Steutz/Zerbst l Mit dem Löschfahrzeug waren sieben der aktiven Kameraden der Steutzer Ortsfeuerwehr zur Stadtratssitzung angerückt. Mit ihrer Anwesenheit wollten sie noch einmal auf eine baldige Lösung für die äußerst beengte Situation in ihrem Gerätehaus hinweisen.

Nicht nur, dass sich die gut 30 Einsatzkräfte unmittelbar hinter den Fahrzeugen umziehen müssen. Wie Ortswehrmitglied Florian Richter den Kommunalpolitikern verdeutlichte, stehen den 22 Kindern und Jugendlichen der Nachwuchsabteilung in einem verschlagartigen Bereich nur acht Quadratermeter fürs Umkleiden zur Verfügung.

Bereits 2014 hat die Feuerwehrunfallkasse Mitte diese gravierenden Mängel und Sicherheitsrisiken kritisiert. In der Risikoanalyse und Brandschutzbedarfsplanung der Stadt Zerbst spiegelt sich dies darin wider, dass das Steutzer Gerätehaus der Kategorie 3 zugeordnet ist. Diese umfasst jene Objekte, die um- oder ausgebaut werden müssten beziehungsweise in denen Neu- oder Anbauten notwendig sind.

Aktuelle Situation ist untragbar

So heißt es in der im März beschlossenen 2. Fortschreibung des Dokuments, dass der Raumbedarf für den reinen Umkleidebereich bei 60 Kameraden rund 75 Quadratmeter betrage. „Diese Maßnahme sollte im Jahr 2022 umgesetzt werden“, steht im Papier.

„Die aktuelle Situation ist untragbar“, konstatierte Denis Barycza (Freie Fraktion Zerbst, FFZ) bereits auf der Novembersitzung des Stadtrates. Den Kameraden sei nicht mehr glaubhaft zu erklären, warum diese erheblichen Mängel bislang nicht behoben wurden und sich nicht mehr in der Investitionsplanung wiederfinden.

„Wir haben bislang in der Einheitsgemeinde nicht ein Gerätehaus, das den geforderten Normen entspricht“, betonte der Stadtwehrleiter. Er reichte aus dem Grund den Antrag der FFZ-Fraktion ein, die Steutzer Maßnahme wieder für 2022 aufzunehmen. Sie könnte durch Rücklagen oder durch Überschüsse im Haushaltsplan finanziert werden.

Zwei Lösungsvarianten liegen vor

Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) erklärte damals, dass ihm die bisherige Kalkulation nicht ausreichend sei und das Projekt erst eingearbeitet werde, wenn vernünftige Planungsunterlagen vorliegen. „Nach meinem Kenntnisstand liegt diese vor“, wandte Barycza ein. So gebe es die Möglichkeit einer baulichen Erweiterung und eine Containerlösung.

Diese Varianten sind das Ergebnis einer im September erfolgten Untersuchung der Verwaltung, wie das Raumproblem gelöst werden könnte. In der Summe unterscheiden sich beide kaum. „Wir reden von 230.000 bis 270.000 Euro bei einer voraussichtlich maximalen Förderung von 15 000 Euro“, erläuterte Dittmann gegenüber der Volksstimme. Die Differenz müsse die Stadt finanzieren. „Der Preisunterschied zwischen einer festen Bauweise und einer Containerlösung ist dabei leider fast zu vernachlässigen. Darum hatte die Hochbauverwaltung von mir den Auftrag, Alternativen zu prüfen“, ergänzte er.

Zugleich wies der Bürgermeister darauf hin, dass der Investitionsplan ausgeglichen sein muss. Würde das Steutzer Gerätehaus aufgenommen werden, müssten stattdessen andere Maßnahmen gestrichen werden. Rücklagen dürften hierfür nicht eingesetzt werden. „Das ist haushaltsrechtlich nicht zulässig“, so Dittmann.

Stadtrat fasst Protokollbeschluss

Angesicht der aktuellem Diskussionen in der Landesregierung um eine Veränderung der Investitionsförderung würden sich ohnehin massive Risiken für die folgenden Haushaltsjahre ergeben. „Wirklich belastbar sind nur die für das Jahr 2020 veranschlagten Investitionen“, erklärte er. Es sei absehbar, dass der Stadtrat im nächsten Jahr vor der Aufgabe stehen werde, Prioritäten zu setzen.

Daneben erinnerte Dittmann daran, dass die Stadt hohe Summen in ihre freiwilligen Feuerwehren investiere – in Technik und Gebäude. Zumal eine Vielzahl der Mängel schon vor der Gemeindegebietsreform bestanden. „Was bis 2010 in 20 Jahren Eigenverantwortung nicht geschafft wurde, ist eben nicht in zehn Jahren Gemeinsamkeit mit der Stadt Zerbst aufzuholen, auch das gehört zur Realität“, betonte er.

Um ein Signal zu setzen, empfahl Dittmann einen Protokollbeschluss, der auf die Aufnahme des Steutzer Gerätehauses in die Haushaltsplanung für 2022 abzielt. Der Haupt- und Finanzausschuss befürwortete den Vorschlag, mit dem auch die FFZ mitgehen konnte.

Bauauschuss soll sich eigenes Bild machen

„Wir ziehen unseren Antrag zurück“, erklärte der Fraktionsvorsitzende Mario Rudolf auf der aktuellen Sitzung des Stadtrates. Zwar sei ihnen das Thema sehr wichtig, doch sie wollten keine Konfrontation, sondern vielmehr eine Lösung finden. Deshalb regte er an, dass sich der Bauausschuss einmal ein persönliches Bild von der Situation vor Ort machen sollte, so wie es die FFZ-Fraktion bereits getan hat.

Mit der Verabschiedung der Haushaltssatzung für 2020 hat der Stradtrat am Ende auch dem Protokollbeschluss zugestimmt.