Luso l Um die 70 Einwohner zählt Luso, zwei Kilometer von der Kernstadt Zerbst entfernt. Das Dorf hat einen Spielplatz in seiner Mitte. Der Gasthof ist nicht mehr in Betrieb. Aber es gibt eine Kirche im Dorf, die etwas Besonderes ist.

Eine der ersten Themenkirchen

Die Lusoer Kirche war eine der ersten Themenkirchen im Kirchenkreis Zerbst. Da es in Luso nur noch wenige Kirchgänger gibt und nur zu besonderen Anlässen Andachten stattfinden, sollte das Gotteshaus eine neue Nutzung erfahren. So wurde die Kirche zur Gesangbuchkirche. Ein Ort, an dem kirchliche Bücher gesammelt werden, die nicht mehr im Gebrauch sind. Ältere und alte Gesangbücher, Gebetbücher und Bibeln sind hier zu finden.

Mit dem Förderkreis der Stiftung Entschlossene Kirchen, der 2008 seine Arbeit aufnahm und in der Öffentlichkeit aktiv wurde, wuchs die Wahrnehmung der Themenkirchen, das Interesse und die Besucherzahlen. In Luso kamen immer mehr Bücher an, manchmal paketeweise. „Bald reichten die Bankreihen nicht mehr, um sie alle auszulegen“, erzählte Sonja Hahn, die Vorsitzende der Stiftung Entschlossene Kirchen. Zunächst wurden in der Apsis zwei zusätzliche Regale aufgestellt, schließlich ein Riesenbücherregal eingebaut bis unter die Decke des Kirchenschiffes.

Pilgertouren und mehr

Wer nach Luso kommt, kann die Bücher riechen, anschauen und anfassen. Die Lusoer gehört zu den entschlossenen Kirchen, die immer offen stehen. Verweilen, in den Büchern blättern, singen – alles ist erlaubt und erwünscht. Pilgertouren machen Station in der Gesangbuchkirche, organisierte Busreisen gibt es, mit der Gesangbuchkirche als Programmpunkt. Der Lutherweg führt hier vorbei.

Zunehmend ist die Zahl der Radfahrer, die die Region erkunden. „In das touristische Konzept sind die Themenkirchen schon seit vielen Jahren eingebunden“, machte Viola Tiepelmann von der Zerbster Touristinformation deutlich. Im aktuellen Radprospekt der Welterberegion gibt es einen direkten Radweg von Themenkirche zu Themenkirche, kündigte sie an.

Um die Leute, die nun tatsächlich nach Luso kommen, aufmerksam zu machen, gibt es jetzt eine neue zweiteilige Informationstafel. Direkt an der Durchgangsstraße kommt da eigentlich niemand vorbei. Den Standort hatte Bernd Scharrenbroich, der Vorsitzende des örtlichen Gemeindekirchenrates vorgeschlagen. In Abstimmung mit Ortschaft und Stadt konnte die Tafel an dieser Stelle aufgestellt werden. Dass das so unproblematisch funktioniert, sei nicht überall so, meinte Pfarrer Martin Bahlmann vom Förderkreis „Entschlossene Kirchen“. „Ein toller Standort direkt am Lutherweg“, freute er sich.

Karte zum Kirchenkreis

Die Informationstafel informiert auf der einen Seite mit Karte über den Kirchenkreis Zerbst, seine Kirchen mit allen verbindenden Linien, sowie die Region insgesamt mit den Städten Dessau-Roßlau, Coswig, Wittenberg und Zerbst/Anhalt.

Auf der anderen Seite heißt es „Willkommen in Luso“ mit Beschreibungen zur Gesangbuchkirche, dem Thema an sich, dem Lutherweg sowie weiteren Besonderheiten in der näheren Umgebung. „Es geht darum, kleine Orte einzubinden in ein ganzes Netzwerk“, erläuterte Sonja Hahn Hintergrund und Anliegen. Das kleine Dorf und Weltkulturerbe rücken näher zusammen.

Die Informationstafel konnte finanziert werden durch die Unterstützung der Kreissparkassenstiftung Anhalt-Zerbst. Weitere Informationstafeln gibt es bereits an den Kirchen in Griebo, Trüben und Düben. Die Tafel an der Weihnachtskirche Polenzko wartet nur noch auf ihre Anbringung, nachdem die Baumaßnahmen dort abgeschlossen sind. Eine weitere Tafel wird demnächst in Klieken an der dortigen Patronatskirche mit ihrem Cranachaltar aufgestellt.

Initiiert wurde das Tafelsystem vom Förderkreis der Stiftung „Entschlossene Kirchen“, die es sich als Treuhandstiftung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zur Aufgabe gemacht hat, Dorfkirchen im Kirchenkreis Zerbst zu erhalten und gleichzeitig verlässlich zu öffnen.

Natur trifft Kultur

Kunsthistorikern Sonja Hahn sagte: „Wir freuen uns sehr über das Tafelsystem, das eine Bereicherung für die ganze Region ist und neben Informationen zu den Kirchen auch Fakten und Karten zu Natur und Kultur in unserem Kirchenkreis bietet.“ Sie lobte die Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Naturpark: „Wir ergänzen uns.“ In Luso befindet sich gleich an der neuen Tafel auch der Wegweiser zur Gesangbuchkirche und in die Nachbarorte.

Die neue Informationstafel im Dorf kam auch bei Ortsbürgermeister Ralf Müller gut an. Die Bürger hätten das ebenfalls positiv aufgenommen worden, berichtete er.