Zerbst l Mit Strom fahren – das ist nicht nur Zukunftsmusik, sondern eigentlich Realität. Die Fahrzeuge gibt es, doch scheuen sich noch einige ob der Reichweiten und vor allem ob der wenigen Möglichkeiten, zwischendurch den Akku mal zu laden.

Zwei Fahrzeuge pro Säule

In Zerbst geht man hier jetzt erste Schritte: Insgesamt drei Ladesäulen für E-Autos und E-Bikes sind seit Dienstag im Stadtgebiet zu finden und auch zu benutzen. Eine steht auf der Schloßfreiheit, die anderen beiden am Markt. Pro Säule können zwei Fahrzeuge Strom tanken.

Nun fehlen eigentlich nur noch die Nutzer – und ein paar Feinheiten: „Es soll noch eine Beschilderung folgen, damit vor allem auch Touristen die Säulen finden, und wir wollen die Säulen auch noch farblich gestalten lassen“, erklärt Jürgen Konratt, Geschäftsführer der Zerbster Stadtwerke.

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Strom und Parken kostenlos

Die Nutzung soll erst einmal kostenlos sein. Fahrrad-Akkus können einfach in Fächer gestellt werden, die wie in der Schwimmhalle gegen einen kleinen Pfand verschließbar sind. Für Autos werden zwei Stellplätze an der Säule gekennzeichnet, dann einfach Auto anschließen und laden lassen. Die Säulen haben 22 kW, pro Stecker wird also mit 11 kW geladen. Je nach Fahrzeug und Batterie rechnen die Anbieter der Stadt mit einer Ladezeit von zwei bis fünf Stunden, bei Fahrrädern etwa ein bis zwei Stunden.

Angst haben bräuchte man keine, dass der Ladevorgang zwischendurch unterbrochen würde. „Das kann man nur vom Auto aus machen“, erklärt Sven Hebestreit, stellvertretender technischer Leiter bei der Stromversorgung der Stadtwerke.

Weitere Säulen folgen

„Und dann schauen wir einmal, wie es so anläuft. Aus den Erfahrungen und dem Nutzungsverhalten wollen wir dann lernen und wahrscheinlich innerhalb des nächsten Jahres zwei weitere Säulen setzen, in die dann die Erfahrungen einfließen sollen“, erklärt Jürgen Konratt. Eine Doppelsäule für Auto und Fahrrad kostet etwa 15.000 bis 20.000 Euro, wovon 40 Prozent vom Land gefördert werden.

Um das Angebot attraktiv für Nutzer zu gestalten, wird nicht nur der Strom kostenlos angeboten, sondern auch das Parken. „So lang durch das Kabel erkennbar ist, dass das Auto tankt, ist kein Ticket nötig“, erklärt Dittmann. Deshalb habe man sich unter anderem auch bewusst für die beiden Standorte entschieden. Beide Orte haben Platz, in der Schloßfreiheit werden zwei zusätzliche Parkplätze dafür geschaffen.

Setzt sich die E-Mobilität durch, sind die Säulen zukunftssicher. Es ist kein Problem, ein nachträgliches Zahlsystem zu installieren.

Stadt hat erstes Auto bestellt

Die Stadtverwaltung geht schon einmal mit gutem Vorbild voran: Das erste E-Auto ist schon bestellt, die „Tankstelle“ dazu wird gerade gebaut. „Wir haben bemerkt, dass es der E-Mobilität noch etwas an Akzeptanz fehlt und wollen deshalb bei uns selbst anfangen, diese zu erhöhen, in dem wir es selbst nutzen. Gerade in der Verwaltungsarbeit haben wir kein Streckenproblem. Die Reichweiten dürften ausreichen“, informiert Bürgermeister Andreas Dittmann. Schon in der Festschrift zur 25-jährigen Stadtentwicklung war von Elektromobilität zu lesen, jetzt machen Zerbst und die Stadtwerke ernst. „So etwas gehört einfach zur zukunftsfähigen Infrastruktur“, meint Dittmann.