Bitterfeld/Zerbst l Einen Förderbescheid in Höhe von rund 5,3 Millionen Euro hatte Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) in der vergangenen Woche in der Tasche, als er die Berufsschule in Bitterfeld besuchte. Der Landkreis selbst schießt noch einmal rund 600.000 Euro als Eigenanteil hinzu. Die Gesamtsumme der Investitionen beträgt somit fast sechs Millionen Euro.

Das Geld soll in die Verbesserung der digitalen Infrastruktur in die 23 Schulen fließen, dessen Träger der Landkreis Anhalt-Bitterfeld ist. Dazu gehören auch vier Schulen in der Einheitsgemeinde Zerbst – das Gymnasium Francisceum, die Ganztagsschule „Ciervisti“ und die Förderschule „Am Heidetor“ in Zerbst sowie die Förderschule „Heinrich Ernst Stötzner“ in Güterglück.

5,3 Millionen Euro an Schulen im Landkreis

„Wenn wir in Deutschland über das Thema Digitalisierung sprechen, reden wir meist über Probleme“, sagte der Minister. Das solle sich demnächst ändern, zumindest was die Schulen und die Bildung insgesamt betreffe. Dem konnte auch Landrat Uwe Schulze (CDU) nur zustimmen: „Das ist ein guter Tag für die Bildungseinrichtungen. Aber: Wir werden später auch über die laufenden Kosten sprechen müssen“, machte Schulze deutlich.

Die 5,3 Millionen Euro sollen an den Schulen für schnelles Internet und ein funktionierendes WLAN sorgen. „Im Grunde genommen werden an den entsprechenden Schul- standorten alle unterrichtsrelevanten Bereiche und Räume mit einer Netzwerkverkabelung und drei Netzwerkdoppeldosen ausgestattet“, sagte Landkreissprecher Udo Pawelczyk.

Anschluss an Glasfaser bis 2021

Wenn die Verkabelung stehe, gebe es für die Schulen flächendeckendes WLAN in den unterrichtsrelevanten Bereichen. „Dazu zählt auch der Schulhof – Stichwort: ,Grünes Klassenzimmer‘. Parallel dazu werden alle Schulen über ein weiteres Landesprojekt bis voraussichtlich Ende 2021 an das Glasfasernetz angeschlossen und mit 1 Gbit/s Bandbreite versorgt“, blickt Pawelczyk in die Zukunft.

Die größte Summe – rund 800.000 Euro – geht an die Berufsbildenden Schulen Anhalt-Bitterfeld (BBS ABI) in Bitterfeld und Köthen. Die Zerbster Schulen kommen zusammen auf knapp eine Million Euro (Infokasten), wo die Freude über den Geldsegen in Sachen Digitalisierung natürlich groß ist. Dennoch könnten sich Probleme auftun, wie Veronika Schimmel, Schulleiterin des Gymnasiums Francisceum, befürchtet.

Erarbeitung Medienkonzept war viel Arbeit

„Das Glasfaser liegt bereits vor der Haustür, das ist die gute Nachricht. Was allerdings unsere altehrwürdigen Klostermauern betrifft, da muss eine Spezialfirma ran und prüfen, wie das Vorhaben technisch umsetzbar ist“, erklärt Veronika Schimmel. Losgehen solle es im kommenden Jahr. „Wir freuen uns und hoffen jetzt, dass die Umsetzung nicht allzu problematisch wird“, so die Schulleiterin.

Auch bei Sylvia Focke ist die Freude groß. Die Schulleiterin der Förderschule „Am Heidetor“ hofft auf die Umsetzung des Projektes im kommenden Jahr. „Die Erarbeitung des Medienkonzeptes im Vorfeld, an der sich alle Kollegen beteiligt haben, war eine Menge Arbeit“, schildert sie. Geplant sei, einen Rechner mit Drucker pro Klassenraum zu installieren.

Software für Lehrer schaffen

„Außerdem soll auf jedem Flur ein Medienwagen mit allen relevanten Geräten platziert werden, der dann je nach Bedarf in die Räume geschoben werden kann“, erklärt Sylvia Focke. Sie und ihre Kollegen freuen sich, dass nun auch ihre Schule endlich auf der schnellen Datenautobahn unterwegs sein kann.

Sven Lewy kann seinen Schulleiterkollegen nur zustimmen. Er leitet die Förderschule in Güterglück und ist froh, dass sich nun endlich etwas bewegt in Sachen Digitalisierung, sagt aber auch: „Neben der technischen Umsetzung der Netzwerkverkabelung muss parallel auch die Ausstattung mit der nötigen Software erfolgen. Sprich: Die nötigen Endgeräte für die Kollegen müssen angeschafft werden“, so Lewy. Hier bestehe bereits seit einigen Monaten Handlungsbedarf.

Lehrer brauchen Schulung

„Und, was mindestens ebenso wichtig ist – die Schulung des Kollegiums. Ohne entsprechende Endgeräte und geschultes Personal blinken eben nur die Lämpchen an den Routern“, erklärt der Schulleiter. Er hoffe, dass alles Nötige jetzt auch zeitnah umgesetzt wird.

Grundlage der Förderung ist der Digital-Pakt Schule, eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern. Der Bund stellt über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt fünf Milliarden Euro zur Verfügung, davon in dieser Legislaturperiode 3,5 Milliarden Euro. Inklusive des Eigenanteils der kommunalen und privaten Schulträger beziehungsweise der Länder stehen dann mindestens 5,6 Milliarden Euro bereit.