Zerbst l Knapp ein Drittel der Fläche der Bundesrepublik sind Wald. Auch in der Stadt Zerbst gibt es größere Flächen, die von Wald bewachsen sind. Der Wald ist nicht nur Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Die Wälder produzieren daneben nicht nur jede Menge Sauerstoff, sondern fangen auch Kohlendioxid ein und wandeln es bei der Photosynthese zu Zucker um. Doch dem Wald geht es nach drei trockenen Jahren schlecht, bestätigt Dietmar Schleth, der zum Betreuungsforstamt Nedlitz gehört und auch im Zerbster Bereich Flächen betreut.

Der Mangel an Regen in den vergangenen drei Jahren hat den Wäldern enorm zugesetzt. Vor allem die älteren Bäume sind zum großen Teil auf der Strecke geblieben und abgestorben. Seit Jahren ist das Forstamt damit beschäftigt, die abgestorbenen Bäume aus den Wäldern zu schaffen, um nicht ideale Bedingungen für Insekten und Schädlinge zu schaffen. Normalerweise würde die Natur mit dem Holz allein fertig werden. Das dauert allerdings und bietet in der Zeit vielen Lebewesen einen idealen Lebensraum. Da aber viele Bäume wegen der jahrelangen Trockenheit geschwächt sind, will das Forstamt kein Risiko eingehen und entfernt die Bäume aus den Wäldern.

Kaum noch Erlöse

Weil die Mengen von Holz von abgestorbenen Bäumen in den vergangenen Jahren enorm gewachsen ist und der Markt voll von diesem Holz ist, lassen sich kaum noch Erlöse erzielen, sagt Dietmar Schleth. Die Erlöse brauchen die Waldbesitzer aber, um die Aufforstung zu bezahlen. Es kostet eine Menge Geld, junge Pflanzen wieder in den Boden zu bringen. Zwischen Spätherbst und Frühjahr nutzt das Forstamt die kühle Witterung, um junge Bäume auf die freien Flächen zu bringen. Auch hier macht sich der Klimawandel bemerkbar und vergrößert die Zeitspanne, in der gepflanzt werden kann.

Der Klimawandel sorgt aber bei der Auswahl der jungen Pflanzen dafür, dass sich die Wälder in Zukunft verändern werden. Schon seit vielen Jahren versuchen die Förster die Wälder artenreicher zu machen, was die Bäume angeht. Auch früher gab es trockene Jahre. Monokulturen sind dann von den Umweltbedingungen besonders betroffen, weil alle Pflanzen die gleichen Anforderungen an die Umwelt haben. In Mischwäldern sieht das anders aus. Hier stehen Pflanzen mit verschiedenen Eigenschaften dicht zusammen. In der Regel können sie besser mit extremen Umweltbedingungen umgehen.

Heute ist es längst üblich, sagt der Förster, dass mehr Laubbäume gepflanzt werden, um die Wälder widerstandsfähiger in der Zukunft zu machen. Mit verschiedenen Arten experimentieren die Förster je nach Lage und Standort. Allerdings wird es einige Zeit dauern, bis sich zeigt, ob die Pflanzen an den Standorten eine gute Wahl sind.

Klimaentwicklung entscheidend

Auch hängt der Erfolg davon ab, wie sich die Klimabedingungen in der Region in den kommenden Jahren bis Jahrzehnten weiter entwickeln. Einige Klimamodelle sehen hier weiter sehr trockene Sommer in der Zukunft voraus. Besonders betroffen sich in den Klimaberechnungen weite Gebiete ostelbisch.

Die vergangenen drei Jahre haben aber auch gezeigt, dass der Wald als Anlage- oder Renditeobjekt wohl nicht mehr überall so funktioniert wie in der Vergangenheit, räumt der Förster ein. Die ersten Waldbesitzer trennen sich wohl auch wegen der Entwicklung der vergangenen Jahre bereits von ihren Wäldern, hat er festgestellt.

Dabei ist die Waldbewirtschaftung vor allem zeitlich lang angelegt. Eigentlich, sagt Dietmar Schleth, seien die Waldbesitzer wie Landwirte. Nur dass ei in viel längeren Zeitabschnitten denken müssen. Ob sich der Umbau der Wälder zu mehr Laubbäumen auszahlt, wird wohl erst in einigen Jahrzehnten sichtbar werden. Außerdem bleibt abzuwarten, ob sich das Klima dauerhaft verändert oder es nur einige Jahre mit besonders extremen Bedingungen gibt. Noch vor einigen Jahren war nicht Trockenheit, sondern zu viel Wasser das Problem in weiten Regionen. Nach der letzten Jahrhundertflut von Saale und Elbe im Jahr 2013 stiegen die Grundwasserstände vielerorts an und sorgten für Vernässung vieler Flächen. Damals gab es Rufe nach besserer Entwässerung. Heute würden sich einige wünschen, die Gräben wären flacher angelegt und leiteten das Regenwasser, wenn es denn mal welches gibt, langsamer aus den Flächen zu den Flüssen ab.