Bärenthoren l Die Entscheidung, das Betreuungszentrum in Bärenthoren zu schließen, stand nicht zur Disposition, informierte Bürgermeister Andreas Dittmann am Dienstagabend im Ortschaftsrat von Polenzko über das jüngste Gespräch mit dem DRK Wittenberg. Für die Mitarbeiter soll es Folgeanstellungsverhältnisse geben. Die Bewohner werden in anderen Einrichtungen untergebracht.

Am traurigsten ist, dass die Bewohner ihren vertrauten Wohnort noch vor Weihnachten verlassen müssen, findet Ortsbürgermeisterin Ruth Buchmann. Der Ortschaftsrat war nicht untätig, nachdem die Schließung bekannt gegeben wurde. Rundfunk und Fernsehen waren vor Ort, Landrat und der Behindertenbeauftragte des Landes wurden angeschrieben mit der Bitte um Unterstützung. „Wir wollten nichts unversucht lassen“, so Buchmann. Die Ortsbürgermeisterin und ehemalige Leiterin des Betreuungszentrums blickte noch einmal zurück, wie man Jahr für Jahr mit den Brandschutzforderungen zu tun hatte. Stück für Stück versuchte man die Auflagen zu erfüllen. Die schwerwiegenden Sachen konnte man immer noch verschieben. Bis zuletzt.

2,4 Millionen für Brandschutz

2,4 Millionen würde es kosten, um das Objekt fit für den Brandschutz zu machen, was allerdings nicht bei laufendem Betrieb ginge. Eine weitere Millionen würde ein zu errichtendes Bettenhaus kosten.

In dem ganzen Verfahren würden einige Merkwürdigkeiten stecken, mutmaßte Andreas Dittmann. Das DRK habe schon im ersten Quartal des Jahres versucht, die Weichen für eine Schließung zu stellen. Außerdem hätte das DRK gegen die Auflagen in der Baugenehmigung Widerspruch einlegen können. Auf Grund des Denkmalstatus hätten die Auflagen vielleicht herab gemindert werden können. Doch da gab es keine Bemühungen...

Stadt braucht Objekt nicht

Die große Frage im Ortschaftsrat war, wie geht es weiter? Dittmann erklärte, dass das DRK Wittenberg in den Kaufvertrag eingetreten ist, der ursprünglich mit dem DRK Zerbst abgeschlossen worden war. Darin enthalten ist eine Mehrerlösklausel, bei der im Falle des Verkaufs des Objektes vor 2023 ein Überschuss abgeführt werden muss, und eine Rückübertragungsklausel, wenn die Zweckbindung nicht mehr gegeben ist. Nachnutzungsideen habe das DRK nicht, meinte Dittmann und wohl auch keinen Käufer in Lauerstellung. „Die Stadt muss überlegen, ob sie den Passus der Rückübertragung aufgreift“, erklärte Andreas Dittmann und machte deutlich: „Die Stadt braucht das Objekt nicht.“ Bestimmte Objekte müsse man sich auch leisten können, um sie zu übernehmen. Um darüber überhaupt nachzudenken, müsse eine gutachterliche Stellungnahme eingeholt werden.

Das Management des DRK habe in seinen Augen total versagt, machte sich Christian Nels Luft. Man hätte an die Öffentlichkeit gehen und langfristig aktiv werden sollen. Den Standort dürfe man nicht nur unter wirtschaftlichen Aspekten betrachten. Die Abgeschiedenheit, die Möglichkeiten mit den Tieren und vor allem die Integration im Dorf machten das Betreuungszentrum in Bärenthoren aus. Das war echte Inklusion hier, so Nels. Es gebe viele Gründe für ihn, hier was für die Zukunft zu machen.

Bedarf für Betreuung ist da

Andreas Dittmann ließ wissen, dass sich das DRK mit der Schließung des Betreuungszentrums von der Aufgabe der Betreuung Suchtkranker ganz verabschiede. Aber der Bedarf sei doch da, glauben auch die Einwohner der Ortschaft.

Es wäre schade um das ehemalige Jagdschloss derer von Kalitsch, das sogar Ziel für Reisegruppen ist, wenn es verfallen würde, war man sich einig. Sicherungsmaßnahmen müssten, sobald es leer ist, vorgenommen werden, damit von dem Gebäude und Grundstück keine Gefahr ausgeht, forderten die Anwohner. Den Vorschlag, ein kulturelles Zentrum oder Dorfgemeinschaftshaus einzurichten, konnte Dittmann nur abwinken. Wenn das Objekt geschlossen ist, wolle man sich alles mit einem Gutachter anschauen, versprach er. Der Stadtrat will Fakten haben. Auch den Ortschaftsrat werde man beim weiteren Vorgehen einbeziehen.