Deetz/Lindau/Schora l Kein überragendes Spargeljahr, aber auch kein rundweg schlechtes ist 2019 für die regionalen Anbauer gewesen. Die Schulnote 3 vergibt Peter Gottschalk von der AgriCo Lindauer Naturprodukte AG. „Im Großen und Ganzen zufrieden“, ist der Deetzer Landwirt Mathias Mösenthin mit der Ernte. Ein Resümee, das auch Jürgen Burkhardt aus Schora zieht, dessen Sohn Uwe das Edelgemüse im Nebenerwerb auf gut 0,5 Hektar anbaut.

Nachfrage steigt

„Wir merken, dass die Nachfrage nach wie vor anhaltend hoch ist und steigt“, sagt Peter Gottschalk. Etwa 15 Hektar umfasst die Fläche, auf denen die Lindauer die gesunden Stangen ernten. Hauptsächlich weißen Spargel. „Grüner ist nach wie vor eine Nische“, bemerkt der AgriCo-Vorstand. Immer beliebter bei den Kunden werde hingegen der geschälte Spargel, der nicht nur im Hofladen des Unternehmens erhältlich ist. Auch in Zerbst sowie auf einzelnen Wochenmärkten verkaufen die Lindauer ihren Spargel.

Seinen Deetzer Spargel, der auf acht Hektar sprießt, bietet Mathias Mösenthin ebenfalls im eigenen Hofladen an. Daneben hat er Verkaufsstände in Dessau und Roßlau. Wegen der Dürre im vergangenen Jahr seien die Anlagen geschwächt gewesen. Der Regen im Mai war da eine Wohltat für die Pflanzen.

Hohe Produktionskosten

Zugleich fiel die Wonnemonat recht kühl aus, wie Jürgen Burkhardt erinnert. „Die Erntemengen sind nicht so hoch ausgefallen wie erwartet“, konstatiert er rückblickend auf die Saison. Der Preis habe die geringeren Mengen aber kompensiert. Dennoch decke jener längst nicht die Produktionskosten, so Burkhardt. „Der Mindestlohn macht uns zu schaffen“, nennt er einen wesentlichen Kostenfaktor. Und ohne Erntehelfer geht es nicht. „Wir hatten einen rumänischen Spargelstecher“, berichtet Burkhardt.

25 polnische Saisonkräfte beschäftigte die AgriCo, bei Mathias Mösenthin waren zwischen zehn und zwölf Erntehelfer im Einsatz. Auch der Deetzer Landwirt sagt: „Die Verkaufspreise auf dem Spargelmarkt spiegeln nicht die Produktionskosten wider.“ Durchschnittspreise zwischen 4 und 6,50 Euro pro Kilo hält er für deutlich zu gering.

„Wenn man den Leuten den Aufwand erläutert, der hinter dem Spargelanbau steckt, sind sie bereit für gute Qualität auch einen guten Preis zu zahlen“, schildert Jürgen Burkhardt seine Erfahrungen. Dass die Kunden die Qualität des regionalen Produktes zu schätzen wissen, hat auch Peter Gottschalk beobachtet. Aus dem Grund werde die AgriCo auch die Mengen nicht erhöhen und zukünftig mehr Spargel anbauen, bemerkt er hinsichtlich der insgesamt geschrumpften Fläche, auf der das Edelgemüse in der Einheitsgemeinde Zerbst momentan noch wächst. So hat sich die Agrargenossenschaft Bornum aus dem Spargelanbau zurückgezogen.

Pflanzen legen nun Reserven an

Die dadurch entstandene Lücke auf dem Zerbster Spargelfest füllte Familie Burkhardt – eine gelungene Premiere. Von einer tollen Veranstaltung schwärmt Jürgen Burkhardt. „Im nächsten Jahr sind wir wieder mit dabei“, ergänzt er.

Wie die Spargelsaison 2020 ausfallen wird, bleibt abzuwarten. Jetzt stehe der Spargel, der nur bis zum Johannistag am 24. Juni gestochen werden darf, in der Blüte, sagt Peter Gottschalk. Er hofft nun auf ein reges Wachsen der Pflanzen, damit diese genug Reserven anlegen, um im nächsten Jahr kräftig auszutreiben. Voraussetzung ist, dass die Witterung mitspielt und die Trockenheit nicht wieder auf Dauer ist.