Moritz l 3000 Euro hat der Ortschaftsrat von Moritz im Haushaltsplan für 2020 unter der Rubrik Begrüßungsgeld verlangt. Die Ortsvertreter hatten sich vor einigen Monaten darauf verständigt, den Eltern jedes Neugeborenen ein Begrüßungsgeld von 1000 Euro zu zahlen. „Das hatte wir früher schon einmal“, weiß Ortsbürgermeister Thomas Wenzel. Mit der Eingemeindung musste die zur Ortschaft degradierte Gemeinde auf das Begrüßungsgeld verzichten. Damals habe kein Weg dahin geführt, die Tradition fortzusetzen. Dabei hätten es sich die Moritzer leisten können.

Eingeführt hatten die Volksvertreter des Ortes das Begrüßungsgeld auch, um ihren Ort für junge Familien attraktiv zu halten und ihnen zu zeigen, dass sie sie unterstützen. Wenn ein Baby auf die Welt kommt, bedeutet dies für die Familie nicht nur eine Umstellung, was die Abläufe innerhalb der Familie angehen, sagt der Ortsbürgermeister. Ein Baby ist zu Beginn auch sehr teuer. Jede Menge Ausrüstung und Ausstattung verlange ein kleiner Mensch. Um die jungen Familien zu entlasten, habe die Gemeinde damals das Begrüßungsgeld entwickelt.

Die Summe höre sich erst einmal gewaltig an. Wer sich allerdings schon einmal damit beschäftigt habe, was die einzelnen Teile einer Babyausstattung kosten, sehe, dass das Begrüßungsgeld nur einen Teil der Kosten decke. Schon für einen Kinderwagen werden heute vom Handel vierstellige Summen aufgerufen, weiß der Ortschef. Bis zu drei Kinder, so die Hoffnung, könnten im kommenden Jahr in Moritz, Töppel und Schora geboren werden. Allen Eltern will der Ortsbürgermeister dann das Begrüßungsgeld und eine kleine Urkunde überreichen. Darauf freue er sich schon, sagt Thomas Wenzel. Bereits 2007 hatte die damalige Gemeinde das Begrüßungsgeld eingeführt.

Die Familie mit dem Neugeborenen muss mindestens ein Jahr vor der Geburt in Moritz und den Ortsteilen gemeldet sein. Um das Geld zu behalten, muss die Familie mindestens drei Jahre nach der Geburt im Ort ihren Wohnsitz behalten. Zieht sie innerhalb der Frist weg, muss das Begrüßungsgeld zurückgezahlt werden. Damit wollten die Moritzer schon vor mehr als zehn Jahren verhindern, dass sich Eltern nur für das Begrüßungsgeld ummelden und nach der Geburt wieder verschwinden.

Gutes für die Einwohner

Der Betrag soll den Einwohnern zugute kommen, sei der Leitgedanke, sagt Thomas Wenzel. Mit der Eingemeindung nach Zerbst vor zehn Jahren mussten sich die Moritzer vom Begrüßungsgeld erst einmal verabschieden. Es führte damals kein Weg dahin, die Tradition aufrechtzuerhalten, erinnert er sich noch gut. Mit dem Verlust des Haushaltsrechts verlor die Ortschaft die Möglichkeit, jungen Eltern eine Prämie zu zahlen. Erst Jahre später ergab sich für die Ortschaft die Möglichkeit, die Zahlung wieder einzuführen. Die Haushaltsfachleute stimmten eine Einführung wieder zu, da es sich die Ortschaft leisten kann.

Neidisch schauen andere Ortsbürgermeister deshalb nach Moritz. Auch in anderen Orten der Stadt würden die Ortschefs gern ihren jungen Familien eine Begrüßungsprämie für jeden neuen Einwohner zahlen. Doch die wenigsten Ortschaften haben noch in größerem Umfang Reserven auf dem Konto.

Junge Menschen in Region halten

Langfristig dürfte sich das finanzielle Engagement auszahlen, ist der Moritzer Ortsbürgermeister überzeugt. Mit dem Begrüßungsgeld werde eine Bindung zu den jungen Familien aufgebaut. Die Kommune zeige, dass ihr die jungen Leute wichtig sind. Im Laufe ihres Berufslebens zahlen sie dann in Form von Steuern und Abgaben ein Vielfaches des Begrüßungsgeldes zurück. Unterm Strich lohne sich die Ausgabe. Außerdem gebe die Kommune noch viel mehr Geld für die Kinder bis zur Berufstätigkeit aus. Schon allein die Betreuungskosten für die Kinderkrippe und den späteren Kindergarten sind bedeutend höher als das Begrüßungsgeld zur Geburt.