Zerbst l „Bei uns dreht sich alles ums Glas“, erklärt Mathias Schmidt. Er leitet die Zerbster Niederlassung von Semcoglas, einem inhabergeführten Unternehmen mit 18 Standorten in ganz Deutschland. „Wir sind einer der modernsten Flachglasveredler“, verweist er auf die individuellen Produkte und die drei Fertigungsstraßen am hiesigen Standort.

Knapp 70 Mitarbeiter

Die Glasherstellung erfolgt weitestgehend automatisch, aber eben nicht vollständig. „Wir haben knapp 70 Mitarbeiter“, sagt Mathias Schmidt. Sechs Auszubildende gibt es momentan, die Mehrzahl allerdings im kaufmännischen Bereich. „Da können wir uns vor Bewerbungen nicht retten“, schildert er.

Nur zwei Jugendliche hingegen absolvieren derzeit die dreijährige Lehre zum Flachglastechnologen (vorher Flachglasmechaniker). Dabei ist der Bedarf weitaus höher. „2017 und 2018 haben wir jeweils einen Auszubildenden eingestellt, wir könnten aber das Doppelte oder Dreifache gebrauchen“, bedauert der Niederlassungsleiter, dass die Bewerbungen gegen Null gehen.

Kennenlernen vor Ort

Aus diesem Grund begrüßt Mathias Schmidt die „Ferientage in Unternehmen“, die die Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (EWG) Anhalt-Bitterfeld gemeinsam mit der Arbeitsagentur nun erneut initiiert. „Vor fünf Jahren haben wir begonnen“, spricht EWG-Projektleiter Stephan Spehr von einem Erfolg. Jedes Jahr würden sich mehr Firmen an der Aktionswoche beteiligen. Jugendlichen der 7. bis 12. Klassen bieten sie in den Herbstferien – dieses Mal vom 8. bis zum 12. Oktober – die Gelegenheit, die vielfältigen Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten vor Ort kennenzulernen.

Hohe Abbruchquote

„Und sich über ihren Traumjob zu informieren, damit er nicht später zum Albtraum wird“, bemerkt Frank Jirschik. „Denn wir haben immer noch eine hohe Abbruchquote“, weiß der Teamleiter der Agentur für Arbeit Dessau-Roßlau-Wittenberg um das Nachwuchsproblem im Raum Zerbst. Fast ein Drittel der Ausbildungen werde nicht beendet. Deshalb plädiert er für eine frühzeitige Berufsorientierung. „Die Zeit des Ausprobierens ist wichtig. Nur so können Jugendliche erfahren, was hinter der jeweiligen Berufsbezeichnung steckt“, betont Jirschik.

111 sind registriert

Zumal es gegenwärtig mehr freie Lehrstellen gibt als Bewerber. Und die Auswahl ist breit gefächert. „Auf unserer Internetseite werden rund 90 Ausbildungsberufe angeboten“, weist Stephan Spehr auf die Online-Präsenz hin. 111 Unternehmen aus dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld haben sich dort bereits registriert. Sie nutzen die Homepage, um Nachwuchs zu gewinnen, Ferienjobs anzubieten oder Termine anzukündigen, wie eben die Teilnahme an den „Ferientagen in Unternehmen“. „Knapp die Hälfte öffnet in den Herbstferien ihre Tore“, freut sich Spehr.

Zugleich hofft der EWG-Projektleiter, dass das Angebot rege genutzt wird. Um möglichst viele Jugendliche mit der Ferientage-Aktion zu erreichen, „sind wir jetzt auch auf Facebook und Instagram verteten“, erklärt er. Denn bislang würden die Schülerzahlen leider stagnieren.

Hinzu kommt, dass es oft Anmeldungen gibt, die nicht wahrgenommen werden. „Das kommt immer wieder vor“, bedauert er. Diese Erfahrung musste auch Mathias Schmidt bereits machen. „Im vergangenen Jahr hatten sich zwei Interessenten angemeldet, die letztlich jedoch nicht erschienen. Unentschuldigt. Das ist schade“, sagt er.

Keine Angst vor Technik

Ansonsten seien es immer ein bis zwei Jugendliche, die die Chance nutzen würden, bei einer Führung zu erfahren, was zu den Aufgaben eines Flachglastechnologen gehört und welche Anforderungen der Beruf stellt. Mathematisches Verständnis und eine vernünftige körperliche Verfassung nennt Mathias Schmidt ebenso als Voraussetzung wie abstraktes Denken und keine Angst vor Technik.

Wer diese Kriterien erfüllt und die Ausbildung erfolgreich abschließt, kann mit einer Übernahmegarantie rechnen. Denn: „Wir bilden nur für den eigenen Bedarf aus“, erklärt der Niederlassungsleiter.

Bis zum 29. September können sich interessierte Schüler im Internet für die Termine in den einzelnen Firmen anmelden.