Zerbst l Was in einigen Ländern Asiens schon seit längerem gang und gebe ist, ist hierzulande noch eher eine Randerscheinung. Die Rede ist von Insekten zum Essen. Ob Heuschrecken oder Proteinriegel mit Würmern, auf dem deutschen Markt gibt es einige jüngst gegründete Unternehmen (sogenannte Start-ups), die diese anbieten.

Seit vielen Jahren beschäftigen sich Lebensmittelexperten mit dem Thema Insekten. Aufgrund der stark wachsenden Weltbevölkerung und der damit verbundenen Nachfrage nach Lebensmitteln meinen nicht wenige Wissenschaftler, die Lösung läge in den Insekten. Denn diese sind in ausreichender Zahl vorhanden, können schnell „produziert“ werden und sind zudem nährstoffreich. Aus diesen Gründen versuchen auch immer mehr Unternehmen, diesen womöglich aufkommenden Markt zu erschließen.

Kaum rentiert, wieder aus Sortiment raus

In Zerbst scheint dieses Thema allerdings noch nicht angekommen zu sein. Auf Spurensuche in den Läden der Stadt gibt es kaum Hinweise auf Insekten zum Essen.

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Im ersten Laden, eine große Supermarktkette in der Innenstadt, hieß es zu dem neugierigen Reporter bloß: „Die liegen bei den Besen und Bürste im Gang hinter der Zahnpasta.“ Allerdings lagen dort nur Fallen für Lebensmittelmotten und andere Insektentöter. Andere Insektenprodukte: Fehlanzeige. Es habe wohl schon einmal diese Lebensmittel gegeben, allerdings hätten sich diese nicht rentiert und wurden wieder aus dem Sortiment genommen.

Insekten aus Zoohandel essbar?

In der benachbarten Drogerie konnte sich die Verkäuferin das Grinsen nicht verkneifen. Auch hier gibt es keine derartigen Dinge.

Im Einkaufsmarkt in der Coswiger Straße dann der erste Treffer: Zwar gibt es auch hier keine Insekten-Lollis, aber immerhin Mehlwürmer für Vögel. Der letzte Versuch: Ein Zoohandel in Zerbst. Dort gäbe es zwar eine große Auswahl an Insekten, wie eine Mitarbeiterin am Telefon bestätigte, allerdings seien diese eher für Tiere gedacht. Aber, die Qualität sei so gut, dass auch Menschen ohne Angst vor möglichen Krankheiten, diese zu sich nehmen könnten.

Insekten aus dem Garten auf eigene Gefahr

Wie die Verbraucherzentrale des Landes Sachsen-Anhalts kürzlich mitteilte, ist der Punkt mit den Krankheiten ein besonders wichtiger, da diese bei „selbst beschafften Insekten“ auftreten können. Heißt, wer Insekten aus seinem Garten isst, nimmt diese Gefahr in Kauf. Allerdings haben auch die getesteten Marken-Insektenprodukte nicht immer Recht mit ihren Werbeversprechen.

„Mehr als ein Drittel der überprüften Insektenprodukte trugen unzulässige nährwertbezogene Angaben. So wurden beispielsweise zahlreiche Produkte als „reich an Protein“ beworben, obwohl der gesetzlich vorgeschriebene Mindestgehalt an Eiweiß nicht enthalten war. Zudem seien bei fast 60 Prozent der überprüften Produkte nicht ersichtlich, ob die Speiseinsekten erhitzt oder anderweitig zur Keimabtötung behandelt wurden.

Mögliche allergische Reaktion

Und auch bei den Allergenen wurde oft getrickst. „Bei Allergikern gegen Schalen- und Krustentiere, Hausstaubmilben und Weichtiere kann der Verzehr von Speiseinsekten ebenfalls eine allergische Reaktion auslösen.

Derzeit muss dies nicht verpflichtend gekennzeichnet werden. Bei allen im Marktcheck untersuchten Lebensmitteln wurde auf eine mögliche allergische Reaktion bei bestehender Schalen- und Krustentierallergie hingewiesen. Dagegen fand sich lediglich bei 72 Prozent der Produkte ein entsprechender Hinweis für Hausstaubmilbenallergiker und nur knapp bei der Hälfte ein Hinweis für Weichtierallergiker“, heißt es von Seiten des Verbraucherschutzes weiter.

Am Ende erschließe sich der momentane Nutzen nicht unbedingt. Denn die Produkte enthielten oft einen sehr geringen Insektenanteil, aber teils viele süßende Zutaten oder viel Salz. Zudem seien sie mit durchschnittlich 43 Euro pro 100 Gramm sehr preisintensiv.