Zerbst l Seit 30 Jahren ist die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) inzwischen in der Region vertreten. Am 28. Juli 1990 erfolgte die Gründung der Ortsgruppe, die fortan Zerbst/Anhalt heißt. Mit ihre Entscheidung folgten die Mitglieder einer schon lange gezogenen kommunalpolitischen Grenze und strichen „Roßlau“ aus ihrem Vereinsnamen. Die notwendige Satzungsänderung nahmen sie auf ihrer Jahreshauptversammlung vor, die einmal mehr eindrucksvoll das breit gefächerte ehrenamtliche Engagement der Kameraden widerspiegelte.

Zwar mussten sie glücklicherweise nur zu zwei Notfällen ausrücken – zur Pkw-Bergung nach Bad Schmiedeberg und zur Personensuche in die Gemeinde Osternienburg. Dennoch kamen 2019 insgesamt über 4 300 geleistete Stunden zusammen, wie Einsatzleiter Jürgen Schollbach mit Blick in die Statistik ausführte.

Kampf mit finanziellen Einbußen

Neben der Absicherung von Regatten des Segelvereins Pouch, dem Elbschwimmen in Tangermünde oder dem Triathlon im sächsischen Beucha absolvierten die Rettungsschwimmer und Taucher mehrere Ausbildungseinheiten und kümmerten sich um ihren Fuhrpark. Daneben führten sie emsig die Arbeiten im Vereinsobjekt weiter, das in Teilen zu einem Jugendheim umgebaut wird. „Das Projekt wollen wir dieses Jahr fertigstellen“, benannte Simone Striebing das ehrgeizige Ziel. Als Schatzmeisterin weiß sie um die finanzielle Herausforderung, die ein solches Vorhaben mit sich bringt, weshalb sie allen bisherigen Sponsoren dankte.

Zu sprechen kam Simone Striebing auch auf die enormen Einbußen, die auf die Ortsgruppe dadurch zukommen, dass sie nicht mehr für die Entleerung der rund 60 Altkleider-Container in der Einheitsgemeinde Zerbst zuständig ist. „Das sind rund 20 000 Euro, die uns jährlich an Einnahmen fehlen“, sagte sie. Noch offen ist, wie dieser Verlust kompensiert werden kann. Immerhin müssen die Wasserretter nicht nur die Unterhaltung ihrer Technik – das sind neun Fahrzeuge und vier Boote – selbst finanzieren, sondern beispielsweise ebenfalls ihre Einsatzkleidung.

Nachwuchs schnuppert in Bereiche hinein

Positiv entwickelte sich die Zahl der Mitglieder, die im Laufe des zurückliegenden Jahres wieder deutlich zunahm und von 280 auf derzeit 323 anwuchs, wie Simone Striebing schilderte.

Auf das Jugend-Einsatz-Team, kurz JET genannt, ging Teamleiterin Andrea Wittmann ein. Das Angebot richtet sich an den Vereinsnachwuchs zwischen zwölf und 18 Jahren, der hier möglichst viele Bereiche der Rettungsorganisationen – vor allem natürlich der DLRG – kennenlernen soll. Entsprechend vielfältig gestalteten sich auch 2019 – dem dritten JET-Jahr – die monatlichen Treffen wieder. Von Strömungsrettung über Knotenkunde bis zum Nachstellen von Badeunfallszenarien reichte das Spektrum.

Keine Wassersportmesse wegen Corona

Ein Ausblick auf die diesjährigen Aktivitäten der Ortsgruppe durfte auf der Jahreshauptversammlung ebenfalls nicht fehlen. Eigentlich wollten sich die Kameraden an diesem Wochenende auf der Wassersportmesse „Magdeboot“ präsentieren, aufgrund des Corona-Virus wurde diese allerdings auf Oktober verschoben. Bleibt abzuwarten, ob im Mai die Zerbster Gewerbefachausstellung stattfinden kann, an der die Wasserretter dann als Aussteller teilnehmen. Zudem soll der Erlös der traditionellen Münzprägung diesmal wegen ihres Jubiläums an die DLRG-Ortsgruppe gehen.

Darüber hinaus werden die Kameraden wieder ausrücken, um Veranstaltungen am und im Wasser abzusichern. Als Trainer führen sie weiter Anfängerkurse im Schwimmen durch, auch Babyschwimmen wird angeboten. Sie gestalten Kindergarten-Projekttage und sind stets bereit, um im Ernstfall Menschenleben zu retten.