Dessau/Zerbst l Eine Geldstrafe in Höhe von insgesamt 900 Euro und Entzug der Fahrerlaubnis für drei Monate, so lautete das Urteil, das vom Amtsgericht Zerbst am 4. März 2020 gegen einen 51-Jährigen wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr verhängt wurde. Der Zerbster will die Strafe abwenden.

„Wir wollen hier der Wahrheit Genüge tun und hoffen, sie kommt ans Licht“, sagte seine Verteidigerin Annegret Schumann, die Kritik an der Beweiswürdigung übte, zum Auftakt des Berufungsprozesses vor der 7. Strafkammer des Landgerichts Dessau-Roßlau. Zu Ende gebracht werden konnte der Prozess nicht. Am 27. Mai wird ein Fortsetzungstermin stattfinden.

2,2 Promille im Blut

Die Tat, welche Staatsanwältin Heidrun Voss dem Angeklagten zur Last legt, ereignete sich in der Nacht vom 15. auf den 16. Juni vorigen Jahres. Damals war der Zerbster auf einem landwirtschaftlichen Weg zwischen zwei Ortsteilen bei geöffneter Fahrertür schlafend vor seinem Fahrzeug aufgefunden worden. Die hinzugezogenen Polizeibeamten mussten den stark alkoholisierten Mann wecken.

Die spätere Untersuchung ergab eine Blutalkoholkonzentration von fast 2,2 Promille. Das bestritt der Angeklagte nicht. Allerdings habe er das Fahrzeug, einen VW-Transporter, nicht selbst gesteuert. Das sei ein Bekannter gewesen. Der Freund hatte diese Version auch vor der ersten Instanz bestätigt. Doch weder der Amtsrichter noch die Anklagebehörde schenkten der Darstellung Glauben.

Schlechte Erinnerung an Geschehnisse

Weil nunmehr wegen der mutmaßlichen Falschaussage ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet wurde, schwieg der Bekannte vor der Berufungsinstanz. Auch darum ist ein zweiter Termin nötig. Zum einen muss nun der zuständige Richter aussagen. Zum anderen wird ein weiterer Zeuge gehört. Dabei geht es um die Frage, ob der Transporter seinerzeit überhaupt noch fahrbereit war. Von den Polizisten war das nicht überprüft worden.

Der 51-Jährige hatte geschildert, dass sein Freund ihm damals beim Heumachen auf der Pferdewiese half. Statt ihn aber nach Hause zu fahren, sei man beim Dorffest in Straguth gelandet. Während der Bekannte, der Diabetiker sei, keinen Alkohol trank, habe er doch reichlich Hochprozentiges konsumiert. „Der Schnaps riss mir wahrscheinlich die Füße weg“, so der Angeklagte. Eine wirklich gute Erinnerung habe er nicht mehr an die Geschehnisse.

Er sei kein Trinker

Jedenfalls habe der Transporter in der Fahrtrichtung ortsauswärts gestanden. Sein Freund habe von sich aus entschieden, ihn nach Hause zu fahren. Allerdings habe das Auto bereits nach wenigen Metern „den Geist aufgegeben“. Daraufhin habe ihn der Kumpel an einen Baum gesetzt und den Schlüssel im Zündschloss stecken lassen. „Weil das Auto ja sowieso nicht ansprang.“

Hätte er den Heimweg nicht zu Fuß antreten können? „Wenn ich nicht mehr in der Lage war zu laufen“, beantwortete der Zerbster die Frage der Vorsitzenden Richterin Siegrun Baumgarten. Zu dem aus ihrer Warte schon stolzen Promille-Wert sagte der Angeklagte, dass er trinke, sei „nicht die Regel“.