Zerbst l Eigentlich sollte der AWO-Gebäudekomplex bereits vor genau zwei Jahren, im Herbst 2017, fertig sein – eigentlich. Doch die Kosten für das Projekt, die ursprünglich mit 5,2 Millionen Euro kalkuliert wurden, haben sich drastisch erhöht. So geriet das Bauvorhaben ins Trudeln und die Aussagen seitens der AWO, wie es weiter geht, sind fast immer die gleichen.

Vor genau einem Jahr, am 5. Dezember 2018, gab es ein Treffen zwischen Katrin Köppe, Geschäftsführerin der AWO Soziale Dienste Sachsen-Anhalt GmbH in Magdeburg und Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) im Rathaus. Wann mit dem Bau begonnen werden kann, konnte Katrin Köppe damals nicht sagen und daran hat sich auch ein Jahr später nicht viel geändert. Zumindest wurde nach dem Treffen die Hügellandschaft planiert.

„Im Ergebnis der Beratung mit Vertretern des Landkreises und der Stadt wurden durch unser beauftragtes Architekturbüro aus Magdeburg mehrere Entwürfe erarbeitet“, antwortet Katrin Köppe auf eine erneute Volksstimme-Nachfrage zum Baubeginn. Das Ziel für die aktuelle Entwurfsfassung sei, sowohl die baurechtlichen Hinweise umzusetzen als auch die Baukosten zu reduzieren, um eine für den Bewohner beziehungsweise Mieter tragbare Lösung zu schaffen.

Baukosten sollen gesenkt werden

„Der derzeitige Entwurf sieht zwei Gebäudeteile vor, mit einem Haupteingang von der Wolfsbrücke. In einem Gebäudeteil sind die altengerechten Wohnungen untergebracht, welche bequem über einen Aufzug zu erreichen sind“, so Köppe. Bei diesem Gebäudeteil sei eine Geschossebene entfernt und die Dachform vereinfacht worden, um die Baukosten zu senken.

Des Weiteren stehe das Konzept der geplanten Tagespflege mit der Begegnungsstätte im Erdgeschoss auf dem Prüfstand, um weitere Synergieeffekte und Optimierungen zu erreichen. „Der zweite Gebäudeteil beinhaltet die stationäre Pflegeeinrichtung. Die geplanten Einzelzimmer entsprechen den Bedürfnissen einer zeitgemäßen Wohn- und Lebensform für pflegebedürftige Menschen und sind in kleinen Wohngruppen aufgeteilt“, erläutert die Geschäftsführerin.

Hinsichtlich des Zeitplanes würden derzeit die Flächen reduziert, um für einige Kostengruppen vergleichsweise marktgerechte Ergebnisse zu erreichen. Gleiches gelte für die Kaltmiete der altengerechten Wohnungen. Auf Grund des Neubaus der Residenz Valenta in der Zerbster Jüdenstraße erfolge eine Aktualisierung der Bedarfsermittlung für die stationären Bewohnerplätze.

Projekt muss zukunftsfähig sein

„Ein Ergebnis wird seitens der Architekten im Dezember vorgestellt, so dass dann im Weiteren alle vorgenommenen baulichen Änderungen unter Beteiligung des Landkreises und der Stadt im ersten Quartal 2020 abgestimmt werden können. Im zweiten Quartal 2020 könnte dann die Erarbeitung der Genehmigungsplanung durch das Architekturbüro erfolgen“, so die Geschäftsführerin weiter. Köppe betont: „Ich möchte nochmals verdeutlichen, dass das Projekt für alle Beteiligten, sowohl in der Investition als auch im Betrieb, machbar und auch zukunftsfähig sein muss.“

Das Statement von Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) zum aktuellen Stand des Projektes fiel dieses Mal etwas kürzer aus als sonst: „Wie ich im Stadtrat informierte, erreichte mich der aktuelle Stand der Planung auf Nachfrage. Entsprechend der Antwort hoffe ich, dass wir dann im neuen Jahr eine Weiterentwicklung des Projekts realisieren können.“

Die vom Bürgermeister im Stadtrat gegebene Info zum Stand der Dinge hat übrigens den gleichen Wortlaut, wie auch die Antwort auf die Volksstimme-Nachfrage seitens der AWO-Geschäftsführerin.

2015 hatte die AWO das Eckgrundstück an der Breite/Ecke Wolfsbrücke von der kommunalen Bau- und Wohnungsgesellschaft Zerbst (BWZ) gekauft. Zu DDR-Zeiten standen auf dem Areal zwei Wohnblöcke, die 2004 innerhalb des Programms „Stadtumbau Ost“ abgerissen wurden. Seitdem ist das Grundstück leer.