Zerbst l Ende März fiel der Startschuss an der Baustelle für den Lückenschluss am oberen Markt bis hinter zur Jüdenstraße. Das Areal, das in Kürze bebaut werden soll, muss vorher von Archäologen durchkämmt werden, um nach Zeugnissen längst vergangener Zeiten zu suchen. Dazu sind die Ausgrabungshelfer nun nahezu jeden Tag vor Ort, um am Ende jeden Stein umzudrehen. Mit Hilfe eines kleinen Baggers wird Schicht für Schicht abgenommen, vorsichtig versteht sich.

Die Grabungen sollen bis in tiefere Schichten reichen, in der der natürliche Bodenaufbau beginnt. „Alle Schichten vorher sind Füllschichten aus den Jahrhunderten“, sagt Grabungsleiter Jens Markus.

Gute Beispiele seien beispielsweise die Hofpflaster, die schon nach wenigen Zentimetern Aushub zum Vorschein kommen.

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Geschirrreste von wohlhabenden Leuten

„Hier finden wir vermehrt Scherben von sowohl Bier- als auch Weinflaschen und Geschirr“, beschreibt Markus die Funde. Gasthöfe mit Brauereien hat es ja in Zerbst zahlreich gegeben.

„Hier haben wohl etwas wohlhabendere Leute gewohnt“, schätzt der Grabungsleiter ein. Die Art der Geschirrscherben zeugen von einer gehobenen Tischkultur.

Inzwischen sammeln sich mehrere Eimer mit gefüllten und akribisch beschrifteten Tütchen voller Scherben bei den Gräbern. „Neben Knochen und Knochenresten, wahrscheinlich aus einer Abfallgrube, haben wir beispielsweise auch Tonpfeifen zum Rauchen gefunden“, erklärt Jens Markus.

So wirklich spektakuläre Funde seien aber bislang nicht ausgegraben worden, auf die hofft der Grabungsleiter in tieferen Schichten zu stoßen. Neben Grabungsfundn aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie aus der frühen Neuzeit, also dem 15. bis 16. Jahrhundert, erwartet Jens Markus auch Funde aus dem späten Mittelalter.

„Nur die liegen eben etwas weiter unten“, weiß der erfahrene Archäologe. Grundsätzlich geben die Grabungen Aufschluss über die Siedlungsgeschichte in Zerbst. Gegraben wird bis Mitte Juli, kündigte Markus an.

Historische Bausubstanz

Auf dem oberen Markt entstehen neben dem Blumengeschäft als Lückenschluss zwei Gebäude mit barrierefreien Wohnungen. Die sollen sich an der historischen Bausubstanz orientieren, wie der Gebäudehöhe und der Fassadengestaltung.

Auf dem Areal in der Jüdenstraße entsteht eine Pflegeeinrichtung. Die neuen Gebäude auf dem Markt werden einen Durchgang zur Jüdenstraße und zur Pflegeeinrichtung erhalten. Geplant ist, das noch in diesem Jahr mit dem Bau begonnen werden kann.