Zerbst l „Die Aufnahme, die augenscheinlich vor dem Krieg entstanden ist, zeigt die Neue Brücke mit Blick auf die Hof- und Stiftskirche St. Bartholomäi am Ende der Straße“, hat Andreas Indenbirken natürlich völlig richtig erkannt.

Rechts erkenne man noch den Giebel des Gerichts wo zu DDR-Zeiten das Arbeitsamt und ein Teil des Rat des Kreises untergebracht waren. „Auf der linken Seite war mal eine KfZ-Werkstatt der Post“, erinnert sich Indenbirken. An der Ecke zur Alten Brücke stehe heute die Volksbank und rechts gehe es auf die Schlossfreiheit, wo auch alljährlich der Weihnachtsmarkt stattfindet.

96-Jähriger erinnert sich noch

Heinz Hochgräf hat früher in der Neunen Brücke gewohnt, an der Ecke zur Breiten Straße. Kein Wunder also, dass der heute 96-Jährige das Rätselbild sofort richtig einordnen konnte. „Wir blicken auf die Bartholomäikirche und rechts erkennt man noch den Giebel vom Gericht“, beschreibt es die historische Aufnahme.

Bilder

Ganz früher sei die Neue Brücke eine Einbahnstraße gewesen. „In Richtung Dessau ging es über die Neue Brücke und Fahrzeuge, die aus Dessau in der Gegenrichtung unterwegs waren, fuhren über die Alte Brücke“, schildert Heinz Hochgräf.

Verkehrsführung im Gedächtnis

An die damalige Verkehrführung erinnert sich auch Helmut Lehmann. Auch er hat die Neue Brücke sofort erkannt. „Wir befinden uns hier auf einer der vier parallel verlaufenen Brücken: die Wolfsbrücke, die Mühlenbrücke, die Alte Brücke und schließlich die Neue Brücke“, zählt Helmut Lehmann auf.

In der Bartholomäikirche seien seine Frau Gisela und er getauft und konfirmiert worden. „In der Neuen Brücke gab es ein Kaufhaus Schramm. Dort hat meine Mutter als Verkäuferin gearbeitet“, erzählt Helmut Lehmann. Die Familie habe Zerbst allerdings nach der Zerstörung verlassen.

Kaufhaus Schramm an der Brücke

An das Kaufhaus Schramm kann sich auch Gisela Thiem noch gut erinnern. Es lag direkt an ihrem täglichen Schulweg, schildert sie am Telefon. „Einmal musste ich so nötig einem allzu menschlichen Bedürfnis nachgehen, dass ich mir an der Nuthebrücke ein Plätzchen suchen wollte. Schramm erwischte mich und dachte ich wollte seine Johannisbeeren aus dem Garten stehlen“, erzählt sie lachend.

„Obwohl ich erst im Jahre 1948 geboren bin und unser schönes altes Zerbst nicht aus eigener Erfahrung kenne, habe ich sofort die enge Gasse als die Neue Brücke erkannt“, schreibt Brigitte Weber in ihrer E-Mail. Ihr Schulweg habe sie jeden Tag an der Stiftskirche St. Bartholomäi vorbeigeführt, „in der ich getauft sowie konfirmiert wurde und in der ich geheiratet habe. An der Nordseite der Kirche befinden sich die drei Grabsteine, die auf dem Foto zu erkennen sind“, schreibt Brigitte Weber weiter.

Berühmter Bewohner

Die Neue Brücke hatte vor mehr als 250 Jahren einen prominenten Bewohner. Neue Brücke 34: Diese Adresse war im Jahr 1743 die Zerbster Anschrift des Hofkapellmeisters Johann Friedrich Fasch (1688-1758). Er lebte zur Untermiete bei Christian Rudolf Schrader. Es hatte lange gedauert, bis man schließlich das Wohnhaus von Fasch in Zerbst ausfindig machen konnte.

Im Archiv des Geistlichen Stifts zu St. Bartholomäi Zerbst ist der Schotte Brian Clark, ein Mitglied der Internationalen Fasch-Gesellschaft, auf einen Spendenbeleg im Kollektenbuch für den Frauentorfriedhof gestoßen, auf dem Fasch als Untermieter von Christian Rudolf Schrader vermerkt ist. J. F. Fasch wurde 1722 in Zerbst Hofkapellmeister.

Geschichte endet 1945

Im Museum der Stadt Zerbst haben Mitglieder der Fasch-Gesellschaft einen alten Stadtplan zur Hand genommen und geschaut, wo die Hausnummer 34 einst stand. Die Geschichte des Hauses Neue Brücke 34 endet am 16. April 1945.

Heute ist dort ein Wohnblock zu finden. Aus diesem Grund hat man sich dazu entschlossen, den Gedenkstein, der am 21. April 2013 enthüllt wurde, versetzt vom eigentlichen ehemaligen Standort des Hauses an der Nuthe-Brücke in der Neuen Brücke zu errichten.

Verbindung geschaffen

„Ich bin sehr froh, jetzt neben der Musik einen weiteren unmittelbaren Anknüpfungspunkt in der Stadt zu haben. Barbara Reul hat Fasch mit ihren Forschungen ein Stück mehr ins Stadtgebiet gerückt“, sagte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) bei der Einweihung.

In seinem Aussehen ist der Gedenkstein identisch mit jenen Stelen, die die schon vorhandenen zehn Stationen der Katharina-Route bilden. Da Fasch und sein Wirken in die Zeit Katharinas fallen und eng mit dem Schloss in Verbindung stehen, ist die Verbindung zur Katharina-Route automatisch gegeben und somit wurde der Gedenkstein die elfte Station auf der Katharina-Route.

Erinnerung an Hofkapellmeister

Johann Friedrich Fasch trat 1722 auf Vermittlung seines Freundes und Amtskollegen Gottfried Heinrich Stölzel zu Michaelis den Dienst als Hofkapellmeister am Anhalt-Zerbster Hof an und schlug im Dezember deswegen die vakante Stelle des Thomaskantors zu Leipzig aus, die dann bekanntlich Johann Sebastian Bach (1685-1750) antrat.

Zu den Internationalen Fasch-Festtagen, die alle zwei Jahre in Zerbst stattfinden, erinnern die Mitglieder der Gesellschaft an den berühmten Hofkapellmeister, indem sie auf der Neuen Brücken am Gedenkstein Blumen niederlegen.

Preis abholbar in Lokalredaktion

Erkannt haben die Neue Brücke auch Fritz Rekow, Isolde Wallendorf, Detlef Teßmann, Ursula Hackemesser, Helga Reinald und Thomas Brechler. Letzterer kann sich in dieser Woche auch über den kleinen Sachpreis freue.

Abgeholt werden kann der Preis wochentags ab 10 Uhr in der Lokalredaktion der Zerbster Volksstimme im Sparkassengebäude, Alte Brücke 45 (Hintereingang).