Zerbst l „Wir wollen zeigen, wie schön Zerbst einmal war. Wie schön es jetzt noch ist und wie schön es noch wird“, sagt Doreen Schulze. Die Zerbsterin ist Mitglied und Admin in der Facebookgruppe „Zippel-Zerbster-Kinder“. Die Gruppe gibt es in dem sozialen Netzwerk seit März 2018 und zählt aktuell 587 Mitglieder.

Und diese 587 sind gewissermaßen handverlesen, denn längst nicht jeder darf in die geschlossene Gruppe eintreten. Jutta Reimann, ebenfalls einer der Admins, erklärt: „Ohne vernünftiges Profilfoto nehmen wir keinen als Mitglied auf. Außerdem muss auch eine Verbindung zu Zerbst bestehen, sonst haben die auch nicht viel in der Gruppe verloren.“ Ein weiterer der fünf Admins, Steffen Reuter, ergänzt: „Wir könnten viel mehr Mitglieder in der Gruppe haben, aber darauf kommt es uns ja gar nicht an. Wir wollen Leute, die auch zu uns passen und sich für Zerbst interessieren beziehungsweise eine Verbindung zur Stadt haben.“

Mitglieder aus ganz Deutschland

Mit der Gruppe wolle man auch Weggezogenen die Möglichkeit bieten, weiterhin über die Geschehnisse in der Stadt Zerbst informiert zu sein. Weiterhin die Heimat im Auge zu behalten. Das erklärt auch, warum längst nicht alle Gruppenmitglieder auch aktuell in Zerbst wohnen. Facebook-Nutzer aus ganz Deutschland und sogar aus den Vereinigten Staaten von Amerika sind Mitglied. Die vernetzte Welt macht es möglich.

Bilder

Was die Gruppe von vielen anderen abhebt, ist der Punkt, dass sich die Mitglieder nicht nur auf die „digitale Welt“ beschränken. So gab es inzwischen schon zwei große Gruppentreffen. Eines im vorigen Jahr und eines erst am Sonnabend (11. Mai). Da haben sich rund 40 „Zippel-Zerbster“ in Loburg getroffen und die Burg besichtigt sowie die Kaffeekannenausstellung des Vereins „Loburger Weg“ besucht.

Zerbst im Wandel der Zeit

Zudem verabreden sich einzelne Mitglieder auch immer wieder spontan zu kleineren Treffen, um gemeinsam Kaffee zu trinken und sich zu unterhalten. Und so manches Gruppenmitglied trägt sogar stolz das Logo der Gruppe als Aufkleber am Auto. „Rund 100 Stück sind davon in ganz Deutschland im Umlauf“, sagt Jutta Reimann.

Aber natürlich kommt der Austausch via Facebook auch nicht zu kurz. Scrollt man durch die Beiträge, so wird sofort klar: Ja, hier ist die Stadt Zerbst das dominierende Thema. So wurden beispielsweise zahlreiche Bilder der Stadt aus den unterschiedlichsten Zeitepochen gepostet. Hier ein Bild aus den 70ern, da eine Fotografie aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, Aufnahmen aus dem Jahr 1910 und natürlich auch eine Vielzahl an aktuellen Stadt-Fotografien – gewissermaßen Zerbst im Wandel der Zeit.

Zeitgeschehen im Blick

Außerdem dokumentieren die „Zippel-Zerbster-Kinder“, was in ihrer Stadt derzeit geschieht. Wie sie sich verändert. Es wird über Baumaßnahmen diskutiert, Veranstaltungen wie das Spargelfest werden ausgewertet und ab und an stellen die Mitglieder das Wissen der anderen auf die Probe. Dann wird beispielsweise der Schriftzug, der an einem Gebäude steht, gepostet und gefragt: „An welchem Haus der Stadt steht dies geschrieben?“ Oder es wird darüber diskutiert, was das Stufengestell am Busbahnhof symbolisieren soll. Während ein Nutzer meint „Das soll wohl Kunst sein“ meint ein anderer „Da war bestimmt noch Geld über, das weg musste“.

Alles in allem sind die „Zippel-Zerbster-Kinder“ also eine Gemeinschaft, die sehr an ihrer Heimatstadt und das Leben in dieser interessiert ist. Freundliche Gespräche und Grüße zu Feiertagen gehören genauso dazu wie das Fachsimpeln über die Stadtgeschichte. Dabei ist es ganz egal, ob sie noch da wohnen oder vielleicht schon in den USA oder anderen Teilen der Welt leben – Hauptsache, man ist der Stadt verbunden.