Zerbst l Die neuen Fenster in der Zerbster Bartholomäikirche laden ein. Sie laden ein zum Hinsehen, zum Nachdenken, zum Deuten. Sie verändern den Blick nach draußen und auch nach drinnen. Von außen sind sie stadtbildprägend. Von innen tauchen sie den Kirchenraum in ein ganz neues Licht.

Bis zum 16. April 1945 gab es in der Bartholomäikirche farbige Fenster mit großen Figuren, gestaltet mit dem Selbst- und Sendungsbewusstsein des 19. Jahrhunderts. Und heute?

Symbolik der Quadrate

„Was sehen Sie?“, fragte Pfarrer Albrecht Lindemann die Besucher des Gottesdienstes, in dem die Fenster der Zerbster Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Gibt es darauf eine einzige Antwort? „Würde es Ihnen helfen, wenn ich Ihnen sage, dass ich in diesen Fenstern den brennenden Dornbusch sehe?“, so beantwortete der international renommierte Glaskünstler Jochem Poensgen am 6. November 2015 die Frage des damaligen Gemeindekirchenrates nach der Symbolik der vielen Quadrate und wellenförmigen Bleiruten.

Bilder

Es ist die Antwort des Gestalters, der sich aber sofort zurückzieht. Er zielt nicht darauf ab, diese Deutung der Fenster zu geben, sondern will die Reflexion über die eigene Fähigkeit zur Deutung anstoßen. „Sie sind deutungsoffen, aber nicht inhaltsleer, lassen Freiheit für individuelle Gedanken, fordern heraus oder aber man lässt es und kann Fenster und Licht entspannt und entspannend auf sich wirken lassen“, formuliert es Lindemann.

Dank gilt Sponsoren

Dass dies tatsächlich möglich ist, ist den zahlreichen Sponsoren und Spendern zu verdanken. Die Bereitschaft reicht von der Gabe in die gewidmete Kollekte bis hin zur Übernahme eines gesamten Fensters. Mehr als 66.000 Euro kamen zusammen. 20.000 Euro stammen aus dem Spendenverdopplungsfond der Evangelischen Landeskirche Anhalt. Die Reihe, an die Pfarrer Lindemann seinen Dank richtet, ist lang. Am Sonntag erwähnt er insbesondere Domenika Schneider und Susanne Hecht-Konratt für die komplette Finanzierung des nördlichen Ostfensters und Anita Fiske, die nach dem Feld im blauen Südfenster nun die komplette Spitze des Mittelfensters übernommen hat. Dank geht zudem an Gerda und Edwin Sperling, Tobias Eger, Tilo Feldmann, Andreas Dittmann, Silke und Holger Hövelmann, Harald Friebel, Mandy Baum, Peter und Ramona Schondorf, Edgar Giehl sowie an die Fläminger Entenspezialitäten und Yvonne Zaake. Jeder von ihnen hat eine Fensterpatenschaft im Wert von mindestens 1300 Euro übernommen.

Projekt noch nicht beendet

Mit der Fertigstellung der Ostseite ist das Projekt noch lange nicht beendet. Für alle neun Kirchenfenster liegt eine denkmalrechtliche Genehmigung vor. Der Gemeindekirchenrat von St. Bartholomäi wird in seiner September-Sitzung über den Einbau eines weiteren blauen Fensters beschließen. Und so werden weitere Paten für die Kirchenfenster von St. Bartholomäi gesucht.

Erstaunlich ist die Bereitschaft der Bürger. Erst am 1. Advent 2017 wurden die ersten Kirchenfenster an der Ost- und Südseite eingesetzt. Sie schützen ein Gemälde von Lucas Cranachdem Jüngeren.