Lindau l Nach der Schließung der Sparkassenfiliale in Lindau zum Monatsbeginn, fährt ein Bus des öffentlich-rechtlichen Geldinstituts einmal im Monat den Ort an. Dann können die Kunden an der rollenden Filiale ihre Bankgeschäfte erledigen.

Einmal, sagt der Lindauer Ortsbürgermeister Helmut Seidler, sei der Bus bereits in Lindau gewesen. Begeistert zeigt sich der Ortschef von dem Besuch des Geldmobils nicht. „Die Leute stehen draußen und warten“, hat er beobachtet. Mit Kundenservice und Komfort habe dies seiner Meinung nach sehr wenig zu tun, empfindet er.

Wer von den rund 700 Kunden der Lindauer Filiale nicht auf den Bus warten will, muss nach Zerbst aufbrechen. In der Stadt betreibt die Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld Filialen.

Seilder will Automaten

Nach der Schließung der Lindauer Sparkassenfiliale hatte Helmut Seidler den Rückbau von der Kreissparkasse gefordert. Er brauche kein weiteres Objekt im Zentrum des Ortes, welches leer stehe, sagte er. Eine andere Möglichkeit, schob er vergangene Woche nach, sei der Umbau der Filiale zu einem Automatenstandort. Er erinnerte dabei an eine ähnliche Auseinandersetzung im Jerichower Land. Dort, schilderte er, sollte in Leitzkau die Sparkassenfiliale schließen. Nach großem Protest der Bürger wurden dort Automaten eingebaut. „Das wünsche ich mir auch für Lindau“, sagte er.

Es dürfte nach Ansicht des Ortsbürgermeisters für die Kreissparkasse kein Problem sein, einige Automaten in der Filiale aufzubauen, damit die Kunden sie ortsnah nutzen können.

Auf offene Ohren stößt Helmut Seidler bei der Kreissparkasse mit seinem Vorschlag kaum. „Wir können Ihnen auf Ihre wiederholte Anfrage mitteilen, dass zur zukünftigen Verwendung der ehemaligen Lindauer Sparkassenfiliale noch keine finale Entscheidung getroffen wurde“, teilt der Pressesprecher der Kreissparkasse, Andreas Czaja mit.

In der Öffentlichkeit will sich das öffentlich-rechtlich organisierte Geldinstitut nicht weiter äußern: „Für weitere Presseanfragen zu diesem Thema stehen wir nicht zur Verfügung“, wird der Pressesprecher zudem deutlich.

Sparkasse muss die Bürger versorgen

Als öffentlich-rechtliches Institut steht bei der Sparkasse die Gewinnerzielungsabsicht nicht im Vordergrund. Nach dem Sparkassengesetz hat die Bank in Trägerschaft des Landkreises den Auftrag, in der Fläche präsent zu sein und die Bürger zu versorgen, erinnert Helmut Seidler.

Die Geschichte der Sparkassen ist in Deutschland mehr als 200 Jahre alt. In der Folge gingen viele Bürgersparkassen in die Trägerschaft von Kommunen über. In den vergangenen 200 Jahren haben die Sparkassen die Marktführerschaft bei der Zahl der Kunden erreicht. Das ist auch bei der Sparkasse Anhalt-Bitterfeld so.

Zu den privaten Geschäftsbanken gibt es allerdings einige Unterschiede. So sind die Sparkassen jeweils nur auf einem klar abgegrenzten Gebiet unterwegs. Bei der Sparkasse Anhalt-Bitterfeld entspricht das Marktgebiet den Grenzen des Landkreises. Als Träger fungiert der Landkreis. Der Kreistag stellt demnach aus seinen Reihen die Mitglieder für den Aufsichtsrat.

Das Gemeinnützigkeitsprinzip gilt

Im öffentlichen Interesse haben die Sparkassen ihr Gebiet mit geld- und kreditwirtschaftlichen Leistungen zu versorgen. Außerdem gilt für sie das Gemeinnützigkeitsprinzip. Sie fördern die Wissenschaft, die Kunst und Kultur in ihrer Region. Geschäftsziel ist zudem nicht ein maximierter Gewinn, sondern eine angemessene Gewinnerzielung, hat sich Helmut Seidler mit dem Thema tiefgründig befasst.

Er hat sich den jüngsten Jahresabschluss genau angesehen. Dass die Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld dort weniger Gewinn erwirtschaftete als noch ein Jahr zuvor, hatte er dort erfahren. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass in der Fläche die kleineren Filialen aufgegeben werden, warnte er.

Die Kreissparkasse sieht die Schließung der Lindauer Filiale dagegen als logische Konsequenz der Entwicklung. Immer mehr verlagert sich das Bankgeschäft in das Internet. Die Mitarbeiter in den Filialen werden von den Kunden für die Alltagsgeschäfte kaum noch benötigt, hat die Kreissparkasse analysiert. Die Zeit, in der die Menschen Zettel ausfüllen mussten, um Geld zu überweisen, gehören der Vergangenheit an. Vor allem die jüngere Zielgruppe erledigt die Bankgeschäfte heute am eigenen Computer. Zur Bank gehen müssen die Menschen nur noch, wenn sie Bargeld brauchen. Auf diese Entwicklung will auch die Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld reagieren.

Mobile Filiale für Dörfer

In regelmäßigen, wenn auch zeitlich größeren Abständen schickt die Spraksse zudem ihre mobile Filiale, den Sparkassenbus, über Land in die Dörfer. Sicherlich, sagt Helmut Seidler, gebe es heute mehr Nutzer der Internetplattformen der Banken im Netz. Allerdings werde die Bevölkerung auch immer älter. Die älteren Einwohner profitierten von der digitalen Revolution kaum, die wollten die Bank weiter vor Ort haben, fügt er hinzu. Außerdem seien nach der Kreisgebietsreform auch viele Kunden bei ihrer Sparkasse geblieben, obwohl sie nun im Jerichower Land wohnten, erinnert er. Sie müssten nun längere Wege in Kauf nehmen.

„Viele Leute haben mich angesprochen und gesagt, ich soll nicht aufgeben“, sagt Helmut Seidler. Die Menschen, hat er in vielen Gesprächen immer wieder erfahren, wünschen sich die Sparkasse vor Ort. Das sei ja gerade die Stärke der Sparkasse gewesen, dass sie vor Ort präsent sei, macht er deutlich. Er wolle weiter versuchen mit der Sparkasse ins Gespräch zu kommen, kündigt er an.

Lokalpolitik soll reagieren

Vor allem sieht er auch die Lokalpolitik aufgefordert, zu reagieren. Die Aufwertung der ländlichen Region werde immer wieder als Ziel ins Spiel gebracht. Wenn sich im ländlichen Raum die großen und vor allem kommunalen Unternehmen zurückziehen, werden die Orte noch unattraktiver.