Zerbst l Das Wort Advent, erklären Lateinlehrer schon seit Jahrhunderten immer wieder um diese Jahreszeit, bedeutet wörtlich übersetzt: Ankommen. „Ad“ heißt an und „venire“ ist das Verb für kommen. Aber in dieser Vorweihnachtszeit kommt gefühlt gar nichts an. Zumindest kaum Kultur.

Denn für Kulturschaffende ist es nicht einfach, ihre Kunst für die Zuschauer zu präsentieren. Letzten Endes bleibt nur das Internet für die Verbreitung. Das gilt auch für Musiker und Chöre in der Einheitsgemeinde Zerbst.

„Bei uns herrscht wieder Internetunterricht“, erklärt Heiner Donath, Leiter der Musikschule „Fasch“, am Telefon. „Die Konzerte unseres Chores sind ausgefallen. Zudem sind viele Projekte, in denen wir mit den Zerbster Schulen kooperieren, ersatzlos gestrichen. Wir Lehrer an der Musikschule nutzen jetzt wieder Telefon, Video-Anrufe und Videos, um mit unseren Schülern zu musizieren und zu lernen. Aber das klappt natürlich nur bedingt“, so Donath weiter.

Der Musikschulleiter verrät aber, dass es ein Video mit den Höhepunkten der letzten Jahre geben wird, welches dann auf der Webseite und auf der Videoplattform Youtube hochgeladen werden soll. Dafür übernimmt diese Aufgabe extra ein Fachmann, der das Video schneidet und aus verschiedenen Perspektiven die Linse draufhält.

Ein ähnliches Lied kann auch Tobias Eger, Kreiskirchenmusikwart in Zerbst, singen: Der Chor der Zerbster Kantorei musste alle Termine absagen. „Normalerweise singen wir auf Festgottesdiensten. Ostern fing es an, dass wir nicht mehr auftreten konnten. Jetzt bleibt nur noch der zweite Weihnachtstag“, sagt Eger. Dort soll der Gottesdienst mit einem „Mini-Chor“ untermalt werden. „Die Gemeinde darf aber nicht mitsingen und wir sind nur eine kleine Gruppe aufgrund der Auflagen. Daher wird es natürlich kein richtiges Konzert. Wir untermalen eher.“

Der Kreiskirchenmusikwart hofft auf eine baldige Verbesserung der Lage. Denn zurzeit kann natürlich nicht geprobt werden. Eger hat die Befürchtung, dass nach einer so langen Zeit des Nicht-Beisammenseins einige eventuell abspringen könnten. Aber noch bleibt die Hoffnung: „Wir versuchen am zweiten Weihnachtstag, zumindest ein kleines bisschen Festglanz in die Kirche zu bringen.“

Proben waren nur draußen möglich

Angela Köcher, Musiklehrerin am Francisceum und Leiterin des Zerbster Kammerchores, gibt mit ihren Chören in der Regel besonders zur Weihnachtszeit viele Konzerte im Umland. In diesem Jahr ist auch bei ihr alles anders. „Der Schulchor steht eigentlich schon seit März still. Im letzten Schuljahr waren vereinzelte Proben an der freien Luft, die fallen in dieser Situation natürlich weg“, erläutert Angela Köcher. „Die Konzerte, auch die des Kammerchors, sind jetzt weitestgehend gecancelt. Das hat sich erledigt, die werden wohl auch nicht mehr verscho- ben.“

Sie berichtet, dass den Mitgliedern der Chor sehr fehle. Geplant sei zudem für Anfang des nächsten Jahres noch nichts. „Warum auch? Was will man denn planen?“

Andrea Wickner vom Zerbster Stadtchor kann dem sinngemäß nur zustimmen. „Vor der dunklen Jahreszeit haben wir zwischendurch mit viel Abstand in der Stadthalle geprobt. Jetzt fallen natürlich auch bei uns alle Konzerte aus.“

Immerhin: Sie berichtet vom regen Austausch in der Chor-Chatgruppe. „Wir versuchen einfach, in Kontakt zu bleiben. Zum Beispiel bringen wir jetzt allen Mitgliedern die alljährlichen Wichtel-Geschenke persönlich vorbei. Natürlich mit Abstand. Ob wir im Februar zu den Zerbster Kulturfesttagen in den Kreuzgängen singen, steht noch in den Sternen. Wir hoffen einfach das beste und halten die Kontakte so gut es geht.“