Prävention

Dreiste Diebe nutzen Trauer aus

Gelegentlich kommt es am Heidetorfriedhof zu Autoaufbrüchen. Die Zerbster Postsenioren wünschen sich einen bewachten Parkplatz.

Von Daniela Apel

Zerbst l „Irgendwas muss passieren“, findet Irmgard Mohs. Sie hat selbst miterlebt, wie einem Bekannten der am Heidetorfriedhof abgestellte Pkw aufgebrochen wurde. Auf der Beifahrerseite schlugen Unbekannte die Autoscheibe ein und übersäten das Innere mit Glasscherben. Zum offensichtlichen Sachschaden hinzu kam der Diebstahl eines unter dem Sitz liegenden Laptops, auf dem wichtige Zugangsdaten gespeichert waren. „Vielleicht könnte an zwei Tagen die Woche ein Parkplatzwächter vor Ort sein“, überlegt Irmgard Mohs. Sie schildert damit ein Problem, das auch die anderen Zerbster Postsenioren beschäftigt. Vor allem über die Dreistigkeit der Täter können sie nur den Kopf schütteln. Während die Trauernden bei einer Beerdigung vom Verstorbenen Abschied nehmen, würden diese zugreifen. Die Betroffenen müssen sich häufig nicht nur um die Regulierung und Behebung des Schadens kümmern. Viele Telefonate und Behördengänge sind zu erledigen, wenn persönliche Dokumente gestohlen wurden. Der Verlust von Bargeld ist da zwar ärgerlich, aber noch am leichtesten zu verkraften.

Um einen solchen Vorfall zu verhindern, sei es das Beste, keine Wertgegenstände oder Papiere im Auto liegen zu lassen, erklärt Kriminalhauptkommissar Dieter Hesse. Wenn man seinen Pkw irgendwo abstellt, sollte man einfach alles mitnehmen. Vom Versteck unterm Sitz oder dem Umladen in den Kofferraum rät er ab. Wenn jemand in der Nähe steht und das beobachtet, „hat man keine Chance“. Vor allem Frauen führen in der Regel eine Handtasche mit sich, haben sie keine dabei, ist zu vermuten, dass sich die Tasche womöglich noch im Auto befindet – das wissen auch die Diebe, wie der Polizist ausführt.

Die Statistik scheint die Annahme zu belegen. Von einer Häufung der Anzeigen spricht Dieter Hesse zwar nicht. Doch ein leichter Anstieg der Taten ist durchaus zu verzeichnen. 2014 kam es im Bereich des Heidetorfriedhofs zu fünf Pkw-Aufbrüchen. „Diese geschahen an zwei Tagen“, berichtet der Kriminalhauptkommissar. Die ersten beiden Fälle ereigneten sich am 26. April, drei weitere mit einigem Abstand am 9. August. Abgesehen hatten es die Täter jeweils auf Handtaschen sowie Bargeld. Um an ihre Beute zu gelangen, schlugen sie Scheiben ein und brachen Kofferräume auf.

In diesem Jahr gab es bislang bereits vier Einbrüche in geparkte Autos und zwar an verschiedenen Tagen. Darüber hinaus mussten drei Besucher des Heidetorfriedhofs feststellen, dass man ihnen das Fahrrad gestohlen hatte – ein Delikt, der laut Dieter Hesse vergangenes Jahr nicht auftauchte. Um die Zahlen einzuordnen, zieht er noch einen Vergleich: So registrierte die Polizei 2014 im ganzen Landkreis Anhalt-Bitterfeld insgesamt 181 Pkw-Aufbrüche.

Bleibt der Wunsch der Postsenioren nach einem bewachten Parkplatz, zumindest eben zeitweise. „Vielleicht von 10 bis 12 Uhr“, denkt Irmgard Mohs an die Beschäftigung eines Geringverdieners.

Bürgermeister Andreas Dittmann hörte vom Problem „Heidetorfriedhof“ jetzt zum ersten Mal, als ihn die Volksstimme mit einer entsprechenden Anfrage konfrontierte. Diese nutzte er für eine sofortige eigene Recherche. Seine Rücksprache mit dem Zerbster Polizeirevier ergab, dass es zu keiner Häufung von Diebstählen und Autoaufbrüchen gekommen ist. „Zumindest lässt sich das nicht durch entsprechende Anzeigen belegen.“ Sollte allerdings eine solche Entwicklung festzustellen sein, „würde eine Bestreifung durch Mitarbeiter des Ordnungsamtes, eines privaten Sicherheitsdienstes oder soweit möglich in Abstimmung mit dem Kommissariat auch eine verstärkte Bestreifung durch die Polizei denkbar sein“, ergänzt Dittmann.