Zerbst l  Bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter müssen die Unternehmen alle Möglichkeiten ausschöpfen. Das zeigt das Beispiel der Mechanischen Werkstatt Enke in Zerbst.

„Es ist schwierig, Personal zu finden“, sagt Mirko Enke. „2030 werden wir wohl mindestens ein Drittel weniger Mitarbeiter als heute haben“, prophezeit der Geschäftsführer der Mechanischen Werkstatt Enke. Das mittelständische Zerbster Metallverarbeitungsunternehmen kämpft mit dem Mangel an geeigneten Fachkräften und Lehrlingen.

Momentan beschäftigt der Betrieb 45 Frauen und Männer – darunter befinden sich nur noch vier Auszubildende. „Die Tendenz ist fallend“, beschreibt Enke die schwierige Suche nach Nachwuchs. Neben der drastisch gesunkenen Anzahl an Bewerbern brächten viele einfach nicht die notwendigen Voraussetzungen mit. Längst habe das Unternehmen seine Anforderungen heruntergeschraubt. „Ich gehe davon aus, dass die Lehrlingsausbildung bei uns in fünf Jahren tot ist“, findet der Geschäftsführer klare Worte.

Das war nicht immer so. Die IHK-Auszeichnung als „Top-Ausbildungsbetrieb“ 2011 und 2013 ist ein Beleg für bessere Zeiten des seit 1990 bestehenden Unternehmens. „Um das Jahr 2000 haben wir mit der Ausbildung angefangen“, blickt Enke zurück. Bis zu zwölf Lehrlinge drückten gleichzeitig die Schulbank.

Immer weniger Bewerber für eine Lehre

Um ihnen das praktische und theoretische Wissen beizubringen, konnte die Firma auf zwei ehemalige Berufsschullehrer zurückgreifen. Inzwischen sind die langjährigen Unruheständler beide über 70. Seit 2018 kooperiert das Unternehmen deshalb bei der Lehrlingsausbildung mit der EMAG Zerbst Maschinenfabrik (frühere Wema).

Bislang hätten mehr als 60 junge Menschen bei ihnen den Beruf des Zerspanungsmechanikers erlernt, erzählt Mirko Enke. Bis auf wenige Ausnahmen seien alle übernommen worden. Dennoch konnte nur ein Drittel von ihnen auf Dauer gehalten werden.

Momentan befänden sich die Bewerberzahlen im freien Fall befinden, so der Geschäftsführer. Aus diesem Grund seien sie wieder auf die „Erwachsenenausbildung“ umgeschwenkt. Darin hat das Unternehmen bereits Erfahrung. Kurz nach der Wende wurden Langzeitarbeitslose umgeschult, später gelernte Zerspaner aus der sich abflauenden Baubranche zurückgeholt.

Inzwischen werden andere Möglichkeiten ausgeschöpft: die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte. Mittlerweile gehören ein Pole und ein Slowake zur Belegschaft, erzählt Enke. Und dennoch: Personal aus den osteuropäischen EU-Ländern zu rekrutieren, laufe eher gegen Null, schränkt er ein. Ähnlich schaut es bei den Flüchtlingen aus. Den einen Bewerber, den er bis jetzt hatte, vermittelte er als überqualifiziert an eine Universität weiter.

Zu den neuen Mitarbeitern der Firma zählt seit 1. November Fabian Burow. Der Konstruktionsmechaniker arbeitete beim Akener Didier-Werk, das schon zu DDR-Zeiten feuerfeste Steine für die Stahlindustrie produzierte, vor gut einem Jahr allerdings schließen musste.

Von den 82 damals noch beschäftigten Angestellten traten 81 in die gegründete Transfergesellschaft ein. Über die Hälfte befindet sich mittlerweile wie Fabian Burow in einem neuem Arbeitsverhältnis, wie Christoph Meunier-Götz vom Träger der Transfergesellschaft, der Bonner Wirtschafts Akademie GmbH (BWA), erzählt.

Über eine der drei Bewerberbörsen, die von der Arbeitsagentur und der BWA initiiert wurden, entstand der persönliche Kontakt zu Mirko Enke. Ein einmonatiges Praktikum folgte, das schließlich nach einer kurzen Umschulungsmaßnahme in die Festanstellung mündete.

Die Ausbildung zum Zerspaner ist für den 33-jährigen gebürtigen Zerbster damit jedoch längst nicht abgeschlossen. Im Gegenteil. Das CNC-Schleifen gilt es als Nächstes zu erlernen, möglich ist das nur im sächsischen Zwickau, wie Enke schildert. „Für uns ist seine Qualifizierung sehr kostenintensiv“, bemerkt er. Um Firmen in solchen Fällen zu unterstützen, gibt es Förderangebote über das Arbeitsamt, die derzeit geprüft werden.

Rückkehrertag als Plattform zur Rekrutierung

Bleibt trotzdem der Bedarf an weiteren Fachkräften. Um diese zu finden, hat sich die Firma Enke erstmals am Rückkehrertag beteiligt, der Ende Dezember zum zweiten Mal unter dem Motto „Job & Chancen“ in Zerbst stattfand. Die geführten Gespräche waren erfolgreich. Zwei neue Mitarbeiter konnten angeworben werden.

Und noch einen Pool zur Personalrekrutierung hat Mirko Enke im Blick. Nun, 30 Jahre nach der Wende, gehen nicht wenige Firmengründer, die Anfang der Neunziger den Schritt in die Selbstständigkeit wagten, in Rente. Da sich mitunter kein Nachfolger findet, bedeutet das eventuell das Aus des Unternehmens, was wiederum Fachkräfte für den Arbeitsmarkt freisetzt.