Zerbst l „Wir hatten das Projekt schon länger in der Schublade“, erzählt Dirk Herrmann. Wie der Vorsitzende des Fördervereins Schloss Zerbst schildert, werden bald 64 Fenster und sechs Doppelflügeltüren nach historischer Vorlage dem erhaltenen Ostflügel ein Stück des einstigen barocken Glanzes zurückgeben. Ursprünglich war allerdings eine andere Maßnahme angedacht.

Rund 441.000 Euro sollten in den Mittelrisalit fließen – in die einsturzgefährdete Decke, Treppe und Balustrade. Die beantragten Bundesmittel waren auch rasch bewilligt. Problematisch gestaltete sich hingegen die weitere Finanzierung. Einige Fördermittelgeber kürzten ihre Zuschusshöhe, andere erhoffte Gelder brachen komplett weg. So schrumpfte die zur Verfügung stehende, zweckgebundene Summe auf 281.000 Euro zusammen.

Förderung aus Sonderprogramm

Um die 140.500 Euro aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm VIII des Bundes nicht verfallen zu lassen, wurde der Versuch einer Umwidmung der Maßnahme gestartet. Eine „deutliche Herausforderung“, wie es Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) formuliert, die glücklicherweise gelang. Er freut sich, dass die Mitförderer nicht abgesprungen sind und Verständnis für die notwendigen Nachverhandlungen zeigten.

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Neben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützt ebenfalls die Lotto Toto GmbH den Verein bei seinem Vorhaben, das die Stadt als Eigentümerin des Barockbaus mit 28 100 Euro bezuschusst. Der Rest der Eigenmittel werden aus Spenden finanziert, „die der Förderverein in diesem außergewöhnlichen Jahr mühsam eingeworben hat“, wie Dirk Herrmann beim Pressetermin vor Ort anmerkt. Denn aufgrund der Corona-Pandemie fanden kaum Schlossöffnungen statt, fast alle geplanten Veranstaltungen mussten abgesagt werden. Das wirkte sich spürbar aus.

Eine letzte Hürde stellte sich plötzlich bei den Landesmitteln auf, deren Auszahlung an eine Auftragsvergabe noch in diesem Jahr geknüpft wurde. Doch auch dieses Unterfangen gelang. Die Vergabe der Leistungen ist vorige Woche erfolgt und zwar an zwei Zerbster Firmen und ein weiteres Unternehmen aus Sachsen-Anhalt, wie Dirk Herrmann berichtet.

Umsetzung Anfang 2021

Anfang 2021 soll mit der Umsetzung des Projektes begonnen werden. Die denkmalrechtlichen Genehmigungen liegen vor. Vorgesehen ist zum einen der Einbau von 27 Fenstern im Erdgeschoss sowie von 35 Fenstern und zwei Balkonfenstern im ersten Obergeschoss des Ostflügels. Sie werden nach barockem Vorbild mit modernem Sicherheitsglas gefertigt und sollen die bisherigen Provisorien ersetzen, die der Förderverein einst in Eigenleistung realisierte. „Nur so konnten die wiederhergestellten Räume vor Witterungseinflüssen und Vandalismus geschützt und die dringend notwendige Austrocknung des Gebäudes forciert werden“, erinnert Dirk Herrmann. Aus Kostengründen wurde jedoch auf einfaches Holzmaterial zurückgegriffen, weshalb die Fensterrahmen inzwischen massive Schäden aufweisen. „Außerdem waren die genutzten Glasfolien infolge der UV-Strahlung schon nach wenigen Jahren spröde, so dass ganze Partien ausbrachen“, schildert der Vereinsvorsitzende. Mehrfach sei ein aufwendiger und kostenintensiver Austausch erforderlich gewesen.

Acht rekonstruierte Fenster konnten bereits in den ersten beide Etagen eingebaut werden – unter anderem im Eingangssaal, in dem Konzerte oder auch Trauungen stattfinden. Die dort vorhandenen sechs schlichten und mittlerweile verschlissenen Holztüren sollen durch Doppelflügeltüren ersetzt werden, wie sie auf einer Fotografie von 1927 zu erkennen sind. Dadurch wird nicht nur der Raum aufgewertet. „Die Türen dienen ebenfalls dem Schutz der Bausubstanz“, sagt Dirk Herrmann.

Bis Juni soll das Projekt abgeschlossen sein, das sich einreiht in die elf Sicherungsmaßnahmen, die der Förderverein seit 2005 umgesetzt hat.