Zerbst l Eine Ära geht zu Ende. Das mag vielleicht pathetisch klingen, doch es gibt wohl kaum einen Zerbster, der „Eisenwaren Edwin Sperling“ auf der Breite nicht kennt. Das Geschäft gehört seit Jahrzehnten zur Nuthestadt, wie unter anderem Uhren-Klitsch gleich nebenan, die Traditions- und Holzofenbäckerei Handrich schräg gegenüber oder die Buchhandlung Gast in der Fritz-Brandt-Straße.

Die inhabergeführten Läden mit teilweise langer Tradition in den Innenstädten werden immer weniger. Nicht nur der Onlinehandel macht den Geschäftsleuten zu schaffen. Auch der Kampf um die niedrigsten Preise ist härter geworden, denn auch immer mehr Handelsketten drängen in die Stadtzentren. Beides hat die Sperlings nicht unterkriegen können. In welchen großen Märkten findet man schon Mitarbeiter, die dem Kunden noch fünf Schrauben in ein Tütchen zählen?

Der Handel mit Eisenwaren hat übrigens eine lange Tradition. Um 1200 v. Chr. begann man Eisen zu bearbeiten und so mit Waffen, Werkzeugen und Geräten aus Eisen zu handeln. Zumindest in Zerbst geht diese Tradition nun zu Ende – von den Baumärkte abgesehen. Ein vergleichbares Geschäft gibt es in Zerbst nicht.

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Gemeinsam Ruhestand genießen

„Einmal muss Schluss sein. Meine Frau Gerda und ich werden im kommenden Jahr 80 Jahre alt. Wir sind ein Jahrgang“, sagt Edwin Sperling mit zitternder Stimme und traurigem Blick. Und das habe auch nichts mit der Corona-Pandemie zu tun. „Wir wollen die uns verbleibenden Jahre noch gemeinsam genießen“, betonen die Eheleute. Die Entscheidung, den Laden zu schließen, sei bereits im vergangenen Jahr getroffen worden.

Mit Stolz blicken er und seine Frau auf die vielen Jahre und das, was sie geschaffen haben, zurück. Besonders stolz sind die Sperlings darauf, dass sie weder eine GmbH, eine OHG oder eine andere Gesellschaft waren, gegründet haben oder mussten. „Das alles haben wir mit harter Arbeit und als Einzelunternehmer geschaffen“, blicken Edwin und Gerda Sperling zurück.

Am 1. September 1980 öffnete Eisenwaren Sperling seine Türen. „Damals haben wir mit 90 Quadratmetern Verkaufsfläche angefangen. Das ist jetzt fast genau 40 Jahre her“, schildert der Geschäftsmann. Viele seien der Meinung, dass er und seine Frau den Laden damals von Familie Büttner übernommen hätten. „Das ist nicht so. Als wir den Laden 1980 völlig eigenständig gegründet und eröffnet haben, war das Geschäft bereits seit zwei Jahren geschlossen“, erläutert Edwin Sperling.

Mehrfach Laden erweitert

Mehrere Male haben sie umgebaut und die Verkaufsfläche vergrößert, auf jetzt mehr als das Zwanzigfache. „1991 haben wir das erste Mal umgebaut und erweitert, damals auf rund 700 Quadratmeter. 1996 haben wir dann das Nachbargrundstück gekauft, saniert, umgebaut und die Parkflächen auf dem Innenhof geschaffen“, sagt Edwin Sperling. 1998 sei ein weiterer Erweiterungsbau dazu gekommen. „Damit ist die Verkaufsfläche auf die jetzige Größe von etwas mehr als 2000 Quadratmeter gewachsen“, blickt der Geschäftsmann heute auf die vergangenen 40 Jahre zurück.

Es gebe sowohl Privat- als auch Geschäftskunden, die würden ebenso lange bei ihm einkaufen, wie auch der Laden besteht – nämlich 40 Jahre. „Meine Frau und ich sind unserer Kundschaft und unseren Geschäftspartnern sehr dankbar, dass sie uns über so viele Jahre die Treue gehalten haben“, sind sich beide einig.

Und vom ersten Tag an immer an seiner Seite, seine Frau Gerda. „Meine längste Mitarbeiterin“, scherzt Edwin Sperling und ergänzt: „Manchmal denke ich schon darüber nach, wie man das in all den Jahren geschafft hat. Zu Zweit ist eben vieles leichter“, sagt Sperling nicht ohne Wehmut. Auch die Töchter Anett und Carola seien an der Seite der Eltern über viele Jahre eine Stütze im Geschäft gewesen.

„Aber auch auf unsere Mitarbeiter haben wir uns immer verlassen können. Einige sind seit mehr als 25 Jahren bei uns beschäftigt“, so Sperling. Außerdem habe er in den vielen Jahren insgesamt 14 Azubis ausgebildet. „Das schafft auch nicht jede Firma“, betont Edwin Sperling stolz.

Haus und Laden verkauft

Und was wird jetzt aus dem Traditionsgeschäft Eisenwaren Edwin Sperling? „Das Haus und der Laden sind verkauft und bleiben auch weitestgehend in der Familie“, sagt Edwin Sperling. Was aber dann später in den Räumen der Sperlings einziehen wird, ist noch unklar. Eines sei aber sicher, es werde etwas Branchenfremdes sein. Es habe Tendenzen gegeben, dass es mit dem Sortiment wieder in die jetzige Richtung geht, doch damit wäre er nicht wirklich glücklich gewesen, erzählt Edwin Sperling.

„Es fällt mir schwer, daran zu denken und erst recht, darüber zu reden, dass jetzt endgültig Schluss ist. Doch nun wird es ernst. Wir beginnen übermorgen, also am Donnerstag, mit dem Räumungsverkauf“, so Sperling. Angesetzt sei dieser erst einmal bis zum 20. Juni. Wann die Tür dann endgültig ins Schloss fällt, hänge vom Verlauf des Ausverkaufes ab.