Fakten zur Ferngasleitung

Die Ferngasleitung 061 wurde 1963 erbaut.

Sie erstreckt sich über eine Länge von 74 Kilometern von der A 14 bei Neugattersleben bis Trajuhn. Davon führen 14,5 Kilomter durch den Landkreis Anhalt-Bitterfeld, 21,5 Kilomter durch den Salzlandkreis, zirka 11 Kilometer durch die Stadt Dessau-Roßlau und etwa 27 Kilometer durch die Lutherstadt Wittenberg.

Bereits in den Vorjahren wurden punktuell mehrere Teilstücke erneuert – zwischen Neugattersleben und Leps. In diesem Abschnitt werden im Rahmen des Bauvorhabens nur noch die Gewässerkreuzungen mit der Bode, der Saale und der Elbe erneuert.

Leps l Noch ist wenig zu sehen an den 14,5 Kilometern, die die FGL 061 durch Anhalt-Bitterfeld verläuft. Die Ingenieure haben den Baugrund untersucht, in dem 2018 die neuen Leitungen versenkt werden. Im Moment sind Umweltfachleute unterwegs. Sie suchen das Gebiet nach schützenswerten Tieren und Pflanzen ab und tragen die Fundorte auf Karten ein.

„Es ist ein artenreiches Gebiet. Da wird es sicher einiges an Schutzmaßnahmen geben“, vermutet Susanne Beyer vom Ingenieurbüro Weishaupt.

Naturschutz ist Pflicht

Bei alledem ist aber noch kein einziger Kubikmeter Erde bewegt worden. Das wird erst im Herbst 2018 der Fall sein. Dann werden sich Erdwälle auftürmen und silberne Rohre über mehrere Hundert Meter durch die Landschaft schlängeln. Denn in diesem Abschnitt geht es nicht um technische Aufrüstung, sondern um die komplette Erneuerung der Leitung.

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Unter anderem sind die Rohre nicht durchgehend molchbar. Mit den gleichnamigen Tieren hat das wenig zu tun. Als Molch wird eine Messsonde bezeichnet, die – wie bei einer Rohrpost – bei laufendem Betrieb mit dem Gasstrom durch die Leitungen geführt wird.

Technische Sicherheit erhöht

Außerdem werden Armaturen eingesetzt, die aus der Leipziger Firmenzentrale ferngesteuert werden können. „Das minimiert die Reaktionszeit und erhöht die technische Sicherheit“, sagt Unternehmenssprecher Ralf Borschinsky. Die Kosten für das Vorhaben liegen nach Auskunft von Borschinsky im „deutlich zweistelligen Bereich“. Voraussetzung ist allerdings, dass die Planungsbehörde dem Bauvorhaben zustimmt. Die nötigen Unterlagen will die Ontras GmbH, deren Sitz in Leipzig ist, in diesem Herbst einreichen. Mit einem Jahr Bearbeitungszeit rechnen die Ingenieure.

Was sie genau erwartet, wenn die Arbeiten losgehen, steht trotz abgeschlossener Baugrunduntersuchung noch nicht endgültig fest. Bevor die Gräben für die Leitungen ausgehoben werden, müssen die Archäologen ran. Eines aber ist schon sicher: „Wir erwarten viel Grundwasser“, sagt Susanne Beyer. Das bedeutet: Während der Bauzeit muss der Bereich rund um den Rohrgraben durch Pumpen trocken gehalten wrden. Das Wasser soll – in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden – an anderer Stelle gereinigt wieder eingeleitet werden.

18 Meter lang und zwischen 40 und 50 Zentimeter stark im Durchmesser sind die Rohre, die die künftige Leitung bilden. Sie werden nicht einzeln in die Gräben gelegt, sondern auf freier Fläche zu teilweise mehreren Hundert Meter langen Schlangen verschweißt und anschließend in die Gräben abgesenkt.

Spezialisten schweißen Rohre

Spezialisten aus mehreren europäischen Ländern werden eigens dafür anreisen. Anschließend werden die Gräben mit Erde gefüllt. Mindestens einen Meter dick muss die Schicht sein. Kreuzt die Leitung Wege, Gewässer oder Bahngleise, müssen es mindestens 1,50 Meter sein. Die Flächen werden in Abstimmung mit den Eigentümern und Betreibern nach Abschluss der Arbeiten renaturiert

Die Ontra GmbH ist ein überregionaler Fernleitungsnetzbetreiber. Mit rund 7000 Kilometern Leitungslänge betreibt das Unternehmen Deutschlands zweitlängstes Ferngasnetz mit zirka 450 Netzkopplungspunkten. An das Ontras-Netz angeschlossen sind 22 Biogasanlagen, die jährlich rund 18 Prozent des deutschlandweit erzeugten Biogases einspeisen. Zudem speisen zwei Power-to-Gas-Anlagen Wasserstoff ins Netz des Fernleitungsnetzbetreibers.