Deetz l Das Deetzer Paar ist vielen durch sein politisches Engagement bekannt. Was sie zusammen brachte und was sie zusammen hielt, verrieten sie bei einem kurzen Besuch. Es war der Sängerball 1950 in Deetz als sich Margrit und Otto Weimeister das erste Mal über den Weg liefen.

„Nach der Kriegszeit waren alle Jugendlichen süchtig nach Tanzen – auch ich“, erinnert sich die gebürtige Zerbsterin, die damals 17 Jahre alt war. Ihr Bruder hatte damals ein Motorrad und hatte zugesagt sie mitzunehmen. „Das war was“, schmunzelt sie. In langer Robe, vor der Motorradfahrt fein gebügelt, trat sie auf dem Ball auf. Das Kleid hat sie heute noch. Und Otto Weimeister forderte sie zum Tanz auf. Immer wieder tanzten sie an dem Abend miteinander. „Nur den letzten Tanz nicht. Aber nach Hause gebracht hat er mich trotzdem“, erinnert sich Margrit Weimeister.

Briefe beim Kennenlernen

Aber es war kein Abschied, denn Otto meldete sich fortan immer wieder – per Brief. „Das hat mir gefallen. Dachte mir, schau an, der kann richtig schreiben und viel und stellte sich so schön vor“, erinnert sich Margrit Weimeister.

Bilder

Drei Jahre lang „gingen sie miteinander“ wie man heute sagen würde. 1953 ereigneten sich Schicksalsschläge: Familienmitglieder mussten ausreisen aus der DDR – zu ihrer eigenen Sicherheit. Margrit entschied sich zu bleiben. Der Wunsch, dass sie heiraten, war da.

„Natürlich wollte Otto da um meine Hand bei meinen Eltern anhalten. Diese waren aber schon im Lager in West-Berlin. Wir machten uns auf, sie dort zu suchen. Es war der 17. Juni 1953. Es knallte in Ost-Berlin ganz fürchterlich. Davon bekamen wir nichts mit. Otto sprach bei meinen Eltern vor, diese gaben ihren Segen. Dann fuhren wir auf dem Motorrad wieder nach Hause.

Lebendige Erinnerungen

In Belzig haben sie uns fast angehalten. Wir wussten ja von nichts, wir hatten kein Radio gehört oder so. Und als wir zu Hause ankamen waren alle ganz aufgeregt und froh, dass wir unbeschadet wieder angekommen waren“, erinnert sich Margrit Weimeister noch ganz lebendig an diesen Tag. Etwa einen Monat später wurde dann Hochzeit gehalten. „Es war eine riesen Hochzeit. Mehr als 100 Gäste, ein großer Brautzug, gefeiert wurde im Saal. Eine Kochfrau hatte die Versorgung inne“, weiß das eiserne Hochzeitspaar noch von ihrer grünen Hochzeit.

„Geschirr wurde sich von Verwandten geborgt. Es wurden Räume frei geschoben und Betten aufgebaut für Gäste. Dann wurde geschlachtet und mit Obst und Gemüse aus den Gärten das Essen gemacht. Man musste eben alles selber machen“, so Margrit Weimeister.

Aktiv in der Landwirtschaft

Auch ihr Hochzeitskleid war keines von der Stange, denn das gab es eigentlich nicht. „Ich hatte eine ganz tolle Schneiderin. Wir suchten Stoff aus, sie nahm Maß und am Abend habe ich schon das erste Mal Probe getragen“, erzählt sie mit einem Lächeln. Dann wurde ein rauschendes Fest gefeiert und eine Ehe, die bis heute 65 Jahre hielt, begann.

Zukunft in der Landwirtschaft

Die beiden verwirklichten sich in der Landwirtschaft. Otto Weimeister, gebürtiger Deetzer, der heute in dem Raum schläft, in dem er schon geboren wurde, musste mit 15 Jahren zu den Luftwaffenhelfern, bis 1944 war er dort verpflichtet. Bis Kriegsschluss war er Soldat und kam dann in die elterliche Landwirtschaft zurück. Mit Gründung der DDR konnte er nicht den Hof übernehmen. Er studierte Landwirtschaft und wurde Ökonom bei der LPG.

Margrit Weimeister wurde Landwirtschaftskauffrau und Agraringenieurin, denn im Kuhstall wollte sie nicht bleiben. Blieb den Tieren aber treu und wurde Zuchtinstrukteuerin und Außenstellenleiterin der Kreise Zerbst, Burg und Schönebeck.

Die beiden bekamen drei Kinder. „Das war das schönste in unserem Leben“, konstatiert Margrit Weimeister. Es folgten acht Enkel und fünf Urenkel. Die Weimeisters gehen in ihrer Familie auf, aber auch in dem was sie tun und taten. Denn nach der Wende engagierten sie sich stark politisch. „Wir hatten genug gemurrt, da war die Zeit, dass wir selbst mitgestalten konnten und das haben wir genutzt“, sagen beide. „Sie ging in die Außenpolitik, ich selbst in die Innenpolitik“, scherzt Otto Weimeister und meint, dass er ab 1990 für zehn Jahre Bürgermeister der Gemeinde Deetz wurde und Margrit in den Kreistag und den Landtag einzog. Beide für die CDU.

Wie schafft man es bei so vielen Verpflichtungen noch eine glückliche Ehe 65 Jahre lang zu pflegen?

Grundrichtung muss stimmen

„Wir kannten uns drei Jahre vor unserer Hochzeit und ich versuchte, herauszufinden, ob ich mich auf ihn verlassen kann. Und das kann ich, bis heute, zu 100 Prozent. Er ist mein treuester Begleiter, hat mich immer unterstützt in dem was ich tat und mir meine Freiheiten gegeben. Es ist wichtig, dass der Partner da dabei ist und es mitträgt. Sicherlich sind wir auch verschieden und haben auch unsere Meinungsverschiedenheiten, aber die Grundrichtung muss stimmen, sagt mein Mann immer. Und das tat es immer. Alles andere sind Nebensächlichkeiten. Und er hat sich nie verbiegen lassen, weder von anderen Menschen, noch von politischen Systemen“, verrät Margrit Weimeister.

Otto Weimeister kann da nur beipflichten: „Ich habe immer gesagt, ich will keine ‚Ja-Tante‘ heiraten. Und das hab ich auch nicht. Wir sind auch sehr unterschiedlich, aber Gegensätze ziehen sich ja an. Und ich schätze sehr ihr Temperament, ihre Fürsorge und ihre Kritik.“