Anhalt-Bitterfeld

Daten im Darknet aufgetaucht - Landrat Andy Grabner wendet sich nach Hacker-Angriff an die Bürger

Nach dem Hacker-Angriff auf die Anhalt-Bitterfelder Kreisverwaltung sind nun Daten im sogenannten Darknet aufgetaucht. Landrat Andy Grabner (CDU) hat sich am Freitag an die Bürger gewandt und um Geduld und Verständnis gebeten.

18.07.2021, 07:57 • Aktualisiert: 18.07.2021, 16:10
Landrat Andy Grabner (CDU) bittet die Bürgerinnen und Bürger um Geduld und Verständnis.
Landrat Andy Grabner (CDU) bittet die Bürgerinnen und Bürger um Geduld und Verständnis. Foto: Thomas Kirchner

Köthen/Zerbst (vs/tr) - Landkreissprecher Udo Pawelczyk hat am Freitag bestätigt, dass abgeflossene Daten aus dem Netzwerk der Kreisverwaltung im Darknet aufgetaucht sind. „Dabei handelt es sich beispielsweise um Sitzungsprotokolle von Ausschuss- und Kreistagssitzungen, auch aus dem nicht öffentlichen Teil. Nach jetzigem Erkenntnisstand wurden bislang keine Daten aus Verwaltungsverfahren veröffentlicht“, erklärte Pawelczyk.

Manuel Atug vom Chaos Computer Club sprach gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) von 200 Megabyte Daten aus Anhalt-Bitterfeld, die in einem Forum im Darknet veröffentlicht worden. Für Manuel Atug spricht vieles dafür, dass es sich dabei um eine Reaktion auf die Absage einer Lösegeldzahlung handelt. Landrat Andy Grabner (CDU) hatte vergangene Woche klargestellt, dass der Landkreis keine Forderungen begleichen wird. Als öffentliche Hand lasse man sich nicht erpressbar machen.

Weiter keine Angaben zur Höhe des Lösegeldes

Zur Höhe der geforderten Summe haben sich weder der Landkreis noch das Landeskriminalamt bisher geäußert. Die Server des Landkreises waren vergangene Woche mit Ransomware infiziert worden. Das sind Schadprogramme, die den Computer sperren oder alle darauf befindliche Daten verschlüsseln.

Pawaelczyk betonte, dass der Landkreis diese Problematik sehr ernst nehme, zumal die Möglichkeit besteht, dass jederzeit weitere Daten im Darknet veröffentlicht werden könnten. „Aus diesem Grund werden die Veröffentlichungen datenschutzrechtlich bewertet und entsprechende Handlungsschritte festgelegt. Im Bedarfsfall werden Betroffene schnellstmöglich kontaktiert“, machte der Landkreissprecher deutlich.

Am Freitag hat sich der Landrat persönlich an die Anhalt-Bitterfelder gewandt und versichert, dass der Landkreis alle Leistungen auszahlen wird, „möglicherweise mit kurzem Zeitverzug, möglicherweise mit späteren Korrekturen“, erklärte Andy Grabner.

Andy Grabner: Landkreis wird Zahlungsverpflichtungen nachkommen

Für den Fall, dass eine finanzielle Leistung im Einzelfall doch nicht ankommt, stünden die Mitarbeiter unseres Hauses zur Verfügung. „Es wird dann eine schnelle individuelle Lösung geben“, betonte Grabner. Auf den Internetseiten der Landkreisverwaltung seien die entsprechenden Kontaktdaten aller Fachbereiche zu finden.

Der Landrat verwies allerdings auch darauf, dass es lange dauern könne, bis die volle Leistungsfähigkeit der Kreisverwaltung wieder hergestellt ist. „Bis dahin müssen wir mit einer Notinfrastruktur arbeiten, die gegenwärtig installiert wird und ab dem heutigen Montag arbeitsfähig sein wird. Dann kann jedes Amt auch wieder sicher elektronisch kommunizieren“, so Grabner.

Nicht alle Fachanwendungen zeitnah betriebsfähig

Notinfrastruktur bedeute aber nicht, dass alle Fachanwendungen, wie beispielsweise die Kfz-Zulassung, ab heute wieder einsatzbereit sein werden. „Wir werden unverzüglich informieren, wann welche Anliegen wieder bearbeitet werden können“, betonte der Landrat und bittet die Bürger um Geduld und Verständnis.

Grabner: „Es ist verständlich und nachvollziehbar, dass sich für viele Bürgerinnen und Bürger Fragen ergeben. Bekomme ich mein Unterhaltsgeld, erhalte ich die finanzielle Unterstützung vom Sozialamt, kann ich mein Kraftfahrzeug zulassen? Ich kann Ihnen hier und jetzt sagen, dass der Landkreis all seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen wird.“

Anhalt-Bitterfelder Leitstelle nicht betroffen

Grabner versicherte, dass der Landkreis in Zusammenarbeit mit den Bundes- und Landesbehörden sowie externen Spezialisten alles unternehmen werde, dass die Verwaltung schnellstmöglich wieder alle Anliegen der Einwohner vollumfänglich erledigen kann. „An dieser Stelle bedanke ich mich für die vielen Unterstützungsangebote aus Politik und Wirtschaft“, so Grabner.

Der Landrat betonte noch einmal ausdrücklich, dass die Rettungsleitstelle voll einsatzfähig sei. „Es braucht sich also niemand Sorgen zu machen, dass im Ernstfall der Rettungswagen oder die Feuerwehr nicht kommen“, machte Grabner deutlich. Auch die Kontaktverfolgung bei auftretenden Corona-Fällen und alle sonstigen Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Pandemie seinen weiterhin sichergestellt. „Auch die Impfzentren sind voll einsatzbereit“, beruhigte der Landrat.

Weitere Infos und die Kontaktdaten der Ämter sind im Internet unter www.anhalt-bitterfeld. de zu finden.