Zerbst l Wann die unansehnlichen Erdhügel verschwinden und die Bagger anrücken, ist weiterhin unklar. Von der AWO gibt es dazu nur vage Aussagen. Seit zwei Jahren gehört das Grundstück an der Zerbster Breite/Ecke Wolfsbrücke der AWO Soziale Dienste Sachsen-Anhalt GmbH. Entstehen soll ein Gebäudekomplex mit 51 altersgerechten Wohnungen, einem ambulantem Dienst sowie einer Tagespflege mit 20 Plätzen und zwei Gewerberäume. Die Baugenehmigung liegt vor, doch auf der Baustelle herrscht Totenstille. Eigentlich sollte der Komplex bereits im Herbst 2017 bezugsfertig sein.

Zerbster monieren Zustand des Geländes

Fast täglich erreichen die Lokalredakion Anrufe oder Zuschriften, in denen die Zerbster den Zustand des Geländes monieren. Ein Grundstück mitten in der Stadt das so aussieht, da müsse man sich ja schämen, sind sich die Anrufer einig. Wenigsten glatt schieben und sauber halten, so lange wie mit dem Bau noch nicht begonnen wird, das müsse doch wohl irgendwie möglich sein.

Die AWO ist nach wie vor bauwillig. Allerdings: „Das Projekt übersteigt den seitens des Architekten ermittelten Kostenrahmen“, erklärte AWO-Pressesprecherin Cathleen Paech Ende April 2017 auf Volksstimme-Nachfrage. „Es werden Varianten zu veränderten Gestaltungsmöglichkeiten erarbeitet“, so Paech damals.

Bilder

Inzwischen sind acht Monaten vergangen, getan hat sich nichts. Statt eines Gebäudes wächst das Unkraut in den Himmel. Grund genug erneut bei der AWO nachzufragen.

„Die AWO Soziale Dienste hält weiterhin an dem Bauvorhaben fest“, schreibt Katrin Köppe, Geschäftsführerin der AWO-Soziale Dienste per E-Mail kurz vor Weihnachten, allerdings erst nach mehrmaligem Nachhaken. Die aktuelle Entwicklung der Baupreise und eine notwendige Neukalkulation des Projektes würden zu zeitlichen Verzögerungen führen.

Die Investitionssumme belief sich laut anfänglichen Planungen auf knapp sechs Millionen Euro. Inwieweit der Kostenrahmen nun aus dem Ruder gelaufen ist, dazu machte die AWO keine Angaben.

„Wir gehen davon aus, dass über die Konkretisierung des Vorhabens im ersten Quartal 2018 informiert werden kann“, so die Geschäftsführerin weiter. Auf eine erneute Nachfrage, ob am derzeitigen Zustand des Geländes nicht kurzfristig etwas geändert werden könne, blieb eine Antwort aus.

Bau muss wohl neu genehmigt werden

Auch Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) ist alles andere als glücklich mit der Situation auf dem AWO-Gelände. Im Jahresinterview der Volksstimme auf das Thema angesprochen, sagte Dittmann: „Ich hake regelmäßig bei der AWO nach, wann und wie es weitergeht, denn natürlich ist der entstandene Zustand auf dem Baufeld unerträglich.“ Übrigens hatte der Rathauschef am 20. Dezember ebenfalls eine E-Mail in seinem Postfach, wie sie auch die Volksstimme auf ihre Nachfragen hin bekommen hat – mit identischem Wortlaut.

Die Baugenehmigung für das geplante Projekt wurde bereits am 20. September 2016 erteilt. Die Genehmigung hat eine Gültigkeit von drei Jahren. Allerdings könne es auch passieren, dass ein neuer Antrag auf Baugenehmigung gestellt werden müsse. „Das kommt darauf an, wie sehr sich die neuen Pläne vom ursprünglichen Entwurf unterscheiden“, machte der Rathauschef deutlich.

Vermarktung des Grundstücks schwierig

2015 hatte die AWO, das Eckgrundstück an der Breite/Ecke Wolfsbrücke von der kommunalen Bau- und Wohnungsgesellschaft Zerbst (BWZ) gekauft. Zu DDR-Zeiten standen auf dem Areal zwei Wohnblöcke, die 2004 innerhalb des Programms „Stadtumbau Ost“abgerissen wurden.

Danach wurde es ruhig auf dem Grundstück. Die Vermarktung und das Finden eines Investors gestalteten sich schwierig. Mit dem Erwerb des Grundstückes Breite/Ecke Wolfsbrücke durch die AWO war endlich ein Investor für einen Neubau gefunden.

Sobald die Baugenehmigung vorliege, sollte es konkretere Informationen zu dem Vorhaben geben. Nun liegt die Baugenehmigung seit ziemlich genau 15 Monaten vor. Doch noch immer passiert nichts, kein Fundament, kein Baukran, keine Bauarbeiter und erst Recht kein Gebäude.