Zerbst (vs/dp) l Die ursprünglich bis zum 3. November geplante Sonderausstellung „Schwerter – Fibeln – Töpfe“ im Zerbster Museum Anhalt wird verlängert. Bis zum 19. Januar ist nun noch Gelegenheit, in „Kultur und Lebensart unserer Vorfahren“ einzutauchen.

Die gezeigten Exponate sollen die Besucher mit der Kultur und Lebenswelt unserer Vorfahren vertraut machen, ihren Alltag und ihren Glauben sowie ihre Kunstfertigkeit und Kreativität widerspiegeln.

Urnen und Werkzeuge

„Wir haben deshalb mal auf Scherben und Bruchstücke verzichtet“, erläuterte Agnes-Almuth Griesbach den Gästen Anfang Mai bei der Eröffnung der Schau. Vielmehr wies die Museumsleiterin auf die eindrucksvollen Tongefäße und Urnen hin, die zusammen mit Steinwerkzeugen, Armschmuck und Pfeilspitzen das vielfältige Bild abrunden.

Die sorgsam ausgewählten „Schätze“, von denen Agnes-Almuth Griesbach sprach, stammen aus der umfangreichen archäologischen Sammlung des Hauses am Weinberg. Ihre Präsentation erfolgt nicht chronologisch, stattdessen sind sie thematisch zusammengestellt, wie Museumsmitarbeiter Paul Globig bei der Ausstellungseröffnung erklärte.

Ausgestellte Funde sind vielfältig

Das Zerbster Museum birgt einen großen archäologischen Sammlungsbestand von der Steinzeit über die Bronzezeit hin zur Eisenzeit. Die hier ausgestellten Funde sind besonders beeindruckend: Vielfalt, Größe, Farben, Kunstfertigkeit und ästhetisches Empfinden bei der Herstellung sind augenscheinlich.

Kreativität und sich zunehmend entwickelndes handwerkliches Geschick der Menschen seit der Altsteinzeit sind erkennbar, wenn es darum geht, den Alltag zu gestalten. Neben dem üblichen „Alltag“ haben sich die Vorfahren aber auch schon mit feingeistigen, musischen und spirituellen Dingen beschäftigt.

Bis 35.000 Jahre alt

Auf der schwäbischen Alb hat man das früheste figürliche Kunstwerk einer Venus gefunden – immerhin zwischen 31.000 bis 35.000 Jahre alt, zirka sechs Zentimeter groß. Viele Jahrtausende später – in der Bronzezeit – stoßen Raubgräber auf ein einzigartiges Artefakt – die Himmelsscheibe von Nebra, die das Museum freundlicherweise von Fr. Dr. Haake als Replik als Leihgabe für diese Ausstellung erhalten hat.

Auch hier zeigt sich Kunstfertigkeit gepaart mit Wissen. Im 19. Jahrhundert sind etliche Zeugen der Megalithkultur zerstört worden, die Steine wurden geschottert und als Gleisbett für den Bahnbau verwendet. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts werden dann die Funde systematisch erfasst, kartiert, ausgegraben, einer Zeitepoche zugeschrieben, aufbewahrt, rekonstruiert und interpretiert.

Besonderer Fund

Interpretationen, die heute nicht mehr dem modernsten Stand der Forschung entsprechen, vor allem haben sich auch die Bestimmungs- und Untersuchungsmöglichkeiten erheblich verbessert. Ein Glossar in der Ausstellung definiert einige dieser Methoden. Von Badewitz bis Zerbst verzeichnen die Ortsakten Fundplätze, Fundumstände, Fundbeschreibungen vom kleinen Lesefund bei der Feldbegehung bis zur Ausgrabung von Gräbern.

Der Museumsmitarbeiter Kähling hat in den 1950er Jahren einen besonderen Fund gemacht: Nahe Flötz lagen zwei Steinkistengräber. Ein Steinkistengrab wurde ausgegraben und ist hier im kleinen Innenhof des Museums zu besichtigen, die Decksteine der Steinpackung zeigt die Ausstellung.

Karte bringt Überblick

Einen anschaulichen Überblick über die steinzeitlichen Funde in Anhalt gewährt eine vom Zerbster Lehrer Max König (1886-1957) erstellte Karte. Einige seiner Zeichnungen bereichern die Ausstellung genauso wie Ortsakten, in denen die archäologischen Entdeckungen genau dokumentiert wurden. Unterdessen ermöglicht ein Zeitstrahl die Einordnung des Gezeigten. Nicht zuletzt hat Heinz-Jürgen Friedrich mit Modellen im Maßstab 1:87 die Vermittlung von Wissen anschaulich illustriert.

Ebenso in der Sonderausstellung zusehen sind ein jungsteinzeitliches Dorf wie auch der Bau des Einbaums am Ufer der Nuthe. Die Schau lädt die Besucher ein, in eine spannende Zeit einzutauchen.

Geöffnet ist das Museum am Weinberg in Zerbst dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr.