Zerbst l Nicht gerade einfach zu erreichen sind die telefonischen Beratungen der vielen Hausärzte in der Stadt Zerbst. Meist bleibt nur kurz Zeit, die Fragen der Volksstimme zu beantworten. Im Hintergrund ist das Treiben in der Praxis zu hören. Es ist teilweise regelrecht laut. Die praxisführenden Ärzte sind oft gar nicht erst zu sprechen – zu groß ist der Termindruck. Eine aber hat Zeit für die Fragen der Volksstimme, und was sie schildert, scheint zu bestätigen, dass die Menschen, wenn es schon keinen Impfschutz gegen Corona gibt, wenigstens die Grippe abwehren wollen. „Die starke Nachfrage ist auf jeden Fall genauso stark wieder gesunken, wie sie stark angefangen hat. Mehr als 700 bis 800 Grippe-Impfungen haben wir durchgeführt. Allerdings ist der Impfstoff bei uns gerade sehr knapp. Wir haben zwar laufend offene Bestellungen, aber entweder die Lieferanten oder aber die Produzenten kommen dem Andrang nicht mehr hinterher. Die letzten Tage hatten wir keine Dosis hier. Jetzt erwarten wir die nächste Lieferung Nachschub“, sagt Swetlana Kerbel, Haus- und Fachärztin für innere Medizin in Zerbst. Aber auch die Schwestern in den Praxen haben einen guten Überblick über die Impf-Situation in der Stadt Zerbst.

Eine von ihnen – sie möchte lieber anonym bleiben – arbeitet in einer innenstadtnahen Arztpraxis bekräftigt, was Swetlana Kerbel gesagt hat. Sie erzählt am Telefon, dass es in dieser Praxis in den ersten Wochen einen enormer Andrang auf die Grippe-Impfung zu verzeichnen gab. „Wir haben schon in der letzten September-Woche mit dem Impfen angefangen. Normalerweise ist dies erst frühestens im Oktober der Fall.“ Innerhalb von drei Wochen seien fast alle Vorräte des Impfstoffes gegen das sogenannte Influenza-Virus aufgebraucht worden. „Die Nachfrage war sehr hoch. Sonst impfen wir in der ganzen Saison zirka 800 Menschen. Allein in den ersten drei Wochen war es dieses Jahr so viel.“

Sachsen-Anhalter über Bundesdurchschnitt

Außerdem seien auch immer mehr jüngere Patienten in die Praxis gekommen, um sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Die Anzahl der Geimften war in den vergangenen Jahren allerdings rückläufig. Laut dem Robert-Koch-Institut, welches sich auf Daten der Kassenärztlichen Vereinigung beruft, haben sich bundesweit in der Grippe-Saison 2016/2017 nur rund 35 Prozent der besonders gefährdeten Risikogruppe ab 60 Jahren gegen Grippe impfen lassen. Sechs Jahre zuvor waren es noch immerhin rund die Hälfte aller über 60-Jährigen. Allerdings, in Sachsen-Anhalt waren es 2018/2019 63 Prozent, also deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Bei den über 18 Jahre alten Sachsen-Anhaltern waren es auch immerhin rund 50 Prozent, womit aber die Zielvorgaben der Europäischen Union, wonach eine Impfquote von 75 Prozent erreicht werden soll, längst nicht erfüllt ist.

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Daten aus diesem Jahr gibt es noch nicht, aber auch eine Schwester einer anderen Zerbster Hausarztpraxis kann bestätigen, dass der Andrang sehr hoch gewesen ist. „Die Patienten, die regulär in den letzten Jahren sowieso schon immer gekommen sind, sind natürlich auch in diesem Jahr gekommen“, berichtet die Schwester, die ebenso ihren Namen nicht in der Volksstimme lesen möchte.

„Jetzt ist der Andrang wieder gesunken. Aber man kann schon sagen, dass wir bis jetzt mehr Patienten geimpft haben, als im letzten Jahr über die gesamte Saison.“

Mögliche regionale Impf-Engpässe

In einem Artikel der Apotheken-Umschau wird bestätigt, dass Impfengpässe durchaus ein bundesweites Problem sind. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) versichert, dass es zwar zu regionalen Engpässen kommen kann, diese aber mit hoher Intensität beseitigt werden sollen. Laut einstimmigen Meinungen verschiedener Mediziner reiche es immerhin aus, sich in den nächsten Tagen noch zu impfen. Denn die Grippesaison erreiche erst ab Januar ihren Höhepunkt.