Zerbst l Als „abgespeckte Variante“ bezeichnete Bürgermeister Andreas Dittmann den neu erarbeiteten Entwurf zur Befestigung der Großen Wiese. Einzig die Mindestanforderungen seien eingeflossen, um die Ausgaben so weit wie möglich zu drücken. Denn da es sich um eine Erschließungsmaßnahme handelt, müssen die anliegenden Grundstückseigentümer 90 Prozent der Kosten tragen.

Vierte Informationsveranstaltung

„Da kommen wir nicht dran vorbei“, verwies der Rathauschef nicht nur auf geltendes Bundesrecht. Er erinnerte zugleich an die erste Anwohnerversammlung am 12. Dezember 2000, wo dies bereits erläutert wurde. Über diesen Fakt lasse sich nicht diskutieren, betonte er am Dienstagabend, als nun die vierte Informationsveranstaltung hinsichtlich eines möglichen grundhaften Ausbaus der Großen Wiese stattfand.

Knapp 50 Anlieger waren der Einladung in den Ratssaal gefolgt. Dort stellte ihnen Lutz Voßfeldt vom Planungsbüro Wasser und Umwelt in Zerbst die Minimalvariante vor. Demnach ist eine 20 Zentimeter starke Tragschicht notwendig, die mit einer acht Zentimeter dicken bituminösen Tragdeckschicht überzogen wird. Die Fahrbahn inklusive der mittig gesetzten Gosse wäre 4,75 Meter breit. Beidseitig zwischen den Grundstückszufahrten ist überfahrbarer Schotterrasen angedacht. Auf Bordanlagen sei aus Kostengründen verzichtet worden. Gleiches trifft auf einen separaten Gehweg zu, der stattdessen auf der Fahrbahn markiert werden könnte.

70 Meter langer Staukanal

Dafür enthält der Entwurf neben der Straßenbeleuchtung ebenfalls die Regenentwässerung der Fahrbahn. Vorgesehen ist ein 70 Meter langer Staukanal, der nicht zuletzt das Wasser aus der Marcellstraße in die Nuthe mit ableiten soll. „Wir reden nicht über eine Komplettentwässerung der Marcellstraße“, betonte Dittmann. Denn dass sie die Entwässerung der maroden Kreisstraße mitbezahlen sollen, die nach stärkeren Schauern regelrecht überflutet ist und worunter auch die abzweigenden Straßen wie die Große Wiese leiden, sah mancher Anwohner nicht ein. Überhaupt wurde der enorm schlechte Zustand der Marcellstraße kritisiert, deren Sanierung der Landkreis nach jetzigem Stand in den nächsten drei Jahren allerdings nicht plant, wie der Bürgermeister anmerkte.

Erschließung in zwei Abschnitten

Zurück zur Großen Wiese. Deren Erschließung müsste in zwei Abschnitten erfolgen, da die Fohlenweide die Straße kreuzt. Die Schätzung für den Abschnitt von der Marcellstraße bis zur Fohlenweide beläuft sich auf 118.000 Euro. Von der Summe beitragspflichtig wären 104.000 Euro, erläuterte Anja Behr, Leiterin des Amtes für Steuern, Beiträge und Beteiligungen. Abzüglich der zehn Prozent, die die Stadt trägt, blieben 93.000 Euro, die auf die Grundstückseigentümer umgelegt werden müssten. „Das sind rund 15 Euro je Quadratmeter“, informierte sie. „Der Höchstbetrag wären in dem Fall 7300 Euro“, ergänzte der Bürgermeister. Den niedrigsten Beitrag gab er mit 4300 Euro an. Zum Vergleich: Für den letzten zur Diskussion gestellten Entwurf mit Gehweg und Begrünung waren 24 Euro je Quadratmeter veranschlagt.

Rund 129.000 Euro würden nach dem verschlankten Entwurf für das Teilstück zwischen Fohlenweide und Worthen anfallen – hier lag der Beitragssatz zuletzt bei 15 Euro je Quadratmeter. Beitragspflichtig wären 113.000 Euro, womit gut 102.000 Euro von den Anliegern zu übernehmen wären. „Da ergeben sich 11 Euro je Quadratmeter“, konstatierte Anja Behr. Die Spanne liege in der Summe zwischen 2500 und 6400 Euro, so Dittmann. Stundung und Ratenzahlungen sind möglich.

Reine Schätzungen

Wie wiederholt betont wurde, handelt es sich vorerst nur um reine Schätzungen. Konkretere Aussagen zu den Beitragshöhen können erst nach der Ausschreibung getroffen werden. Sollte deren Ergebnis zu hoch ausfallen, „müssen wir reden. Das gehört zum fairen Umgang“, meinte der Bürgermeister. Die Zustimmung zur Erschließung bedeute nicht, dass diese zwingend erfolgt, betonte Dittmann.

Geplant ist, dass die Grundstückseigentümer der Großen Wiese erneut angeschrieben werden. Anhand einer genauen Schätzung, was sie für die jetzige Minimalvariante zahlen müssten, sollen sie ein weiteres Mal über den Ausbau ihrer Straße abstimmen. Sollte die Mehrheit für eine Erschließung sein, würde die Verwaltung die Detailplanung in Auftrag geben. Sind die meisten dagegen, bleibt die Große Wiese unbefestigt.

Anregung geäußert

Unverständnis herrschte übrigens dahingehend, dass die Große Wiese momentan für sich allein betrachtet und der ebenfalls nur geschotterte Abschnitt der Fohlenweide außen vor gelassen wird. Sinnvoller sei es, beide Straßen gemeinsam auszubauen. „Damit wäre ein dritter Abschnitt zu bilden und der Kreis der Anzuhörenden würde sich vergrößern, aber die Anregung ist vernünftig“, fand Dittmann.