Zerbst l Als eine „Achterbahn der Gefühle“ charakterisierte Uwe Tschakert damals die letztlich geglückte Umsetzung eines aufregenden Vorhabens, das mehrfach zu scheitern drohte. Von einem „Abenteuer pur“ spricht der 53-Jährige heute, wenn er an das deutschlandweit erste Denkmal für die Katharina II. denkt, das im Zerbster Schlossgarten steht. Als junge Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst hat der russische Künstler Prof. Michail Perejaslawez die Zarin in Bronze gestaltet. 4,70 Meter hoch und 3050 Kilogramm schwer ist die Statue, die im Juli 2010 nach einem spannenden Krimi und vielen glücklichen Umständen endlich vor der Stadthalle enthüllt werden konnte.

2015 – anlässlich des fünfjährigen Jubiläums der Denkmaleinweihung – „haben wir überlegt, wer sich hierbei besonders verdient gemacht hatte“, erklärt Vorstandsmitglied Monika Friedrich. Sie erzählt vom Beschluss auf der Jahreshauptversammlung des Internationalen Fördervereins Katharina II. im April, Uwe Tschakert zum Ehrenmitglied zu ernennen. Gemeinsam mit Tatyana Nindel überreicht sie ihm gestern die entsprechende Urkunde. Mit ihm habe sich genau der Richtige für ein solches Projekt gefunden, findet die Vereinsvorsitzende, die selbst als Dolmetscherin involviert war.

Aus Sackgasse geholfen

„Man muss mit dem Herzen dabei sein und absolut Volldampf geben“, sagt Uwe Tschakert. Er berichtet von Wladimir Teslenko, der ihm von dem Katharina-Denkmal erzählte. „Das war fertig und er ist nicht weitergekommen.“ Der 53-Jährige beschloss, seinem Freund aus der Sackgasse herauszuhelfen. Endlich schien das Ziel zum Greifen nah, dass Zerbst eine Statue der russischen Zarin mit den anhaltischen Wurzeln erhält. Und das sogar geschenkt, „aber die Stadt lehnt es ab“. Das konnte Uwe Tschakert nicht nachvollziehen. „Wir haben das Denkmal in der Gießerei gefilmt“, schildert er, wie sie emsig Beweise für die tatsächliche Existenz der Bronzestatue sammelten. „Schließlich bin ich aufgeregt vor den Stadtrat gezogen.“ Der 53-Jährige erinnert sich gut an die vorbereitete Rede, um die Abgeordneten „mit harten Worten wachzurütteln“. „Ich hatte das Gefühl, sie glauben es nicht.“ Also erklärte er ihnen: „Ich hole das Denkmal nach Zerbst und sie kümmern sich um einen Platz, sonst fragt sich jeder, warum steht das Denkmal im Vorgarten von Uwe Tschakert.“ Am Ende schien er doch überzeugt zu haben. „Es gab Applaus“, entsinnt er sich. Denn wichtig war, dass es sich um ein „kulturelles Geschenk für eine öffentliche Stelle handelte, sonst wäre es zu teuer“, erläutert Uwe Tschakert.

Bilder

Immer wieder muss der Zerbster schmunzeln, wenn er an das Unterfangen zurückdenkt, von dem all die gesammelten Dokumente, Zeitungsausschnitte und Fotos erzählen. Auch Artikel der Volksstimme finden sich darunter. Redakteurin Antje Rohm berichtete wiederholt über die aktuelle Entwicklung des Projektes und holte es in die Öffentlichkeit. Unterstützung gab es ebenfalls vom damaligen Landesverkehrsminister Karl-Heinz Daehre.

Unterdessen wartete eine Herausforderung nach der anderen auf Wladimir Teslenko und Uwe Tschakert. Dazu gehörte unter anderem, dass Bronze laut russischem Gesetz nach wie vor als Kriegsmaterial galt – um drei Tonnen davon ausführen, bedurfte es eines Unterlassungsschreibens. „Den Satz ,Uwe, wir haben ein Problem‘ habe ich oft gehört“, sagt der 53-Jährige. So besaß der aus Weißrussland beschaffte Lkw keine TÜV-Plakette für Deutschland. Nicht zu vergessen die Anschläge auf die Metro in Moskau, weshalb das Vorhaben ebenfalls beinahe gescheitert wäre. „Ein Flug nach dem anderen wurde gestrichen. Gott sei dank haben wir noch eine Aeroflot-Maschine gekriegt.“

Zoll öffnet die Tore

Die größte Erleichterung sei gewesen, als sich in Moskau das grüne Tor des Zolls öffnete und die verladene Statue auf dem verplombten Schwerlaster rauskam, verrät Uwe Tschakert. „Der Zoll-Chef ist ein Katharina-Fan gewesen, da flogen die Stempel nur so“, erzählt er lachend. Kran und Lkw haben die beiden Initiatoren übrigens privat bezahlt.

Dass er jetzt Ehrenmitglied des Katharina-Vereins ist, freut Uwe Tschakert. „Das ist Anerkennung genug“, sagt er mit Blick auf sein Engagement, ohne dass die Anhalt-Zerbster Prinzessin jetzt nicht in Bronze gegossen zum erhaltenen Schlossflügel schauen würde.