Zerbst l Groß und fast einschüchternd blicken sie auf die versammelten Menschen in der Aula des Francisceums in Zerbst: Die Rektoren der nun 215 Jahre alten Schule. Auf Gemälden hängen sie dort, für immer verewigt, im Stil der Epochen entsprechend in Öl gemalt.

Viele Rektoren hat das Francisceum nun in den mehr als zweihundert Jahren gehabt. Nicht alle hängen in der Aula. Ein großes Loch in der Historie dieser Tradition klaffte immer in den 40 Jahren DDR. Die Rektoren der sozialistischen Zeit waren etwas in Vergessenheit geraten.

Kontakt mit Nachfahren

Der Förderverein des Francisceums, der mittlerweile darüber entscheidet und realisiert, wie, wo und ob Bildnisse von Rektoren in der Schule hängen, hat sich für das Schuljubiläum in diesem Jahr entschlossen, diese Lücke zu schließen. „Dafür haben wir mit den Nachfahren Kontakt aufgenommen, die uns Bilder zur Verfügung stellten“, sagt Torsten Huß vom Förderverein.

Bilder

Diese Bilder werden künftig an der Wand am Aufgang zur Aula hängen – die Wände der Aula sind voll. „Wir kommen damit einem Wunsch nach, der schon mehrfach an uns herangetragen wurde. Wir freuen uns, diese Rektoren mit einem Bild zu würdigen“, so Huß.

Einer der Rektoren, Hans-Wolfgang Brosig, wird dort nicht mit einem Foto, sondern mit einem gemalten Bild wieder zu finden sein. Denn der Jahrgang, der in diesem Jahr sein 60. Abiturjahr beging, hat zusammengelegt und das Bild finanziert. „Ich glaube, ich spreche hier vielen aus den Herzen, wenn ich sage, ich gedenke gerne der Zeit hier in der Schule“, sagte Ingo Oelschläger, der stellvertretend für seine Klasse am Sonnabend sprach. „Wir wurden gefordert und gefördert. Zum Lernen motiviert, aber zeitgleich wurde auch schützend die Hand über uns gehalten“, erklärte er weiter. Ihr Rektor Brosig war es, der für dieses Klima mit gesorgt hat und deshalb hatten sich die eisernen Abiturienten dazu entschlossen, dass er eben diese Würdigung in der Tradition finden sollte.

Zeitgeschichtliche Annäherung

Die runden Abiturjahrgänge, es waren 50 und 60 Jahre Abitur zu gegen, bekamen bei der Festveranstaltung am Sonnabend eine Anstecknadel überreicht. Schulleiterin Veronika Schimmel versuchte, sich den Jahrgängen zeitgeschichtlich zu nähern, aber auch über die Schulgeschichte – was sich als schwieriger gestaltete, als sie vielleicht vorher annahm. „In der örtlichen Presse ist sehr wenig über die Schüler der EOS in den Jahren 1964 bis 1968 zu lesen“, berichtet sie. Ein Theaterstück findet Erwähnung und sportliche Leistungen. „In einem internen Buch in der Francisceumsbibliothek sind die sportlichen Erfolge erwähnt und auch die hervorragenden Ergebnisse in der Reifeprüfung“, erzählt sie weiter.

Müsse dann aber nicht auch berichtet werden, dass Teile der Geschichte der Schule und damit auch der Schüler vermisst oder unwiederbringlich verloren sind? „Es gab zu DDR-Zeiten auch eine Holztafel mit allen sportlichen Bestleistungen der Schüler dieser Schule. Diese Tafel wird bereits seit der Wende vermisst. Und leider konnte ich nichts mehr in den Dokumenten der Lehrerkonferenz finden, da diese nicht mehr vorhanden sind. Auch die Klassenbücher der ganzen vergangenen Jahre sind auf Veranlassung von Herrn Messer bedauerlicherweise nicht mehr auffindbar.“

Aufruf an Interessierte

Um so schöner, dass sich nun so viele Zeitzeugen aus dieser Epoche versammelt hatten. Mit dem Aufruf „Ich rufe alle Interessierten auf, uns mit ihrem Wissen, Anekdoten und vielleicht vorhandenem Material zu unterstützen“, beendete Schimmel ihre Rede.