Zerbst l Am frühen Mittwochmorgen werden die Zerbster Feuerwehrkameraden unsanft aus dem Schlaf gerissen. In der Fritz-Brandt-Straße brennt der Dachstuhl eines kleinen Eiscafés. Mehr als drei Stunden wird der Einsatz am Ende dauern. Anne Kauert ist den Tränen nah. Sie muss hilflos mit ansehen, wie ihr Eiscafé ein Raub der Flammen wird. Als sie von dem Feuer hört, eilt sie sofort zu ihrem Geschäft, doch außer fassungslos zusehen, wie die Einsatzkräfte um das kleine Café kämpfen, kann sie nichts tun. Kurz nach 1 Uhr am Mittwochmorgen kommt eine Passantin von einem Freund und ist auf dem Weg nach Hause, als sie plötzlich Qualm zwischen den Dachziegeln des kleinen Eiscafés in der Fritz-Brand-Straße quellen sieht. „Ich habe sofort die Feuerwehr gerufen“, erzählt sie aufgeregt. Hinter dem Haus habe eine Tür offen gestanden, jemanden entdecken konnte sie jedoch nicht.

Schwieriges Löschen

Um 1.13 Uhr ertönt bei der Zerbster Feuerwehr der Alarm: Dachstuhlbrand, Fritz-Brand-Straße, steht in der Meldung. „Es war schon ein wenig beängstigend. Ich habe dann die Feuerwehrkameraden einen nach dem anderen hier vorbei in Richtung Wache eilen sehen“, schildert die junge Frau, die das Feuer entdeckt hat und an der Einsatzstelle auf Polizei und Feuerwehr wartet. Nur Minuten nach der Alarmierung sind Polizei und Einsatzkräfte am Brandort. Jetzt heißt es retten, was zu noch zu retten ist. Jeder Handgriff sitzt. Doch der Brandherd bereitet den Kameraden Kopfzerbrechen. „Unter dem Dach ist es eng und heiß“, sagt Einsatzleiter Steffen Schneider. Lange würden es die Einsatzkräfte dort oben nicht aushalten können. „Ein weiteres Problem ist der heiße Wasserdampf, der durch das Löschwasser entsteht“, so Schneider.

Fassungslosigkeit und Zukunftssorgen

Der Wasserdampf an sich sei beim Löschen nichts ungewöhnliches, „doch in diesem engen Raum konzentrierte sich der heiße Wasserdampf und konnte auch nirgends entweichen. Das war eine neue Erfahrung für uns“, erläutert Steffen Schneider. So müssen dann auch die Kameraden aus dem Inneren des brennenden Gebäudes abgezogen werden. „Jetzt versuchen die Einsatzkräfte die Flammen von außen zu bekämpfen. Dazu werden Fenster und Teile des Daches geöffnet“, erklärt der Einsatzleiter. Dann können die Flammen ungehindert meterhoch nach außen schlagen.

Bilder

„Ich weiß gar nicht, wie es weiter gehen soll“, sagt Anne Kauert leise, während sie die Löscharbeiten beobachtet. Im März vergangenen Jahres hat die Leitzkauerin, die jetzt in Zerbst wohnt, das kleine Café übernommen. „Gerade jetzt, mitten in der Hauptsaison – im Sommer. Bis die Schäden beseitigt sind und alles wieder hergerichtet ist, werden Wochen vergehen“, macht sie sich Sorgen um die Zukunft und fragt: „Wer macht so etwas?“ Das ist eine Frage, die auch Polizei und Brandursachenermittler in den nächsten Tagen beschäftigen wird. Fakt ist: Die Hintertür des Cafés ist aufgebrochen worden. Ob der oder die Täter mit dem Feuer Spuren verwischen wollten oder den Brand aus Wut gelegt haben, weil sie nicht genug Beute vorgefunden haben, bleibt vorerst Spekulation – ist aber die naheliegendste Erklärung für das verheerende Feuer. Der Schaden jedenfalls ist enorm. Er geht wohl in die Zehntausende Euro.

Wohl eher kein Zufall

Das ausgerechnet während oder nach einem Einbruch ein technischer Defekt einen Brand auslöst, halten alle Beteiligten an der Einsatzstelle für weniger realistisch. Klären müssen das jetzt die Kriminalpolizei und die Brandermittler. Das ausgebrannte Eiscafé wurde von der Polizei vorläufig beschlagnahmt. Gegen 2.30 Uhr ist das Feuer schließlich gelöscht. „Wir werden das Gebäude jetzt noch einmal nach eventuell versteckten Glutnestern absuchen“, sagt Steffen Schneider. Kurz nach 4 Uhr kann die Feuerwehr dann abrücken.

Insgesamt sind 20 Kameraden an diesem Löscheinsatz beteiligt. Am Morgen nach dem Feuer sind Kriminalpolizei und Brandursachenermittler am Brandort. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.