso etwas finden wie in der Land- und Tierwirtschaft. Und das in der gesamten Einheitsgemeinde Zerbst – in Bias und Dobritz genauso wie in Lindau und Walternienburg und natürlich der Kernstadt selbst.

„Die Firmen wollen ausbilden“, weiß Carena Hünecke. Dafür senken sie mitunter sogar die Voraussetzungen. Oftmals ist ein Hauptschulabschluss ausreichend, um die ersten Schritte ins Berufsleben zu starten. Das Problem gegenwärtig ist jedoch: „Es gibt insgesamt zu wenig Bewerber“, sagt Carena Hünecke.

Alternative finden

Hinzu kommt, dass die Berufswünsche der Jugendlichen nicht immer mit den vorhandenen freien Ausbildungsstellen übereinstimmen. Gerade bei den Mädchen wird es da meist schwierig. „Bei ihnen ist der Verkauf sehr gefragt“, kann Carena Hünecke aus Erfahrung sprechen. Oder aber sie wollen mit Kindern arbeiten und Erzieherin werden – dabei allerdings handelt es sich um eine schulische Ausbildung.

„Momentan gibt es 25 unvermittelte Jugendliche“, sagt Daniela Geißler. „Das ist schon sehr schön“, ist die Berufsberaterin zufrieden mit der bisherigen Vermittlungsquote. Um die letzten Schulabgänger auch noch mit einer Lehrstelle in der Region zu versorgen, fand deshalb am Donnerstag in Zerbst eine „Last-Minute-Ausbildungsbörse“ statt.

Frühzeitig orientieren

Wer in letzter Minute noch einen Ausbildungsplatz suchte, der war hier genau richtig. Daneben wurden Jugendliche gezielt zum Gespräch eingeladen, um vielleicht eine Alternative zum Traumberuf zu finden. Dafür werden Interessen und Fähigkeiten ausgelotet und Angebote verglichen.

„Unser Ziel ist es, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden“, erklärt Daniela Geißler. „Deshalb orientieren wir auch zu Überbrückungsmöglichkeiten“, nennt die Berufsberaterin das Freiwillige Soziale Jahr oder Langzeitpraktika im Rahmen der Einstiegsqualifikation als Beispiel. Damit erhöhen sich nicht nur die Chancen, doch noch die Wunschausbildung im darauffolgenden Jahr zu beginnen, sondern grundsätzlich die Chancen bei einer Bewerbung.

Daniela Geißler weiß ebenfalls, dass es schwierig ist, kurzfristig den Blick für einen anderen Beruf zu öffnen. „Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig zu orientieren“, betont sie. Ihre monatliche Berufsberatung in den zehnten Klassen ist eine Möglichkeit, die Ferientage in den Unternehmen bispielsweise eine andere.

„Die Bewerbungsfristen für 2019 starten jetzt“, gibt Daniela Geißler zu bedenken. Immer zum 1. August beziehungsweise 1. September beginnt ein Ausbildungsjahr. Im Rahmen der Nachvermittlung nennt sie den 1. Oktober als spätesten Einstiegstermin.