Kermen/Eichholz l Dr. Gunnar Schellenberger, Staatssekretär für Kultur in der Staatskanzlei und im Ministerium für Kultur Sachsen-Anhalt sowie Präsident des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, besuchte am Mittwochnachmittag die Dorfkirchen in Kermen und Eichholz. Der Staatssekretär wollte sich vor allem ein Bild vom Zustand der Kermener Kirche und deren Sanierungsbedarf machen. Als Mann der Zahlen habe er festgestellt, „dass sie bei uns noch gar keinen Antrag gestellt haben“, wandte sich Schellenberger an Pfarrer Albrecht Lindemann. Er solle das schleunigst nachholen, riet er. „Damit wir ins Geschäft kommen“. Albrecht Lindemann erläuterte, dass eine Förderung aus dem Verkehrsministerium kommen soll. Auf den Bescheid über die Regio-Mittel warte man allerdings noch. Sobald dieser da ist, können die ersten Sachen ausgelöst werden, so Lindemann.

„Der erste Bauabschnitt ist gesichert“, fasste der Pfarrer es zusammen. Der Zuwendungsbescheid von Lotto-Toto liegt auch schon vor. Für Lotto-Toto war Astrid Wessler vor Ort, um sich alles anzuschauen. „Damit die Kirche im Dorf bleibt, unterstützen wir gern solche Initiativen zum Erhalt historischer Bauwerke“, sagte sie.

Viele private Spender gefunden

Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld (Volksstimme berichtete), die Ortschaft Leps mit 3000 Euro und die Landeskirche Anhalt unterstützen die Sanierung. Ebenso fördert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) das Vorhaben. Für das kleine Gotteshaus erfolgte im April ein groß angelegter Hilferuf im Magazin Monumente der DSD, der von doppeltem Erfolg gekrönt war. Nicht nur, dass die Förderer der spendensammelnden Stiftung eifrig für dieses wertvolle „Denkmal in Not“ spendeten, sondern es fand sich darüber hinaus ein Liebhaber des bedrängten Kleinods, der für dessen Wiederherstellung gleich zweimal höhere Summen zur Verfügung stellte.

Viele private Spender haben sich für die Dorfkirche St. Petrus und Paulus in Kermen gefunden. „Wir haben Unterstützung aus ganz Deutschland erhalten“, so Pfarrer Lindemann. Es gibt mehr als 1000 Einzelspender. Der Staatssekretär zeigte sich beeindruckt von dem Vorhaben. Wichtig sei, so Schellenberger, dass solche Häuser dann auch belebt werden. Als einen Aspekt nannte er die Nutzung der Kirche durch die Gemeinde. Albrecht Lindemann konnte dazu berichten, wie man unlängst beim Tag des offenen Denkmals und Kammermusik in der kleinen Kirche auch deren wundervolle Akkustik entdeckt habe, die es später zu nutzen gilt. Einen Ausblick auf die Zukunft und touristische Entwicklung warf er auch in Richtung Glaskunstfenster. Im Rahmen des Projektes Lichtungen soll die Kermener Kirche mit Fenstern nach den Entwürfen von Günter Grohs ausgestattet werden. Es werde nicht nur Altes wiederhergestellt, sondern „auch unsere Zeit wird einiges hinterlassen“, so Albrecht Lindemann. Er kann dabei auf die Aufgeschlossenheit der Kirchengemeinde setzen, die am Mittwoch durch Heidrun Ligmahl und Maren Gabriel vertreten war.

Kirche bekommt Turm zurück

In diesem Jahr soll also die Sanierung der Kermener Kirche beginnen. „Wir sind dabei, Angebote einzuholen“, so der Pfarrer. Im ersten Bauabschnitt stehen Maßnahmen zur Instandsetzung der Dach- und Deckenkonstruktionen und zur Gebäudeentwässerung an. Holzschutztechnische Untersuchungen sollen an Empore, Gestühl und Grundkonstruktionen durchgeführt werden. Eine restauratorische Befunduntersuchung gehört dazu. Der wertvolle Kanzelaltar muss eine statisch-konstruktive Notsicherung erhalten. Die Fassade und die Stützpfeiler am Westwerk müssen instand gesetzt werden. Im Rahmen der Erneuerung der Dach– und Deckenkonstruktionen bekommt die Kirche dann auch ihren Turm zurück.

Schellenberger bot seine Unterstützung an, wenn weitere Hilfe gebraucht wird. Er wolle sich gern dafür einsetzen, dass die Kirche in Kermen zukünftig in gleicher Schönheit wieder erstrahlen kann wie ihre Schwester in Eichholz. Die war dann der nächste Anlaufpunkt für die Besuchergruppe, der sich auch die Kirchenbaurätin Konstanze Förster-Wetzel von der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Lutz Köcher von der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie Sonja Hahn von der Stiftung Entschlossene Kirchen angeschlossen hatten.