Zerbst l „Das wird doch keine Autobahnbrücke“, sagt Helmut Seidler. Dass eine Nuthe-Brücke wegen des feuchten Untergrundes anscheinend von Vornherein ausgeschlossen wird, kann das Mitglied des Bau- und Stadtentwicklungsausschusses nicht nachvollziehen. Auf seiner jüngsten Sitzung befasste sich das Gremium noch einmal mit dem geplanten Umbau des früheren Frauenklosters zum zweiten Verwaltungssitz, wobei es konkret um die Gewährleistung der Zufahrt für die Feuerwehr ging.

Um den rückwärtigen Flügel des denkmalgeschützten Gebäudes zu erreichen, ist vorgesehen, einen Schotterweg über den Großen Klosterhof anzulegen, der eine Spurbreite von drei Metern hat – im Kurvenbereich sind fünf Meter vorgeschrieben. Der Weg soll von der Breite aus durch die vorhandenen Baulücken zwischen den Häusern 72 und 78 bis zum Kloster geführt und nur im Ernstfall von den Löschfahrzeugen genutzt werden.

Schotterweg nur eine Zwischenlösung

Es handelt sich hierbei um eine Zwischenlösung, eine endgültige wird es erst mit dem Ausbau des Klosterhofes geben, für den inzwischen Fördermittel für 2020 genehmigt sind. Das beinhaltet ebenfalls die zukünftige Verkehrsführung. Bei der Planung sollen die Bürger, insbesondere die Anwohner, ihre Vorschläge einbringen können, wie Nico Ruhmer, Amtsleiter Zentrale Dienste, bereits im Februar auf Volksstimme-Nachfrage betonte.

Momentan geht es einzig um den Nachweis einer Feuerwehrzufahrt, so wie sie das Bauordnungsamt im Rahmen des derzeit noch laufenden Baugenehmigungsverfahrens einfordert. „Es wird eine Lücke genutzt und keine mittelalterliche Struktur zerschlagen“, bezog sich Bauausschussmitglied Alfred Schildt (Die Linke) auf entsprechende Vorwürfe.

Verbunden war die unter anderem von Volksstimme-Lesern geäußerte Kritik stets mit Alternativvorschlägen. Planer Tilo Feldmann sieht darin durch das gemeinsame Interesse an einer Lösungsfindung. Sein Ingenieurbüro berät die Stadt bei dem Projekt, das immer wieder für Diskussionen sorgt.

Fakt ist, dass die gegenwärtige Zufahrt zum Gelände des einstigen Zisterzienserinnenklosters mit dem Kasernenanbau an der Breite für die modernen Löschfahrzeuge ungeeignet ist. Die vorgeschriebenen Maße sind nicht zu erreichen, ohne die Nuthe zu überbauen, wie Feldmann ausführte. Daneben wies er darauf hin, dass sich die Zufahrt unmittelbar im Bereich der Ampelkreuzung befindet.

Dies könnte sich in naher Zukunft allerdings ändern. Denn am Frauentorplatz soll ein Kreisverkehr eingerichtet werden. Das zumindest hatte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) im April 2017 im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss in Aussicht gestellt.

Damals informierte er über die geplante Herabstufung der Bundesstraße 187a zwischen Alter Teich und Ahornweg zur Gemeindestraße. Mit der Neuklassifizierung würde die Stadt eben jene Ampelkreuzung erben. Diese weiter zu betreiben, sei mit erheblichen Kosten verbunden. Aus dem Grund solle diese, sobald dort zwei gleichrangige Gemeindestraßen aufeinandertreffen, einem Kreisverkehr weichen, so der Rathauschef.

Für Helmut Seidler bietet das die Möglichkeit, den Abzweig zum Innenhof des Kloster-Komplexes als Feuerwehrzufahrt zu gestalten. Aber auch an seinem Vorschlag, das Gelände über die Puschkinpromenade zu erschließen, hält er fest. Trotz des hohen Grundwasserstandes sowie der vorhandenen Schlick- und Schlammschichten betrachtet Seidler die Errichtung einer Brücke über die Nuthe durchaus als Alternative. Zumal diese nicht dauerhaft und nur mit geringer Geschwindigkeit befahren werde.

Bauwerk an Stadthalleals Vorbild

Er verweist in dem Zusammenhang auf die Nuthe-Brücke vor der Stadthalle, die den Parkplatz an der Gartenstraße mit dem Schloßgarten verbindet. Einfach eine Betonplatte in die Sohle setzen, ein U-Element darüber und beidseitig Brückenwangen, fertig sei die Überfahrung, wie Helmut Seidler gegenüber der Volksstimme darlegt. Denn im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss wurde nicht weiter öffentlich über die weiteren Varianten einer Feuerwehrzufahrt diskutiert.