Zerbst l „Sechs Schulen sind mittlerweile von der Verkehrserziehung durch die Zerbster Verkehrswacht abgesprungen“, schildert Stephan Seeger von der Zerbster Gebietsverkehrswacht. Der Grund sei ganz simpel. Bisher war die Verkehrserziehung der Grundschüler kostenfrei.

Doch die finanzielle Lage der Zerbster Wacht sei angespannt. „Wir erhalten zwar jährlich einen finanziellen Zuschuss des Landesverbandes in Höhe von etwa einem Euro pro Kind, doch das reicht bei Weitem nicht aus“, erklärt Seegers Kollege Dietmar Heinrich. Verkehrserziehung stehe schließlich im Lehrplan, das könne man doch nicht mit einem Euro pro Kind abrechnen.

So entschlossen sich die beiden Ehrenamtlichen Zerbster Verkehrswächter einen Unkostenbeitrag in Höhe von 0,89 Euro pro Kind und Unterrichtsstunde zu kassieren. Das stößt bei den meisten Grundschulen auf wenig Gegenliebe. „Nur die Grundschule An der Stadtmauer ist noch geblieben“, sagt Heinrich, alle anderen seien abgesprungen.

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Andere Verkehrswachten übernehmen

Stattdessen würden Verkehrswachten beispielsweise aus Oranienbaum oder Magde- burg in vielen Schulen der Einheitsgemeinde den Unterricht übernehmen. Gerade dieser Umstand, dass Verkehrswachten kreuz und quer durch Sachsen-Anhalt fahren war nicht gewollt. „Jede Wacht sollte in ihrem Einzugsbereich bleiben, so lautete eine Festlegung der Landesverkehrswacht“, ärgert sich Stephan Seeger.

„In einer Beratung des Bildungsministeriums mit den Vorständen von ADAC und Verkehrswacht wurden in der letzten Woche unter anderem neue Kooperationsformen besprochen“, heißt es aus dem Bildungsministerium in Magdeburg auf Nachfrage. Die Landesverkehrswacht sei neben dem ADAC und dem ADFC Partner bei der Unterstützung der Schulen in Sachen Verkehrserziehung und erhalte aus dem Topf des Bildungsministeriums eine jährliche Projektförderung von 20 000 Euro. „Das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr unterstützt die von der Landesverkehrswacht und ihren Untergliederungen durchgeführten Projekte durch Zuwendungen aus dem Landeshaushalt. Dafür stehen Haushaltsmittel in Höhe von 550 000 Euro jeweils in den Jahren 2017 und 2018 für Projekte der Verkehrssicherheitsarbeit zur Verfügung“, schreibt Stefan Thurmann, Pressesprecher im Bildungsministerium. Dies entspreche einem Aufwuchs der Mittel von 100 000 Euro pro Jahr im Vergleich zum Vorjahr.

Das Ministerium für Bildung unterstützt die Jugendverkehrsschulen zusätzlich mit Anrechnungsstunden von Lehrkräften. „Ein entsprechender Erlass regelt die Aufgaben der Schulen und des LISA (Lehrerfortbildung), somit ist die Durchführung der Verkehrserziehung gewährleistet“, so Thurmann.

Stephan Seeger und Dietmar Heinrich machen schon mit den Jüngsten Verkehrserziehung, wie beispielsweise mit den Kindern der Kita Heide. Hier zahlen die Eltern einen Euro pro Kind. „Das läuft ohne Probleme“, sagt Heinrich. Außerdem versuchen sie mit ihrem Parcours bei Stadt- und Dorffesten ein bisschen Geld in die Kasse zu spülen. Dort reisen sie dann beispielsweise mit ihren Quads an.

Doch wenn die Zuwendungen nicht erhöht werden, sieht es düster aus, so die beiden ehrenamtlichen Mitarbeiter der Zerbster Verkehrswacht.