Walternienburg l Ein kleines Holzkreuz sorgte kürzlich auf dem Friedhof von Walternienburg für jede Menge Ärger. Waltraud Luther rief die Lokalredaktion dazu an. Ihr elfjähriger Enkel hatte das Kreuz zur Erinnerung an den Opa auf der grünen Fläche der Gemeinschaftsfläche abgelegt. Die Verwaltung wurde von Bürgern über die Internetseite darauf aufmerksam gemacht. Über die neue Funktion „Sag´s uns einfach“, wandte sich ein Bürger an die Verwaltung, bestätigt Ute Schilling von der Friedhofsverwaltung. „Da das laut Satzung nicht zulässig ist, wurde das Kreuz von der Friedhofsverwaltung mitgenommen. Die Angehörigen der Urnenstelle wurden darüber umgehend in einem persönlichen Gespräch informiert, warum das Kreuz entfernt wurde und dass es zur Abholung in der Friedhofsverwaltung auf dem Heidetorfriedhof bereit liegt“, teilt sie weiter mit.

Mehr Rücksicht gewünscht

Nur war die 86-jährige Waltraud Luther kaum selbst in der Lage, das kleine Kreuz abzuholen. Ihre Tochter erledigte das für sie, sagt sie am Telefon. Dass auf der begrünten Fläche nichts abgelegt werden dürfe, sei ihr bekannt. Nur ihrem Enkel sei dies unbekannt gewesen, schildert sie weiter. Die Reaktion der Friedhofsverwaltung auf den Bürgerhinweis findet sie etwas zu groß. „Der Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung hätte das kleine Holzkreuz auch zu den Blumengestecken legen können. Dann wäre alles gut gewesen“, meint sie. Der Junge habe ja nicht wissen können, dass er das nicht gedurft hätte. In Zukunft sollte die Friedhofsverwaltung etwas bedächtiger und rücksichtsvoller reagieren, wünscht sie sich.

Zufrieden mit der Pflege auf dem Friedhof ist die Seniorin außerdem nicht. Mit einer grünen Wiese habe das gemeinsame Urnenfeld auf dem Friedhof nichts zu tun. „Da wächst nur Unkraut“, sagt sie. Sie sei erst in dieser Woche wieder auf dem Friedhof gewesen, um sich die Begräbnisstätte anzusehen.

Monatlich ein Mähgang

Inzwischen wurde der Rasen gemäht. In den vergangenen Wochen war das Gras stark gewachsen. Deshalb habe der Friedhof einen ungepflegten Eindruck gemacht, schildert sie. Das habe sie auch der Friedhofsverwaltung mitgeteilt. Wie die kommunalen Friedhöfe gepflegt werden, erklärt Ute Schilling: „Für den Friedhof Walternienburg gibt es, wie für alle anderen Friedhöfe auch, einen Dauerauftrag, der die regelmäßig wiederkehrenden Aufgaben beinhaltet. Dazu gehört unter anderem Rasen mähen, Laub beräumen, Friedhofswege sauber halten, Trauerhallen reinigen vor Trauerfeiern. Die Pflegehäufigkeit ist abhängig von der Art der Leistung, dem Bedarf und in nicht unerheblichem Maß von der Witterung. Die Rasenmahd beginnt in der Regel Ende April und endet im Oktober. Monatlich ist ein Mähgang geplant. Im Frühjahr kann es zum Pflegestau kommen, da jede Gemeinde sofort alles gepflegt haben möchte, der Bauhof aber nicht überall gleichzeitig sein kann. Hinzu kommt, dass seit 2018 insbesondere auf den Friedhöfen keine Zusatzkräfte mehr zur Verfügung stehen.“

Trotzdem würde sich die Rentnerin frisches Gras auf der Urnenfläche wünschen. Das dürfte heute kein Problem mehr sein, meint sie. Schließlich könnte die Kommune Rollrasen kaufen und einbauen. Die Angehörigen würden dann auch gern gießen, damit der Rasen grün bleibt.

Vorgesehene Flächen beachten

Dass auf den Gemeinschaftsflächen für die Urnenbestattung nur auf bestimmten Flächen Grabschmuck erlaubt ist, wissen die Angehörigen, sagt Ute Schilling. „Das Ablegen von Grabschmuck ist immer nur auf der dafür vorgesehenen Fläche gestattet. In Walternienburg ist das der Kieselstreifen mit den Grabmalen. Bei den Urnengemeinschaftsanlagen auf den Friedhöfen der Stadt Zerbst handelt es sich nicht um anonyme Grabstätten, da die Angehörigen an der Urnenbeisetzung teilnehmen können. Deshalb kommt es immer wieder zu Konflikten, da die Angehörigen die Urnenstelle genau kennen und dort ihren Grabschmuck ablegen. Das behindert nicht nur die Pflege der Anlage unnötig, sondern greift aufgrund der engen Belegung unter Umständen auch in die Belange Dritter ein“, teilt die Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung auf Nachfrage mit.