Jugendarbeit

Heike Fräßdorf ist Ansprechpartnerin für Zerbster Jugendliche

Von Daniela Apel

Zerbst l

„Das war immer schon meins“, gesteht Heike Fräßdorf. Schon immer wollte sie etwas mit Kindern machen. „Ursprünglich wollte ich Grundschullehrerin werden“, verrät sie. Doch sie bestand den Stimmtest nicht. „Da platzte alles wie eine Seifenblase“, blickt die Zerbsterin zurück. Deshalb ging sie zunächst in eine ganz andere Richtung, absolvierte eine Lehre zum Chemiefacharbeiter und ein Ökonomiestudium. Ihr Wunsch, eigentlich etwas völlig anderes zu machen, ließ sie allerdings nicht los. Berufsbegleitend begann Heike Fräßdorf eine Fortbildung, die ihr ganz am Ende die Qualifikation als Sozialpädagogin bescherte.

Über eine Beschäftigungsmaßnahme landete sie schließlich in der Jugendarbeit und damit in dem Job, für den sie bis heute prädesteniert ist. „Ich mach' es gern“, bringt sie es schlicht auf den Punkt. Bereut hat es Heike Fräßdorf nicht, sich für diesen Weg entschieden zu haben. „Manchmal ist es anstrengend, aber nie so, dass ich hinwerfen würde“, sagt die Stadtjugendpflegerin.

Job mit späten Arbeitszeiten

Seit der Jugendclub „Priegnitz“ besteht, leitet sie die Einrichtung in Zerbst-Nord. Diese ist - zumindest, wenn nicht wie aktuell coronabedingt geschlossen ist - dienstags bis donnerstags von 14 bis 22 Uhr geöffnet, freitags und samstags von 16 bis 24 Uhr. Heike Fräßdorf hat mit diesen Arbeitszeiten kein Problem. Sie gehören eben zum Job dazu. „Und Sonntag und Montag hab' frei“, gibt sie zu bedenken.

Normalerweise würden im Schnitt zwischen zehn und 15 Kinder und Jugendliche den Club besuchen, dessen Außengelände zum Fußball- und Basketspielen einlädt. Im Gebäude gibt es einen Billardraum und einen weiteren, in dem ein Kicker steht. Der größte Aufenthaltsraum besitzt eine Küchenzeile und wie die anderen gemütliche Sofas.

Dankbare Aufgabe

Neben der Aufsichtspflicht sieht Heike Fräßdorf ihre Hauptaufgabe darin, als Ansprechpartnerin zur Verfügung zu stehen. „Das Vertrauen muss aufgebaut werden und wachsen“, sagt sie. Doch dann „höre man viel, auch Dinge, die man gar gar nicht hören wollte“, bemerkt die Jugendclubleiterin, ohne weiter ins Detail zu gehen.

Jemand zum Reden - das ist es, was die Jugendlichen brauchen, jemand, der ihnen einfach nur zuhört und dieser jemand ist Heike Fräßdorf. „Es ist durchaus eine dankbare Aufgabe“, sagt sie, „weil man was zurückbekommt“. Oft ist das nur ein Lächeln, das aber tief berührt, wenn einer vorher tagelang immer traurig umherlief, wie sie schildert.

Kleinigkeiten bewegen

Und dann sind da noch die früheren Clubbesucher, die längst erwachsen auf einmal vorbeischauen. „Da spürt man, dass man etwas erreicht hat“, sagt Heike Fräßdorf. Früher wollte sie die Welt retten. Inzwischen weiß sie, „das kann man nicht“. Aber Kleinigkeiten kann man bewegen in diesem Job.

Man müsse eingehen können auf die Jugendlichen, Verständnis zeigen und mitunter deeskalierend wirken, wie Heike Fräßdorf sagt. Feingefühl brauche es, wenn es gilt, in einer sich aufschaukelnden Situation einzugreifen, weiß die Zerbsterin. Sie ist froh, dass sie glücklicherweise doch noch in genau den Job hineingerutscht ist, für den sie sich berufen fühlte.

Stellenausschreibung läuft

Bislang ist Heike Fräßdorf genauso Alleinstreiterin wie ihre Kollegin. Diese leitet den anderen städtischen Jugendclub „Jeversche Straße“, scheidet Ende April allerdings altersbedingt aus. Ersatz und künftige Verstärkung für Heike Fräßdorf wird gesucht.

Denn das Einzelkämpfertum soll zukünftig der Vergangenheit angehören. Dafür hat sich der Sozialausschuss auf seiner jüngsten Sitzung ausgesprochen. Die zwei bislang existierenden Stellen für die beiden Jugendclubs sollen zunächst auf einen konzentriert werden.

Die Doppelbesetzung bietet mehrere Vorteile und das nicht nur, wenn eine Kraft durch Urlaub oder Krankheit ausfällt. Dadurch könnten neben der reinen Betreuung ebenfalls wieder sozialpädagogische Angebote unterbreitet werden. „Und wenn die Attraktivität steigt, ist auch die Frequentierung höher“, ist sich Heike Fräßdorf sicher, die sich keinen anderen Beruf mehr vorstellen kann. „Es macht Spaß", sagt sie.