Deetz l Die Erntemannschaft von Landwirt Mathias Mösenthin ist schon seit einigen Tagen in Deetz. Die polnischen Erntehelfer kamen noch aus dem Nachbarland, als die Grenzen offen waren, ist der Deetzer froh. Allerdings schafften es nur die Spargelstecher noch auf seinen Hof. Die Truppe, die den Spargel anschließend auf dem Hof sortiert und für den Verkauf vorbereitet, kam nicht mehr raus, erzählt er. Außerdem seien die Frauen, die die Verkaufsstände besetzen, ebenso nicht mehr nach deetz gekommen.

Die Corona-Pandemie wirkt sich damit auch im ländlichen Raum aus. In den kommenden Tagen wird der Deetzer Landwirt mit der Ernte des begehrten Gemüses beginnen. Damit der Spargel früher gestochen werden kann, liegen schwarze und transparente Folien auf den Spargelreihen. Die schwarze Folie, erklärt er, soll das Erdreich erwärmen, wenn die Sonne scheint. Mit der Folie darüber erzeugt der Landwirt ein Gewächshausklima. Die Luft unter der transparenten Folie sorgt dafür, dass die kalten Nächte das Erdreich nicht zu weit abkühlen.

Ausbeute Ende März zu gering

Probeweise hatte er am Wochenende schon mal mit seinen Erntehelfern nachgesehen, ob sich der Erntestart schon lohne. Die Ausbeute sei aber noch zu gering gewesen, sagt er. Also heißt es abwarten, dass die Sonne noch mehr der begehrten Stangen sprießen lässt. „Spätestens vor Ostern gibt es Spargel“, sagt er. Die Zeit nutzen die Erntehelfer, um noch die Verkaufsstände auf Vordermann zu bringen. Wie viele andere Erzeuger setzt der Deetzer auf die Eigenvermarktung. In den kommenden Tagen werden an vielen Stellen wieder die Verkaufsstände aufgebaut, um das Edelgemüse unter die Bevölkerung zu bringen. Die Eigenvermarktung sei dabei notwendig, um die Kosten der Ernte wieder einzuspielen. Mit einer Einbuße beim Absatz rechnet der Landwirt jetzt bereits. Denn im Zuge der Einschränkungen des öffentlichen Lebens wegen der Corona-Pandemie haben die Gaststätten geschlossen. Gut ein Drittel der Ernte setzt er jährlich bei den Gastwirten ab. Die Gaststätten sind aktuell geschlossen und werden es aller Voraussicht nach bis Ostern bleiben. Das werde sich auf den Absatz des Gemüses auswirken, sagt Mathias Mösenthin.

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Trotzdem ist er erleichtert, dass die Ernte bald beginnen kann und dass die Verkaufsstände besetzt werden können. „Es haben sich viele Menschen bei mir telefonisch gemeldet und nachgefragt, ob sie helfen können“, beschreibt er. Die Hilfsbereitschaft sei wirklich groß. Vor allem ältere Menschen hätten sich bereit erklärt, mit anzupacken, freut er sich.

Anbau auf zehn Hektar Fläche

Auf einer Fläche von zehn Hektar baut er das Gemüse an. Allerdings ist der Spargel nicht auf der gesamten Fläche zugleich erntefähig. Auf den Spargelfeldern stehen unterschiedliche Sorten. Von ganzen frühen bis hin zu sehr späten Sporten, erzählt er. Durch die verschiedenen Sorten könne die Ernte über einen langen Zeitraum gezogen werden.

Wichtig sei für ihn, dass das Gemüse auch in Zeiten der Pandemie vom Acker komme und die Ernte planmäßig anlaufe. Ob die Pandemie Auswirkungen auf die Preise auf dem Markt haben werde, müsse abgewartet werden. Den Markt mit frischem Spargel will auch Peter Gottschalk nach Ostern versorgen. Der Vorstand der Agrico in Lindau sagt, dass das Unternehmen nicht darauf gesetzt habe, den frühen Spargel zu ernten. Auf die Eindeckung mit Folie habe das Unternehmen bewusst verzichtet.

Dass die Erntehelfer aktuell nicht anreisen können, treffe den Betrieb nur zum Teil. Denn auf einer Teilfläche erntet die Agrico bereits seit rund zehn Jahren mit einem Vollernter. Die Maschine sticht dabei die Spargelstangen. „Ich glaube, dass in diesem Frühjahr der Vollernter mehr in den Einsatz kommt als in den vergangenen Jahren“, sagt er.

Vielleicht kann das Unternehmen aber auch im Mai wieder personelle Unterstützung aus dem Nachbarland erhalten, will er nicht ausschließen. Sorgen macht er sich vor allem darüber, dass die Gaststätten aktuell geschlossen sind. Gut die Hälfte der Ernte setzt das Unternehmen hier jährlich ab. Wichtig sei es nun, die Erntemengen entsprechend zu steuern, dass es nicht ein Überangebot und damit einen großen Preisverfall gebe, erklärt er.

Mit dem Lebensmittelhandel will er ebenso wie sein Nachbar-Produzent aus deetz nicht zusammen arbeiten. Auch die Agrico setzt auf die Eigenvermarktung beim Edelgemüse. Ohne die Eigenvermarktung sei die Ernte nicht rentabel zu gestalten. Der Lebensmittelhandel sei nicht bereit, den Landwirten die Kosten der Ernte zu zahlen, stimmen die beiden Spargelbauern überein. Zudem zeige der Lebensmittelhandel, dass ihm die Qualität des Gemüses nicht so wichtig sei, beschreibt er seine Eindrücke.

Bei der Agrico in Lindau gebe es auch seit einigen tagen Anfragen von Bürgern, ob sie helfen könnten, bestätigt er. Ernst gemeinte Nachfragen könnten die Bürger gern per Mail an das Unternehmen richten, erklärt er weiter. Die Agrico sieht sich aber für die kommende Spargelsaison gut aufgestellt. „Wir haben eine ganze Reihe von Aushilfskräften im Ort und den Nachbardörfern, die seit Jahren mit uns arbeiten“, schildert er. Deshalb sei hier kaum zusätzliches Personal notwendig.

Da das Unternehmen erst nach Ostern voraussichtlich mit der Ernte starten werde, gebe es zudem noch etwas Zeit die erste Ernte im Jahr zu organisieren.

Der Schwerpunkt der Arbeit liege zudem bei der Agrico nicht in der Spargelerente, sondern in der Landwirtschaft auf den Flächen, sagt er weiter. Trotzdem hoffe er gut durch die Spargelsaison zu kommen und vielleicht noch in einigen Wochen weitere Erntehelfer aus Polen zu bekommen. Noch sei aber zu früh, hier Spekulationen anzustellen, sind sich die Landwirte einig und wollen den Erntebeginn abwarten.