Zerbst l „Es sieht wunderbar aus.“ Sigrun Knäbel ist sichtlich stolz und spürbar erleichtert. Endlich ist es gelungen, das Projekt umzusetzen, für das der Förderverein des Zerbster Wasserturms die vergangenen Jahre gekämpft hat: Die Außenhülle des fast 40 Meter hohen Klinkerbaus erstrahlt wieder in den originalen Farben wie bei seiner Errichtung vor 125 Jahren.

2018 konnte die Sanierung des städtischen Wahrzeichens endlich in Angriff genommen werden. Die Öffnung des technischen Denkmals zum Weltwassertag im März war die letzte, bevor sich das Gelände in eine Baustelle verwandelte. Auf der Jahreshauptversammlung des Vereins am Mittwochabend erinnerte die Vorsitzende, wie schwierig es war, eine Firma zu finden, die sich die Einrüstung des Turms zutraute. Dass sich jener nach oben hin verjüngt, bevor die Kuppel aufsitzt, stellte eine Herausforderung dar.

Sigrun Knäbel verfolgte genau, wie die Fassade nach und nach abgestrahlt, ausgebessert und neu verfugt wurde. Wie dringend die Maßnahme war, zeigte sich in luftiger Höhe: Hinter den vertikalen Rissen im Mauerwerk verbargen sich verrostete Stahlträger für den riesigen Wasserbehälter. Zehn mussten ausgetauscht werden. Zwei von ihnen hat der Verein als Ausstellungsobjekte behalten. „An ihnen kann man sehen, wie schlimm es um unseren Turm schon stand.“ Sigrun Knäbel will sich nicht ausmalen, was hätte passieren können, wenn die maroden Träger nachgegeben hätten ...

Wahrzeichen nachts mit Lampen anleuchten

Auch zwei der Glasbausteine aus DDR-Zeiten, die durch nach historischem Vorbild rekonstruierte Stahlfenster ersetzt wurden, erzählen künftig von dem aufwendigen Sanierungsprojekt. Und das verlief nicht ohne den tatkräftigen Einsatz einiger Vereinsmitglieder.

Als Hochseilakt beschrieb Sigrun Knäbel das Lösen der Holzbretter unter dem Wasserbehälter, die anschließend als Laufbohlen für den Fenstereinbau genutzt wurden. Darüber hinaus übernahm es der Verein, die im Bereich des Tanks angebrachten Dämmplatten zu entfernen und über die Wendeltreppe nach unten zu befördern.

Inzwischen ist das Gerüst verschwunden und neue Ideen sind geboren. „Der Turm muss leuchten“, zitierte Sigrun Knäbel lächelnd Michael Erxleben, den Geschäftsführer der Zerbster Stahl- und Metallbau-Firma ER+TE. Für das Anstrahlen des eindrucksvollen Klinkerbaus sagte er nicht nur spontan eine Spende über 1500 Euro zu, sondern ebenfalls das Sponsoring der Metallständer für die drei geplanten Lampen.

Inzwischen konnten weitere Partner gewonnen werden, um das Projekt umzusetzen. Ein erster Test, wie es ausschauen würde, den Wasserturm anzustrahlen, gab es mittlerweile. „Ich war begeistert“, erzählte die Vereinsvorsitzende von einem Gänsehautmoment.

Daneben soll ein weiteres Vorhaben realisiert und eine der Brunnenstuben zur Toilette umgerüstet werden, wie Sigrun Knäbel schilderte. Damit soll die sanitäre Situation für Besucher verbessert werden. Der Verein bietet Führungen für interessierte Gruppen an und organisiert regelmäßig Veranstaltungen.

Wer mag, kann sich bereits den 15. Juni im Kalender markieren. Dann können Gäste den sanierten Wasserturm zwischen 13 und 17 Uhr besichtigen und in die Geschichte der Zerbster Wasserversorgung eintauchen. Auch am Tag des offenen Denkmals, der am 8. September bundesweit stattfindet, wird sich der Verein wieder beteiligen – das war aufgrund der Baumaßnahme 2018 nicht möglich.

Ärger über Diebstahl, Freude über neue M

Neben den erfreulichen Arbeiten an der Turmfassade musste allerdings ebenfalls ein ärgerlicher Einbruch verzeichnet werden. „Es wurde die Wasserpumpe gestohlen“, berichtete Sigrun Knäbel den anwesenden Vereinsmitgliedern. Darüber hinaus hinterließen die Diebe Schäden an einem Schuppen und einer Brunnenstube. Dieses negative Ereignis trübte ein wenig die sonst positive Bilanz für die zurückliegenden Monate.

Für das Engagement des Fördervereins spricht auch die anhaltende Spendenbereitschaft in der Bevölkerung. Über 2000 Euro konnten im vergangenen Jahr von Gewerbetreibenden und Privatpersonen entgegengenommen werden. Auch die Zahl der Mitglieder ist weiter auf nunmehr 70 angewachsen.