Zerbst l Applaus für eine großartige Musikerin. Die Fachwelt verneigt sich mit der Verleihung des Faschpreises 2019 vor Anne Schumann (52) aus Blankenburg, einer exzellenten Geigerin, die ihr Können und ihre ganze Leidenschaft investiert, um die Tür zur musikalische Welt des Barock Stück für Stück weiter aufzustoßen.

Verschiedene Ensembles

Es ist das Verdienst von Musikern wie Anne Schumann, dass der Fokus von Liebhabern der Barockmusik schon lange nicht mehr nur auf den „Großen“ wie Bach, Händel oder Telemann liegt. Vergessene Komponisten dieser Zeit und ihre Werke erleben dank ihres Engagements – und das ihrer Musiker-Kollegen in verschiedenen Ensembles – in einer größeren Öffentlichkeit eine profunde Wiederentdeckung.

„Das Interesse an historischen Dinge im allgemeinen und besonders die damals für mich neuen Wege, die alte Musik zu interpretieren“, bekennt die neue Fasch-Preisträgerin, hätten sie 1993 bewogen, ein festes Engagement im Leipziger Gewandhaus aufzugeben und den Weg als selbstständige Barockgeigerein einzuschlagen. „Der Klang der alten In-strumente sowie die Art der historischen Aufführungspraxis hatten mich fasziniert“, blickt sie heute zurück.

Musikalische Schätze

Jetzt, 26 Jahre später, wird ihre Expertise auf diesem Gebiet von der Musikwissenschaft mit dem Fasch-Preis gewürdigt. „Ich fühle mich sehr geehrt und möchte auch weiterhin meine Möglichkeiten zur Wiederbelebung der vielen noch unerforschten musikalischen Schätze im mitteldeutschen Raum nutzen, darunter selbstverständlich auch die Musik von Fasch und seinen Musikern hier in Zerbst“, sagte sie nach der Preisverleihung.

Anne Schumann musiziert mit eine geradezu überschäumende Freude , egal ob in großen Konzertsälen oder auch in etwas bescheideneren Spielstätten, deren Zuschauerreihen nicht zu Hunderten besetzt sind.

Besonderes Geigenspiel

Sie ist eine „bedingungslos bekennende Barockmusikerin“, die die Abwechslung in ihrem Beruf als freischaffende Musikerin zu schätzen weiß. Für sie sei die Barockmusik „Unterhaltungsmusik auf höchstem Niveau, die damals wie heute die Zuhörer unterhalten soll und kann.

Die Barockmusik gebe dem Interpreten Freiheit, individuell zu musizieren, lobt Anne Schumann.

Wer ihr Geigenspiel in seinen barocken Klangvielfalten schon einmal erlebt hat, weiß, dass sie die Nähe zu ihrem Publikum sucht und diese auch sichtlich genießt. Sie besitzt die Gabe, in Moderationen auf ihr Publikum erklärend einzugehen, ohne dabei auf einen Sockel zu steigen. Damit erschließt sie so manchem Zuhörer, auch manchem Laien, ein tieferes Verständnis für die Musik des Barock.

Große Spielfreude

Ihre Spielfreude, artikuliert in temperamentvoller Gestik und Mimik, steckt an. Anne Schumann perfektioniert ihr Spiel auf originalen Instrumenten und transportiert so die Anmutung barocker Musik in die Gegenwart.

Die Mühen und Anstrengungen einer solchen Meisterleistung zeigt eine Anne Schumann im Konzertsaal nicht. Sie lächelt sie höchstens weg.

Deshalb: Applaus für eine große Musikerin.