Zerbst l Die Mitglieder des Sozialausschusses wandelten am Dienstagabend auf den Pfaden der „Kellerkinder“. Denn das sind die Erst- bis Viertklässler, die den Zerbster Hort „An der Stadtmauer“ besuchen. Nur einer der vier Räume befindet sich im Erdgeschoss, die übrigen liegen darunter.

Künstliche Beleuchtung

„Hier haben wir immer künstliche Beleuchtung“, sagt Cornelia Kurowski. Sie ist Geschäftsführerin des Kinder-, Jugend- und Familienwerkes der Volkssolidarität, dem Träger des seit August 2012 existierenden Hortes. Dieser ist in das Gebäude der gleichnamigen Grundschule integriert und war ursprünglich für 70 Kinder ausgelegt.

Über die Jahre wurde die Kapazität durch Ausnahmeregelungen erhöht. „Das war immer ein ziemlicher Kampf“, sagt Markus Pfeifer, zuständiger Sachgebietsleiter der Zerbster Stadtverwaltung. Aktuell sieht die Betriebserlaubnis maximal 90 Plätze vor – 89 sind belegt. Und die Nachfrage wächst weiter.

Pläne zerschlagen

Für die Bereitstellung von ausreichend Hortplätzen ist der Landkreis verantwortlich. Diese wollte er zuletzt am Fischmarkt schaffen. Doch die Pläne, das dortige Verwaltungsgebäude entsprechend umzubauen, zerschlugen sich an den zu hohen Kosten. Jetzt will der Kreis das Objekt als Ämtersitz reaktivieren.

Am 16. September fand nun eine Zusammenkunft aller Beteiligten im Zerbster Rathaus statt. Dem vorausgegangen war eine Hortbesichtigung durch die Mitarbeiter des Jugendamtes. „Sie sehen Möglichkeiten, hier mehr Kinder unterzubringen“, berichtet Markus Pfeifer vom Treffen und spricht von bis zu 120 oder auch 140 Kindern. Sogar von bis zu 180 Plätzen sei die Rede gewesen – eine Zahl, „die ihnen selbst wohl utopisch schien“, so Pfeifer.

Verwunderung über Aussage

Auch Cornelia Kurowski nahm diese Aussage in Anbetracht der bisherigen, völlig gegenteiligen Äußerungen mit Verwunderung zur Kenntnis. „Plötzlich soll es funktionieren, obwohl sich räumlich nichts verändert hat“, wundert sie sich. Mit ihrem Gewissen und ihrer Verantwortung für Kinder und Mitarbeiter kann sie das nicht vereinbaren.

Nur zwei der vier Räume nutzt der Hort ganz allein und kann sie seinen Vorstellungen gemäß gestalten. Die beiden übrigen – den Werkraum und den Speiseraum – teilt er sich mit der Grundschule. Für die Erledigung der Hausaufgaben kann noch – insofern sie frei sind – in Unterrichtsräume im Erdgeschoss ausgewichen werden.

Ernüchterndes Ergebnis

„Die Kinder haben damit sicher die wenigsten Probleme“, glaubt Cornelia Kurowski. Für sie selbst sind die Bedingungen nicht das Optimale. Im Gegenteil. Das sehen die Ausschussmitglieder nach der ernüchternd ausfallenden Besichtigung des Hortes, wo mitten im Waschraum der Kicker steht, genauso.

Fakt ist, dass es innerhalb des Schulgebäudes keine weiteren Kapazitäten für den Hort gibt. Der Bedarf allerdings ist da. Denn auch der benachbarte Hort „Zerbster Strolche“, der sich ebenfalls in Trägerschaft der Volkssolidarität befindet und eigentlich für 50 Kinder ausgelegt ist, läuft längst mit Ausnahmegenehmigung. So werden dort derzeit 60 Erst- bis Viertklässler betreut.

Lösung muss her

„Der Landkreis ist in der Pflicht. Hier muss was passieren. Das geht so nicht“, findet Bernd Wesenberg (Grüne). „Wir haben ja vier Kreistagsmitglieder unter uns, die das Problem mit in den Kreistag nehmen können“, meint Detlef Friedrich (CDU). „Wir müssen dran bleiben, dass wir verbesserte Verhältnisse bekommen“, fasst der Ausschussvorsitzende Bernd Adolph (CDU) zusammen. Denn in einem sind sich die Gremiumsmitglieder einig: Die Anzahl der Plätze im Hort „An der Stadtmauer“ bei den derzeitigen Räumlichkeiten noch weiter zu erhöhen, ist keine Lösung.

Wie Kreissprecher Udo Pawelczyk am Mittwoch auf Volksstimme-Nachfrage erklärt, könnten „An der Stadtmauer“ zwar rein rechnerisch bis zu 170 Hortkinder betreut werden. „Der Landkreis favorisiert jedoch eine deutlich niedrigere Belegung“, betont er und ergänzt: „Zahlenspiele sind jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht angebracht.“ So befinde sich der Kreis in Gesprächen mit dem Träger und der Stadt, die noch nicht abgeschlossen sind.